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Überlingen Osiandersche Buchhandlung mietet sich in beste Lage ein

01.08.2012
Überlingen -  Das Tübinger Familienunternehmen, eine der zehn größten Buchhandlung im deutschsprachigen Raum, eröffnet im November seine 27. Filiale in Überlingen. Weder das Buchgeschäft Friedlein genau gegenüber noch die anderen drei örtlichen Buchhändler sieht Osiander als Konkurrenz. Der größte Überlinger Buchhändler sei Amazon und diese Rolle wolle Osiander übernehmen, sagt Geschäftsführer Hermann-Arndt Riethmüller.

Ein Blick durch die Auslage der Konkurrenz: Wo heute noch Schlecker steht, genau gegenüber des Buchgeschäftes Friedlein, wird im November die Filiale der Osianderschen Buchhandlung mit 500 Quadratmeter Verkaufsfläche auf zwei Etagen eröffnen.  Bild: Baur

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Das Ladengeschäft in der Münsterstraße 8 steht nach der Schlecker-Pleite nicht lange leer. Am Freitag unterzeichnete die Geschäftsleitung der Osianderschen Buchhandlung den Mietvertrag mit dem Hauseigentümer und Anfang November soll nach dem Umbau in Überlingen die 27. Filiale des Tübinger Buchhandelsunternehmens eröffnen. Osiander mietet nicht nur die ehemaligen Schlecker-Räume im Erdgeschoss an, sondern auch das erste Obergeschoss, in dem die BW-Bank residierte, bis sie die Stadt vor einem Jahr verließ.

„Die Aufgabenstellung an uns war, beide Stockwerke gemeinsam zu vermieten“, heißt es aus dem alteingesessenen Maklerbüro Gorber, das das Gebäude seit dem Bau vor zwölf Jahren vermarktet. „Das war eine gar nicht so einfache Herausforderung“, kommentiert Markus Gorber den Auftrag des Hauseigentümers und erklärt, dass sich allenfalls noch der Textilhandel für eine derartige Verkaufsfläche über zwei Etagen interessiert hätte.

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„Wir sind absolut überrascht“, sagt Eva Friedlein vom gleichnamigen Buchgeschäft genau gegenüber. Seit Samstag weiß sie davon, dass sie demnächst aus ihrem Büro den direkten Blick auf die Konkurrenz haben wird. „Erfreut sind wir darüber bestimmt nicht“, erklärt die Buchhändlerin, „ich kann und will nicht darüber richten, aber es ist klar, dass das ein Verdrängungswettbewerb wird“.

Friedlein und ihr Kollege Thomas Braun von der ebenfalls in der Münsterstraße gelegenen See-Buchhandlung sowie sein Bruder Andreas Braun, der die Buchhandlung im La Piazza betreibt, erfuhren am Samstag davon, dass Osiander kommt. Geschäftsführer Heinrich Riethmüller informierte die Mitbewerber per Brief, inklusive des Wunsches auf „gute, kollegiale Zusammenarbeit“. Eva Friedlein bot er überdies ein Treffen an. „Weshalb, das weiß ich nicht“, sagt sie, „die Entscheidung ist doch gefallen, ändern können wir ja nichts mehr“. Was Hans Guth von der anthroposophischen Fachbuchhandlung „Odilia“ in der Lindenstraße eigentlich gern täte, wenn es ginge. Er erfuhr erst durch die SÜDKURIER-Nachfrage von der kommenden Osiander-Filiale. Für ihn ist Buchhandel „ein ganz eigener Kulturbetrieb und damit hat so ein Konzern nichts zu tun“.

Weder Friedlein noch die Brüder Braun glauben daran, dass der Büchermarkt in der Stadt groß genug ist für sie alle plus Osiander. Thomas Braun verweist auf den Internet-Versandhandel und sagt: „Auch Überlingen ist kein Wachstumsmarkt – was Osiander macht ist sehr ehrgeizig und sehr gewagt. Wir können froh sein, wenn das Geschäft nicht weiter einbricht.“

Bei Osiander sieht man das ganz anders. Geschäftsführer Hermann-Arndt Riethmüller setzt auf das „zentrale Gebäude in der Innenstadt“ und ist fest vom Erfolg in der 21 500 Einwohner zählenden Stadt überzeugt. Nicht nur wegen des Tourismus, sondern vor allem wegen des eigenen Konzeptes. „Wir gehen in keine Stadt mit einem funktionierenden Buchhandel, bei dem wir davon ausgehen können, dass er die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verstanden hat“, sagt Riethmüller. Er sieht weder Friedlein direkt gegenüber noch den anderen örtlichen Buchhandel als Konkurrenz. Der wirkliche Konkurrent sei der Internetversand Amazon. „Er ist der größte Überlinger Buchhändler“, verdeutlicht Riethmüller, „und unser Ziel ist es, dass wir der größte Überlinger Buchhändler werden.“

Erreichen will Osiander dies durch einen Erlebnisbuchhandel, der auf die tiefgreifenden Veränderungen der Branche in den vergangenen zehn Jahren reagiert: Nicht mehr weil man ein bestimmtes Buch brauche oder wolle, gehe man in ein Buchgeschäft, sagt Geschäftsführer Riethmüller, sondern „zum Stöbern, zum Lesen, zum verführt werden, zum Kaufen“. „Dieses Gebäude gibt uns die Möglichkeit, unsere Ideen, unser Konzept zum Buchhandel zu verwirklichen.“

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