Überlingen Schwarzer Humor mit giftgrünem Tee

Noltes Culture Lounge feiert mit „Mord und Taktschlag – ein Abend mit Beil, Weib und Gesang“ Premiere

Genüsslich serviert sie giftgrünen Tee oder verdächtige Cookies. Wenn's sein muss, greift sie auch zum Hackebeil oder zum Fleischermesser. Hauptsache Rache. Es sind todbringende Küsse, die die Hauptdarstellerin bei der Premiere von „Mord und Taktschlag – ein Abend mit Beil, Weib und Gesang“ in Noltes Culture Lounge Überlingen verteilt. Grandios hat Schauspielerin Birgit Nolte-Michel die rachsüchtige Mary verkörpert, die sich in dem makabren Stück an der Männerwelt rächt.

Die Männer im Publikum waren tapfer. Brav aßen sie die Cookies auf, die ihnen Mary serviert hatte. Und so viel sei verraten: Als die Herren das Theater verließen, sahen sie noch sehr lebendig aus, ja, man darf sagen, sogar „very amused“. Denn die Version von Roald Dahls „Küsschen, Küsschen“, die Noltes Culture Lounge auf die Bühne brachte, war fantastisch. Gespickt mit herrlich schwarzem Humor, verfeinert mit schönen Gesangseinlagen und einer unglaublich ausdrucksstarken Mimik von Birgit Nolte-Michel.

Die Zuschauer mussten schon grinsen, bevor das Stück überhaupt begonnen hatte. Denn der kuriose weiße Sessel mit seiner überstrapaziert langen Rückenlehne wirkte in dem dunklen Gewölbe schon absurder als absurd. Gleich zu Beginn des Stücks schuf Michael Lauenstein mit seinem Akkordeon die passende Atmosphäre zu einem Abend, der eine Achterbahnfahrt durch leichtes Gruseln, ein bisschen ernste, versteckte Wahrheit und einem Humor gleichkam, der schwärzer war als jedes bekannte Loch im Universum. Britische Besucher hätten sicher den Hut vor dem Überlinger Publikum gezogen, das mit dem Stück richtig mitfieberte und sich bereitwillig einbeziehen ließ.

„Welche Frau kann behaupten, sie hätte noch nie an Mord gedacht“, fragt Mary und wartet. Schweigen. Stille. Dann fangen ein paar Zuschauerinnen an zu kichern. Das reicht Mary als Antwort, die am Anfang des Stücks Klytämnestra heißt, die Frau des Agamemnon, dem König von Mykene, den sie im Bad umgebracht hatte. Aber welchen Namen die Hauptfigur trägt, ist eigentlich auch egal. Denn die berühmte Rache der Frau gab es nicht nur im antiken Griechenland. Also nennen wir die Hauptfigur einfach Mary.

Mary hat es in sich. Verbittert und wütend mutiert sie zu erbarmungslosen Rächerinnen. Mit niederträchtigen Liebhabern und gleichgültigen Ehemännern wird kurzer Prozess gemacht, wenn sich herausstellt, dass sie nicht der Idealvorstellung ihres Märchenprinzen entsprechen. Auch der musikalische Magiker am Akkordeon ist im Visier Marys: Michael Lauenstein spielt herrlich mit. Ahmt mit seinem Instrument Mordszenen nach, die mit „Tatütata“ enden. Birgit Nolte-Michel und Michael Lauenstein harmonieren wie eine Einheit und scheuen auch vor spontaner Improvisation nicht zurück.

Weitere Aufführung: heute, 27. Mai.

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