Überlingen Mitsprache auch nach Verkauf
Spätestens zum 1. April 2007 soll am Überlinger Krankenhaus das Schild der "Helios" hängen. Bild: Archiv
Überlingen - Am Ende eines "langen Entscheidungsprozesses", wie Weber sagte, waren sich alle einig: Der Aufsichtsrat des Krankenhauses unter seinem Vorsitz, erweitert um alle Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates, Chefärzte, Vertreter der Belegärzte und des Betriebsrates, stimmte vergangenen Freitag einstimmig für den Verkauf an die Helios Kliniken GmbH. Dieses nichtöffentliche Votum wird nun als Empfehlung an den Spital- und Spendenfonds als Krankenhausträger weitergegeben. Dessen Stiftungsrat, deckungsgleich mit dem Gemeinderat, hat in seiner Sitzung am 13. Dezember das letzte Wort.
In der Ratssitzung wollen Stadt und Helios die Zukunft des Krankenhauses öffentlich im Detail darstellen, um zu zeigen, dass wir "einen kompetenten Partner haben", sagte Weber gestern in einer Pressekonferenz. Wenn danach die Vertragsverhandlungen so zügig laufen, wie es sich der OB vorstellt, soll der Verkauf spätestens zum 1. April 2007 wirksam werden. Helios übernähme dann am Krankenhaus eine Mehrheitsbeteiligung von 94,9 Prozent. Im neuen Aufsichtsrat wäre der Spital- und Spendenfonds allerdings "überproportional repräsentiert". Wichtige Strukturentscheidungen könnten auch künftig nur mit dessen Zustimmung getroffen werden, erklärte Weber weiter. Und kein Mitarbeiter brauche um seinen Arbeitsplatz zu bangen. "Wir haben klare Aussagen zum Erhalt des Personals erhalten", so Krankenhaus-Geschäftsführer Ernst Widenhorn, "das war uns sehr wichtig."
Vier potenzielle Partner stellten in der Aufsichtsratssitzung ihre Angebote vor. In deren Diskussion seinen jene Experten des Krankenhauswesens, Juristen und Wirtschaftsprüfer wieder einbezogen worden, die die Stadt bereits im Vorfeld beraten hatten. Am Ende ausschlaggebend war das Geld: Weder Friedrichshafen noch Konstanz konnten Investitionskonzepte präsentieren, die Überlingen überzeugt hätten. Wie Weber und Widenhorn verdeutlichten, sei Helios bereit, die notwendige Erneuerung des Funktionstraktes und der Medizintechnik in Höhe von 15 Millionen Euro ebenso zu tragen wie den geplanten Bau des Facharztzentrums für rund fünf Millionen Euro.
"Trotz aller Bemühungen von Politikern" sei eine regionale Kooperation mit Friedrichshafen verworfen worden, weil deren medizinisches Konzept die "natürliche Konkurrenzsituation" nicht ausreichend aufgelöst habe. Konstanz hingegen habe diesbezüglich "gute und pragmatische Vorschläge gemacht".
Ein Großer in der Branche
Die Helios Kliniken GmbH, die mit ihrem Hauptsitz in zwei Wochen von Fulda nach Berlin umzieht, betreibt in Deutschland 56 Krankenhäuser mit 26400 Mitarbeitern. Deren Größe reicht von Einrichtungen mit 80 Betten bis zu Häusern der Maximalversorgung, etwa Erfurt (1270 Betten), Schwerin (1406) oder Berlin-Buch (1000), wo Helios mit der Charité kooperiert. Das Engagement in Überlingen ist laut OB Weber für Helios auch deshalb interessant, weil es ihr um eine "Standortpositionierung im Süden" gehe.
In der Branche wie auch bei Kommunen hat Helios einen ausgezeichneten Ruf. So auch im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, wo Helios mehrere Klinken betreibt. Weber erklärte, der dortige Landrat Jochen Glaeser habe "sehr viel Gutes berichtet". Weniger gute Erfahrungen macht man derzeit allerdings im badischen Herbolzheim. Das dortige Krankenhaus schloss Helios vor kurzem, fünf Jahre nach der Übernahme wegen zu hohen Sanierungsbedarfs. Dem stehen indes erfreuliche Entwicklungen wie etwa in Idstein im Taunus gegenüber, dort riss Helios ein marodes 80-Betten-Haus ab und baut es völlig neu.
