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Überlingen "Neptun" auf Abwegen: Wilde Verfolgungsjagd nach jungem Stier durch Nußdorf

Die Wasserschutzpolizei rettet einen vier Wochen jungen Stier aus dem Bodensee. Der Farre war dem Überlinger Bauer Franz-Josef Zündel beim Umsetzen auf die Sommerweide ausgebüchst.

Neptun, welch ein poetischer Name, der Gott der Meere, der Gott der springenden Quellen und des fließenden Wassers. Heilig waren der römischen Gottheit Pferde, Delphine und Stiere. Doch der Stier braucht Neptun nicht heilig zu sein, Neptun ist ein Stier, ein junger Stier, ein Kalb, ein Farre. Vier Wochen ist er alt, ein reinrassiger Hinterwälder. Und schon berühmt, ein medialer Star, der es auf die Titelseiten der Zeitungen schafft.

Dabei hatte der Farre anfangs noch keinen Namen, wie Bauer Franz-Josef Zündel erklärt. "Meine Tiere haben keine Namen." Aber dann passierte das Malheur an Karfreitag, der Farre büchste aus, ging im Bodensee baden und musste von der Wasserschutzpolizei mit einem Lasso aus dem Wasser gefischt werden. "Und jetzt heißt der Stier Neptun."

Ein paar Tage später steht Neptun wieder auf der Weide, springt, läuft, hüpft und grast, so wie alle anderen Tiere der Herde auch. "Neptun ist topfit und frisch gebadet", scherzt Bauer Zündel über seinen Held.

Am Karfreitag wollte er die 22 Tiere seiner Herde vom Winterquartier im Stall in Nußdorf rauf auf die Weide zwischen Nußdorf und der Birnau bringen. "Immer so vier bis fünf pro Fuhre", erklärt er. "So wie sie halt zusammen gehören" fährt er die Tiere in mehreren Fuhren in seinem Anhänger auf die Weide. "Die einzufangen ist gar nicht so einfach, die können eine ganz gute Dynamik entwickeln."

"Vollgas in den See"

Dabei ist ihm der junge Stier ausgebüchst. "Da ist er ab und weg, plötzlich hat der richtig Gas gegeben." Zu Fünft sind sie dem jungen Stier hinterher, aber der Stier rannte nur noch. "Der hat richtig Power gehabt." Die Verfolgungsjagd ging quer durch Nußdorf, über die Hauptstraße und die Bahngleise. Doch der junge Stier war schneller als seine Verfolger. Aber: "Die Leute haben uns gesagt, wo er hingerannt Franz-Josef ist."

Über den Strandweg ging die Verfolgung weiter in Richtung Jachthafen. Doch plötzlich ändert das Kalb seine Richtung, durch eine offenstehende Gartentüre kam es auf ein privates Seegrundstück. "Und dann ist es Vollgas in den See gerannt."

Dass Rinder schwimmen können, ist Zündel bekannt. Jetzt weiß er, dass auch Kälber schon schwimmen können. Und zwar recht gut. "Zuerst ist es rausgeschwommen, so etwa 100 Meter", berichtet er. Dann sei es ein Stück weit wieder zurück geschwommen, um dann aber wieder raus auf den See zu schwimmen. "Wir hatten richtig Angst um das Kalb, nicht dass es sich unterkühlt. Ich würde in das kalte Wasser nicht rein gehen."

Mittlerweile war die Wasserschutzpolizei alarmiert worden, mit Blaulicht kamen die mit ihrem Schiff auf dem See angefahren und konnten mit einer lassoähnlichen Leine das Kalb schließlich einfangen. Über die Bergeplattform am Heck hievten sie das Tier an Bord. "Das war ziemlich aufgeregt", so ein Beteiligter an Bord des Schiffes. Um Verletzungen zu vermeiden, hat man dem Tier die Füße zusammengebunden. "Der Kollege hat das Kälbchen dann beruhigt."

Franz-Josef Zündel: "Sowas habe ich noch nie erlebt"

Am Osthafen wartete schon Bauer Zündel und nahm sein Kälbchen von der Wasserschutzpolizei in Empfang. Annelore Overbeck kam zufällig vorbei, das Blaulicht und "die kläglichen Rufe des Kleinen" haben sie neugierig gemacht. "Das hatte einen ganz ordentlichen Freiheitsdrang."

Aber so schnell ging es nicht zurück in die Freiheit, denn Zündel hatte mittlerweile einen Tierarzt gerufen. "Wir wussten ja nicht, ob sich das Kalb vielleicht unterkühlt hatte, oder verletzt war, oder vielleicht Wasser in der Lunge hatte." Doch der Tierarzt konnte schnell Entwarnung geben: Dem Kalb geht es gut, alles gut überstanden.

Bauer Zündel ist glücklich, dass alles glimpflich ausgegangen ist. "So was hab ich noch nie erlebt", sagt er rückblickend, und sagt allen Helfern und Beteiligten Danke für die hervorragende Arbeit und gute Leistung.

Das Kalb kam gleich nach dem Vorfall zurück auf die Weide. Die Herde und Familie ist nach dem Ausflug und Bad von Neptun wieder glücklich vereint. Der Held Neptun ist übrigens nicht das einzige Tier der Herde mit Namen. Seit Karfreitag hat auch die Mutterkuh von Neptun einen Namen: Lisa.

Hinterwälder-Rind

  • Das Hinterwälder-Rind ist ein Hausrind aus dem Südschwarzwald. Die Farbe der Tiere reicht von gelb bis rot, das Fell kann einfarbig gedeckt, gefleckt oder gesprenkelt sein, der Kopf ist im Regelfall weiß. Es gilt als das kleinste Rind Mitteleuropas.
  • Schon Anfang des 18. Jahrhunderts wurde es gezüchtet und hat sich den dortigen Verhältnissen gut angepasst. Es gilt als sehr robust und widerstandsfähig, gleichzeitig zeichnet es sich auch durch Leichtigkeit, Beweglichkeit und Trittsicherheit aus.
  • In den 1970er Jahren wäre das Hinterwälder-Rind fast ausgestorben. Eine engagierte Gruppe von Züchtern und Haltern hat es allerdings geschafft, die Rasse zu erhalten. Heute gibt es eine Gesamtpopulation von etwa 4000 Tieren.

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