Etwas abseits stehen zwei Mädchen – eines davon schluchzt, ihre Freundin streicht ihr über die Haare. Liebeskummer. Am See unten unterhalten sich coole Jungs erregt darüber, ob sie betrunken sind oder nicht. Und in der Nähe der Bahngleise steht einer und übergibt sich in die Hecke. Sein Kumpel steht daneben und lacht.
Und auf dem Festgelände selbst? Da füllt sich die Wiese am See am Samstagabend erst gegen 20 Uhr. In den vier Stunden davor sitzen nur wenige auf den Bänken und lauschen der Musik. Und auch gegen 20 Uhr ist die Tanzfläche leerer als in den Vorjahren. Woran es liegt? Die Veranstalter und andere Erwachsene, die sich mit Jugendthemen beschäftigen, rätseln – eine Antwort findet keiner. Ob die zwei Euro mehr Eintritt (für beide Tage) schuld sind? Organisatorin Daniela Joos, bis vor kurzem Stadtjugendpflegerin und nun offiziell im Mutterschutz – das Festival organisierte sie ehrenamtlich - kann sich das nicht vorstellen. Zumal in diesem Jahr besonders hochkarätige Bands spielten. „Wir haben uns musikalisch echt noch gesteigert“, sagt Joos. Sie ist auch nicht wirklich unzufrieden mit den Besucherzahlen. „Masse ist nicht gleich Klasse“ argumentiert sie. Und immerhin: Am Freitag waren es etwa 600, am Samstag etwa 500 Besucher. Macht zusammen 1100. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es 1500 Jugendliche gewesen und im letzten Jahr wurden ähnlich viele Jugendliche beim Festival am See gezählt wie 2009. Auch wenn es dieses Jahr deutlich weniger waren: Die, die gekommen sind, feiern friedlich und ausgelassen.
Vorfälle wie Schlägereien oder Beleidigungen gibt es auf dem Festgelände nicht. „Das freut mich als ehemalige Stadtjugendpflegerin natürlich besonders“, sagt Daniela Joos. „Die Jugendlichen sind alle sehr zufrieden und haben Spaß.“ In der Tat: Diejenigen, die am Samstagabend gekommen sind um abzutanzen, haben sich vor der Bühne versammelt und bewegen die Arme in einem kollektiven Selbstverständnis exakt gleich – so, wie man sich zu dieser Musik eben bewegt. Für den Beobachter stellt sich das folgendermaßen dar: Rechter oder linker Arm nach oben, Hand leicht abgeknickt, Arm hoch, Arm runter. Arm hoch, Arm runter. Leichtes nicken mit dem Kopf. Wieder und immer wieder. Freilich gibt es auch einige, die freier tanzen. Manche wild und verrückt, manche in den Armen des Partners. Und wieder andere sitzen auch einfach nur auf den Bierbänken und beobachten das Treiben auf der Tanzfläche. Die Bässe hört man fast bis zur Bahnschranke in der Mühlenstraße. Beschwerden gibt es allerdings nur eine einzige. Das ehrenamtliche Organisationsteam, bestehend aus rund 60 Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter der Federführung von Leon Hahn und Daniela Joos, hat ja auch zuvor Einwurfbriefe an die rund 350 umliegenden Haushalte verteilt. Die Anwohner wussten also, was Sache ist. Und Schlag Mitternacht ist das Festival an beiden Tagen ohnehin vorbei.
