Überlingen Missbrauchsopfer muss Kirchplatz verlassen
Ein Mitarbeiter der Birnau beendete sie, wie er dem SÜDKURIER gegenüber sagte, mit den Worten: „Ich muss Sie bitten, das private Terrain der Kirche zu verlassen.“ Die Mahnwache war begleitet von Emotionen der Passanten. „Warum dieser Auftritt, nach Jahrzehnten?“, fuhr ein älterer Herr den 53-Jährigen an. Eine Urlauberin aus dem Odenwald sprang dem Opfer zur Seite und sagte: „Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Zivilcourage.“
Der 53-jährige Demonstrant wurde als Ministrant in den 60er Jahren von Pater G., der dies schriftlich einräumt, in der Birnau mehrfach sexuell missbraucht. Dem 53-Jährigen wurden die Übergriffe, die sein Leben schwer belasteten, erst vor vier Jahren im Rahmen einer Therapie bewusst. Hätte er damals demonstriert, so die Überzeugung des 53-Jährigen, hätte ihm niemand Gehör geschenkt. In der aktuellen Debatte fasste er den Mut, Pater G. direkt und mit öffentlichem Druck zum Rückzug von seinen Ämtern zu drängen, was im März dieses Jahres auch geschah.
Mittlerweile hat der 53-Jährige herausgefunden, dass Pater G. nicht nur in den 60er Jahren in der Birnau tätig war, sondern ein zweites Mal, zwischen 1987 und 1992. Fachleute sind der Meinung, dass Pädophilie nicht heilbar ist. Und so fragt sich nicht nur der 53-Jährige, ob es 87 bis 92 erneut zu sexuellen Übergriffen kam. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hegt zumindest einen „Anfangsverdacht“ und ermittelt. Wie die Erzdiözese Freiburg, in deren Bistum die Birnau liegt, dazu mitteilt, „unterstützt das Ordinariat die ermittelnde Staatsanwaltschaft Konstanz durch alle verfügbaren Hinweise, durch Auskünfte und Einsichten, die die Staatsanwälte wünschen oder anfordern“.
Andreas Fröhlich, ein Mitarbeiter der Birnau, verwies den 53-Jährigen nach rund einer Stunde des Platzes, das Transparent solle, wenn, dann auf öffentlichem Raum außerhalb des Kirchplatzes gezeigt werden. Gegenüber dem SÜDKURIER sagte Fröhlich, der nicht als Sprecher des Priors von Birnau auftrat, sondern seine persönliche Meinung äußern wollte: „Diese Ereignisse schmerzen jeden Christen. Im Sinne der Botschaft der Liebe von Jesus Christus geht man aber anders mit solchen Dingen um als mit einer Aktion, die einfach nur Ärger hervorruft, vor allem Ärger bei unserem Herrn Jesus Christus. Es gibt gewisse Dinge, die man nicht so an den Haaren an die Öffentlichkeit reißt, sondern die man dort regeln sollte, wo man sie regeln kann. Unter Christen ist das möglich.“
Ein Sprecher des Abtes von Mehrerau, dem Birnau unterstellt ist, sagte: „Von Seiten der Abtei Mehrerau gibt es die Einladung an die Opfer, wenn es ihnen möglich ist, mit dem Abt ins Gespräch einzutreten. Diese Einladung geht auch an jenes Opfer, das heute Mahnwache abgehalten hat.“
Opfer hält Mahnwache vor der Birnau

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