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"Message" des Malers kommt auf die Tasten

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Hendrik Schwarzer, 17-jähriger Gymnasiast aus Freiburg, begeisterte mit der Uraufführung seiner pianistischen "Hommage an Friedensreich Hundertwasser" im Neuen Schloß Meersburg. | Bild: Rieger

Hendrik Schwarzer ist ein sympathischer Jugendlicher mit warmherzig offenem Wesen und ein Vollblutmusiker dazu. Faszinierend gestaltet hat er seine pianistische Hommage an Friedensreich Hundertwasser im Spiegelsaal, ein op. 4 aus eigener Feder - uraufgeführt aus Anlass der Hundertwasser-Ausstellung im Neuen Schloss. Der 17-jährige Gymnasiast lebt in Freiburg und will später Komposition studieren. "Parallel mit dem Laufenlernen habe ich mich für die Tasten und die Technik am Klavier interessiert und mich an Dreiklang-Akkorden ausprobiert", erzählt Hendrik im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der viel versprechende junge Künstler mit Affinität zur klassisch-romantischen Harmonik komponierte schon etliches. Sein op. 1, ein symphonisches Orchesterwerk, wurde im Freiburger Konzerthaus durch die dortige "Junge Kammerphilharmonie" uraufgeführt und ist ebenfalls eine Hommage an Hundertwasser. Was ihn auf die Idee brachte, sich dem Wiener Maler zu widmen? "Das ist eine lange Geschichte", sagt Hendrik. Angeregt worden sei er durch Michael Wegmann, dem Veranstalter der Hundertwasser-Ausstellungen. "In der Auseinandersetzung mit Hundertwasser wurde mir die "Message" bewusst, die er mit seinem Werk transportiert. Bei ihm ist alles an die Natur angelehnt. Ich glaube, er lebte seine Überzeugungen. Er sagt, dass die gerade Linie unnatürlich und unmenschlich ist - ein zentraler Ausgangspunkt für sein Schaffen".

Intensiv widme er sich der Philosophie Hundertwassers, die geprägt sei vom positiven Gefühl zur Natürlichkeit, zum Menschen, zur Natur und zu jeder Kreatur. "Inspiriert von Hundertwasser und seinem Werk, versuche ich das in meinen Kompositionen zu verarbeiten und zu vermitteln."

Die Botschaft hat der junge Vollblutmusiker mit der gelungenen Uraufführung seiner zehnsätzigen Klaviersuite op. 4 "Hommage an Friedensreich Hundertwasser" im Neuen Schloss überzeugend vermittelt. Das zentrale Thema, aufgeteilt in Leben und Werk, entwickelt sich zur spannenden Geschichte. Hendrik setzt sich an den Flügel. Lächelt, sammelt sich kurz. Ein fulminantes Glissando bildet den Auftakt zur euphorischen, mächtigen Ouvertüre. Den großen Klang lässt er ausschwingen. Er hält ihn mit dem Pedal - und noch bevor der Klangteppich verschwindet, ertönt eine feine, kleine, silbrige Melodie: Großes wird zu feinem Tonstaub gebrochen und entwickelt sich zum Leitthema. Synonym für Natur und Jagd steht das Horn (Florian Künzler).

Als es in den 6/8-Takt geht, beginnt es aus ruhiger Phase plötzlich zu schmettern - als martialisches Symbol des Eingriffs durch den Menschen. Große Bedeutung für die Aussage der Suite hat ein "kleines Lied der Natur", in dem die Klänge über melancholische zu fröhlichen Farben führen. Faszination üben die musikalischen "Bild-Interpretationen" aus, beispielsweise das von innerer Kraft und Ruhe getragene "Dalai Lama", zu dem der junge Pianist mit seinem Freund Manfred Mantrik einen tibetischen Mönchgesang intoniert. Begeisterter Beifall, begleitet von enthusiastischem Fußgetrappel.

Gabi Rieger

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