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Überlingen Nach dem Tod der Uhu-Mutter: Überlingen tauscht Giftköder gegen Schlagfallen aus

Nach dem Tod einer Uhu-Mutter im Oktober zog die Stadt Überlingen Konsequenzen: Die Schädlingsbekämpfer dürfen nur noch Schlagfallen gegen Ratten verwenden, keine Giftköder mehr. Die Uhu-Mutter hatte offenbar Ratten gefressen, die sich durch ausgelegte Köder vergiftet hatten.

Der Tod der Überlinger Uhu-Mutter Ende Oktober hatte Konsequenzen für die Schädlingsbekämpfung in der Stadt. Wie die Gewebeuntersuchungen nahelegten, ist die große Eule, die im Stadtgraben viermal erfolgreich gebrütet hatte, einem Rattengift zum Opfer gefallen. Wo sie das vergiftete Nagetier erwischt hatte, lässt sich nicht rekonstruieren. Die Stadt selbst hatte im Bereich des Mantelhafens nach Beschwerden von Bürgern seit einigen Jahren einige Fallen mit giftigen Ködern aufstellen lassen.

Die sind jetzt entfernt worden, stattdessen sollen nur noch Schlagfallen zum Einsatz kommen. Dabei hat Schädlingsbekämpfer Gerhard Scherer aus Salem große Zweifel, dass der Uhu die vergiftete Ratte am Mantelhafen geholt habe. Zum einen sei das kein typisches Jagdgebiet, betont Scherer. Zudem sei der Bewuchs dort viel zu dicht, als dass die Eule leicht an ihre Beute komme. „Aus meiner Sicht ist die Stadt da viel zu schnell in die Pfanne gehauen worden“, sagt Scherer.

Nötig scheinen die Bekämpfungsmaßnahmen jedoch nach wie vor, wie Förster Rolf Geiger und Dagmar Schaupp vom Ordnungsamt bestätigen. Kritische Komfortzonen für die nachtaktiven Nagetiere sind manche Bereiche der Promenade, derzeit besonders beim Mantelhafen. „Doch es gibt inzwischen eine offizielle Anweisung, dass die Schädlingsbekämpfer nur noch Fallen ohne Gift verwenden dürfen“, betonen beide. Dem Ordnungsamt liege ein Angebot für alternative Methoden vor, wie Scherer sagt: „Doch bisher habe ich noch keinen Auftrag bekommen.“ Beim Einsatz von Schlagfallen müsse der Schädlingsbekämpfer häufiger kontrollieren, sagt die Chefin des Ordnungsamts. Vorher hätten die Ratten den Köder geschnappt und seien damit verschwunden, ehe das Gift wirkte. Jetzt müssen die Kisten häufiger wieder nachgerüstet werden. „Im Prinzip muss man die Fallen jeden Tag kontrollieren“, erklärt Scherer: „Das wird ganz schön teuer.“

Auch für das Ordnungsamt ist es keineswegs gesichert, dass der Uhu am Gift eines städtischen Köders gestorben sei. „Als Stadt haben wir darauf reagiert und lassen nur noch Schlagfallen aufstellen“, sagt Schaupp. Aber auch Landwirte und Privatleute könnten jederzeit Rattengift kaufen. Umso mehr appelliert sie auch an deren Zurückhaltung, um das Risiko unerwünschter Opfer zu minimieren. Auch in städtischen Kleingartenanlagen habe die Stadt früher schon Ratten bekämpfen müssen.

Geiger und Schaupp mahnen daher, keine Speisereste in Gebüsche oder offene Abfallbehälter zu werfen. Das sei ein gefundenes Fressen für die Nager. „Irgendwo in den Kanälen gibt es immer ein paar Ratten“, sagt Geiger: „Das ist und war in den letzten Jahren auch nie ein großes Problem.“ Wenn die Nager nachts häufiger an die Oberfläche gelockt würden und Bürger das Ordnungsamt auf den Plan riefen, müsse die Stadt handeln. Je mehr Essensreste leicht erreichbar weggeworfen werden, desto einladender ist dies für die Tiere. Einzelne Beobachtungen habe es auch in der Nähe des Schulzentrums schon gegeben. Geiger vermutet, dass „Schüler Essensreste ins Gebüsch werfen“.

 

Genickschlag statt Gift

Ein hochgiftiges Cumarinderivat, das in Fraßködern verwendet wird, war bei der Laboruntersuchung des verendeten Uhus festgestellt worden. Difenacoum, eines dieser Derivate, ist ein Blutgerinnungshemmer. Köderblocks mit Difenacoum gegen Ratten und Mäuse sind frei verkäuflich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe der Uhu vergiftete, noch nicht verendete Tiere gefressen, hatte die Stadt erklärt. Obwohl unklar ist, wo der Uhu die Ratte erbeutet hat, will die Kommune keine Giftköder mehr ausbringen lassen.

Vorteil der Fraßköder ist aus Sicht der Schädlingsbekämpfer, dass das Gift erst langsam wirkt und die Tiere die Kisten noch verlassen können. So können damit mehrere Ratten erwischt werden, wie Spezialist Gerhard Scherer betont. Bei den Schlagfallen wird den Nagetieren das Genick gebrochen und sie bleiben in der Falle. Diese müssen mit größerem Aufwand regelmäßig kontrolliert werden.

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