Überlingen Seit 66 Jahren ein Sozialdemokrat
22.01.2011
Überlingen (hpw) Von solchen Mitgliedern können Parteien heute nur träumen. Gleich mehrere Genossen hat der Ortsverein der Sozialdemokraten jetzt für mehr als 40-Jährige Treue geehrt. Allen voran Herbert Kiesewetter, der der SPD inzwischen schon seit 66 Jahren angehört. Vor diesem Hintergrund wird dem Vorsitzenden Dietram Hoffmann schmerzhaft bewusst, dass der Nachwuchs dünn gesät ist.
„Ich bin stolz darauf, dass ich so lange in der SPD sein durfte“, sagte der 90-Jährige Kiesewetter bewegt, als Landtagsabgeordneter Norbert Zeller ihm die Ehrennadel angesteckt und die Urkunde ausgehändigt hatte. Eingetreten war Kiesewetter in seiner Heimat unmittelbar nach Kriegsende im November 1945, allerdings kam es schon im April 1946 zur Zwangsvereinigung mit der KPD zur SED. Der damaligen DDR hatte er 1956 den Rücken gekehrt, im Westen eine Umschulung zum Steuerberater absolviert und eine Familie gegründet. Hier trat er dann erneut der SPD bei. Über Jahrzehnte hinweg war er stets präsent bei allen Versammlungen und aktiv bei Aktionen seiner Partei.
Einer, der für kurze Zeit auch schon mal weg war, ist Till Pralle (75), der aus Westfalen stammt, in Nordhessen lange Jahre aktiv war und von Dietram Hoffmann zur vergangenen Kommunalwahl wieder für die Partei gewonnen werden konnte. Pralle suchte als aktiver Sozialdemokrat den Kontakt zur Bewegung Soldarnoscz in Polen, engagierte sich für Tschernobyl und war nach dem Sturz Ceaucescus in Rumänien, um zu helfen. Er wurde ebenso für 40-Jährige Mitgliedschaft geehrt wie Inge Reichle-Müller, Wilfried Biester und Harald Werner.
Die ehemalige Lehrerin berichtete von Anfechtungen, der Partei den Rücken zu kehren – nicht nur als SPD-Kanzler Schröder Lehrer als „faule Säcke“ bezeichnet habe. Doch die Zustimmung zu den politischen Grundsätzen überwog bei ihr wie bei Wilfried Biester, der als Schwabe aus Sipplingen dazugestoßen ist und seine liebe Not mit dem Lavieren seiner Partei bei „Stuttgart 21“ hat. Seiner Position als ehemalige Tiefbauamtsleiter der Stadtverwaltung schuldete es Harald Werner, dass er sich in der Kommunalpolitik eher zurückgehalten habe.
