Überlingen Nach Unfall steht Tauchschule in der Kritik
Ein Taucher (Symbolbild). Bild: dpa
Der Tauchunfall, der sich am Samstag im Bodensee am westlichen Stadteingang auf Höhe Seezeichen 24 ereignete, hat offensichtlich ein Nachspiel. Die Wasserschutzpolizei ermittelt gegen den Tauchlehrer und den Tauchlehrer-Assistenten, die mit den beiden Tauchschülern abgestiegen waren. Nachdem einer davon, ein 34-jähriger Mann, Probleme bekommen hatte, ließen ihn die begleitenden Tauchlehrer aus einer Wassertiefe von 31 Metern „alleine schnell nach oben aufsteigen“, hatte die Wasserschutzpolizei bereits am Wochenende gemeldet.
„So etwas macht man normalerweise nicht“, war jetzt aus dem Überlinger Wapo-Revier auf SÜDKURIER-Anfrage zu hören, es sei „keine gute Praxis“, einen in Schwierigkeiten geratenen Tauchschüler alleine an die Wasseroberfläche zu schicken. Schließlich sei bei Ausbildungstauchgängen ein Tauchlehrer dabei, damit der Schüler in Extremsituationen immer einen erfahren Taucher an seiner Seite habe. „Der Lehrer muss eigentlich von Anfang bis Ende beim Schüler sein“, erklärt ein Wasserschutzpolizist weiter, „ja, wir ermitteln in diese Richtung“. Weitere Details wolle er aber in dem laufenden Verfahren nicht sagen.
Dem Tauchschüler, der mit dem Rettungshubschrauber ins Druckkammer-Zentrum Stuttgart geflogen worden war, stammt wie die Tauchschule aus der Stuttgarter Gegen. Er sei inzwischen auf dem Wege der Besserung, erklärte die Wapo.
Indes werden zu dem Vorfall auch in Fachkreisen kritische Fragen laut. „Was macht ein Tauchschüler in 31 Meter Tiefe?“ überlegt ein Taucher, der den SÜDKURIER-Artikel zum Tauchunfall im Internet kommentiert. „Mit Schülern macht man Nullzeittauchen bis 10 Meter Tiefe. Dann gibt es solche Unfälle nicht. Außerdem hätte der Lehrer-Assistent für einen kontrollierten Notaufstieg mit dem Schüler zusammen sorgen sollen.“ Ein anderer Leser, der eigenem Bekunden nach seit 15 Jahren taucht, schreibt, er stelle „ mit Erschrecken fest, wie leichtsinnig mit den Sicherheitsvorkehrungen umgegangen wird.“ Und meint: „Einen Tauchschüler mit Problemen alleine aufsteigen zu lassen, das ist wie mit verbundenen Augen über eine Autobahn zu laufen.“Das Opfer war vom Notarzt ins Überlinger Helios-Spital eingeliefert worden, wo eigentlich eine Druckkammer vorhanden ist. Nach Stuttgart geflogen werden musste der Mann, weil die Überlinger Kammer wegen einer laufenden technischen Revision nicht zur Verfügung stand. „Das ist ein völlig normaler Vorgang, dass muss ja irgendwann mal stattfinden“, widerspricht der Wapo-Sprecher diesbezüglich aufkeimender Kritik. „Es war auch bekannt, dass die Kammer nicht zur Verfügung steht.“ Die Notfalleinrichtung zur Dekompression wird von Krankenhaus und einem örtlichen Tauchclub gemeinsam vorgehalten, weil Überlingen ein Zentrum des Tauchsports ist. Sie werde aber nur selten benötigt, heißt es von der Wapo, bei vielen Tauchunfällen werde sie gar nicht benötigt.
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Der obige Artikel im Südkrier enthält ...