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Überlingen Opfer hält Mahnwache vor der Birnau

29.04.2010
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Überlingen - Der sexuelle Missbrauch an einem Ministranten in der Klosterkirche Birnau in den 60er Jahren war kein Einzelfall. „Auch ich bin damals Opfer von G.s Gelüsten geworden“, teilte ein ehemaliger Ministrant dieser Zeitung gegenüber mit.

Wie schon in einem anderen Fall, hat sich der Zisterzienserpater G. schon vor Jahren schriftlich entschuldigt – und wirkte als Priester weiter. Bis März dieses Jahres in einer Gemeinde in der Schweiz. Für die Staatsanwaltschaft waren die Fälle aus den 60er Jahren irrelevant, die Taten sind längst verjährt. Jetzt interessiert sich die Konstanzer Staatsanwaltschaft dennoch für Pater G.. Denn: Pädophilie ist nicht heilbar, und Pater G. war noch ein zweites Mal in der Birnau, 1987 bis 1992. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hegt einen „Anfangsverdacht“, dass es auch in dieser Zeit zu sexuellen Übergriffen gekommen sein könnte. Für ein mögliches Opfer, das 1992 zehn Jahre alt war, würde die Verjährung erst dieses Jahr enden.

Die Staatsanwaltschaft reagiert mit ihren Ermittlungen auf die Strafanzeige eines früheren Missbrauchs-Opfers. Der Mann hat durch eigene Recherchen herausgefunden, dass Pater G. nicht nur in den 60er Jahren in der Birnau lebte, sondern noch ein zweites Mal. Staatsanwalt Egon Kiefer sagte gegenüber dieser Zeitung: „Wir prüfen Fragen der Verjährung, wir prüfen, ob Taten vorhanden sind, die noch nicht verjährt sind. Wir haben hierzu einen Anfangsverdacht erkannt und Ermittlungen aufgenommen.“

Wie berichtet, bekam 2006 ein 53-jähriger Mann vom Bodensee ein Entschuldigungsschreiben von Pater G.. Der Geistliche räumte darin schweren sexuellen Missbrauch ein, den er zigfach in den 60er Jahren an einem Ministranten in den Privatgemächern der Klosterkirche beging. Ungeachtet seines Geständnisses konnte der Priester weiterhin, bis März 2010, in einer Gemeinde in der Schweiz als Priester arbeiten. Er trat erst zurück, als der 53-Jährige öffentlich Druck auf ihn ausübte und ihm drohte, ihn wegen pädophiler Taten bloßzustellen. Zu diesem Schritt getraute sich das Opfer erst im Rahmen der aktuellen Debatte. Vorher, sagte er, hätte er kein Gehör gefunden.

Nachdem diese Zeitung das Ordinariat der Erzdiözese Freiburg darauf hinwies, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen innerhalb ihres Bistums führt, kam es zum Gespräch zwischen Diözese und Staatsanwaltschaft. Dazu der Konstanzer Staatsanwalt: „Die Kirche hat sich gemeldet und ihre Zusammenarbeit angeboten. Von uns wird dies begrüßt und wir werden auf das Angebot zurückkommen.“ Gegenüber der Redaktion antwortete das Ordinariat auf die Frage, was es zur Aufklärung möglicher Fälle von sexuellem Missbrauch durch Pater G. in der Birnau unternimmt: „Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg wusste bislang nur von einem Missbrauchsopfer in Birnau durch Pater G. . Zur Aufklärung von Missbrauchsfällen unterstützt das Ordinariat die ermittelnde Staatsanwaltschaft Konstanz durch alle verfügbaren sachdienlichen Hinweise sowie durch Auskünfte beziehungsweise Einsichten, die die Staatsanwälte wünschen oder anfordern. Dies haben wir heute in einem Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Konstanz deutlich gemacht.“

„Vollständige Aufklärung“

Weiter teilt der Pressesprecher von Erzbischof Robert Zollitsch mit: „Uns liegt an einer vollständigen Aufklärung der Sachverhalte – im Interesse der Opfer, im Interesse der Gerechtigkeit und mit Blick auf den wichtigen Kampf gegen sexuellen Missbrauch in Kirche und Gesellschaft.“ Pater G. sei Mitglied der Abtei Wettingen-Mehrerau (Österreich). Dazu fügt der Freiburger Pressesprecher an: „Zuständiger (und auch für dessen Aufenthalt in Birnau verantwortlicher) Vorgesetzter ist der Abt dieser Abtei. Dem Zisterzienser-Abt obliegen alle erforderlichen kirchlichen Aktivitäten, die auf Pater G. bezogen sind. Opfern steht das Ordinariat zum Gespräch und zur Klärung von Hilfen und Unterstützung zur Verfügung.“ Außerdem erklärte das Ordinariat gegenüber dieser Zeitung: „Wir lernen aus diesen Erfahrungen, verbessern unsere Vorgehensweise in Verdachtsfällen und optimieren unsere (nach Ansicht von Fachleuten bereits jetzt vorbildliche) Präventionsarbeit.“

Dem 53-jährigen Mann vom Bodensee, der in den 60er Jahren von Pater G. schwer sexuell missbraucht wurde, ist ein Anliegen, dass die zuständigen kirchlichen Stellen einen Aufruf starten und nach möglichen Opfern suchen, für die noch eine Chance besteht, auf strafrechtlichem Wege Gerechtigkeit zu erhalten. Für ihn ist die Frist abgelaufen. Er erinnerte sich erst 2006 im Rahmen einer Psycho-Therapie an die Vorfälle, die er über Jahrzehnte verdrängt hatte.

Mahnwache in Birnau
Von unbekannt
Zufälligerweise waren wir am 22. April in Birnau, um einer Freundin aus den USA die Barockkirche ...
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