Überlingen Segeln als Daseinsbewältigung
Überlingen – „I am sailing“, bläst Saxophonist Marcus Preusch zum Auftakt von Arno F. Dirksens Ausstellung in der Volksbank. Dieser Titel ist Programm: Denn Dirksen malt nicht nur maritime Motive, sondern ist auch selbst leidenschaftlicher Segler. „Licht, Wind, Wasser werden Farbe“ heißt seine Werkschau und besser lässt sie sich in einem Satz nicht auf den Punkt bringen. Hört sich einfach an, wird aber selten so gut umgesetzt wie von dem langjährigen Gewerbeschullehrer, der über sein Schaffen sagt: „Meine Bilder entstehen aus dem Chaos. Die vielfachen Überlagerungen erzählen ihre eigenen Geschichten und geben Raum für Assoziationen.“ Und zwar auch jenen, die mit dem Segelsport an sich nichts am Hut haben. Das muss einfach Kunst sein!
Und zwar eine ganz eigenständige, wie Laudator Klaus Karsten, Kurator der Stuttgarter hace-Stiftung, Dirksen bestätigt. Zwar bediene er sich stilistischer Mittel aus drei Kunstepochen: der Vormoderne, der Abstraktion und des abstrakten Expressionismus. Dabei zitiere er jedoch keinen der bedeutenden Vertreter dieser Gattungen.
Dirksen ist Dirksen. Denn auch der maritimen Malerei, so Karsten, lasse er sich nur vordergründig zuordnen. Er vermittle zwar authentisch Segelsportmotive, dokumentiere aber nicht reale Regattasituationen, sondern generalisiere, verweise auf Typisches. Und: „Über den sportlichen Aspekt hinaus umfasst Segeln, diese archaische Art der Fortbewegung auf dem Wasser, mehr und Tiefgründiges.“ Ja, die Auseinandersetzung mit Wetter, Wasser, Wellen und Wind stehe symbolisch für die Daseinsbewältigung schlechthin. Karsten erinnert auch daran, dass die Einheimischen die ersten Sportsegler auf dem Bodensee für gottlos hielten, da diese ohne Not das Schicksal herausforderten.
Dass Dirksen neben all der augenscheinlichen Schönheit seiner Bilder diese Auseinandersetzung so intensiv vermittelt, hat vielleicht auch damit zu tun, dass er das Wasser nicht nur aus Sicht des Freizeitsportlers kennt. Als 18-Jähriger heuerte er als Schiffsjunge auf dem Schulschiff „Deutschland“ an.
Der 72-Jährige kennt das Meer und seine Tücken, und Gleiches dürfte bei seiner langen pädagogischen Tätigkeit für das Leben gelten. Vielleicht ist das auch eine Erklärung für die Brüche, die Karsten Dirksen bescheinigt, was der Laudator positiv meint. Der Künstler sei nicht nur „Seismograph für gesellschaftliche Erschütterungen, er trägt mit seinem Werk ebenso zu kulturellen Veränderungen bei, ist also Medium und Akteur zugleich.“
Hermann-Josef Schwarz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank und selbst passionierter Segler, zeigte sich von den Bildern begeistert. Sie bereiteten Freude und regten zum Innehalten ein. Und so dankten sich Banker und Künstler gegenseitig herzlich für die gelungene Ausstellung.
Arno F. Dirksens Ausstellung ist bis 5. Januar 2011 in der Volksbank Überlingen zu sehen.
