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Meersburg Martin Walser liest beim Sommertheater 2017

Da hatten die Macher des Sommertheaters 2017 eine echte Überraschung parat: Schriftsteller Martin Walser wird, entgegen seiner Prinzipien, doch in seiner Heimatstadt Überlingen lesen.

Für das Sommertheater, das Martin Walser einst mitbegründete, bricht er mit einem Prinzip: nie in seiner Heimatstadt Überlingen zu lesen. Doch nun wird er am 5. Juli, 20 Uhr, im "Kapuziner" aus seinem jüngsten Buch "Statt etwas oder Der letzte Rank" vortragen. "Obwohl ich nie in Überlingen lesen wollte, sage ich einfach zu." So antwortete der große Schriftsteller schlicht Oswald Burger, der ihn darum gebeten hatte. Somit ist Walsers Lesung der unerwartete Clou beim Sommertheater, das die Stadt Überlingen nach dem Ausstieg des Theaters Konstanz erstmals in Eigenregie veranstalten wird, unterstützt von Simeon Blaesi und dessen gemeinnütziger GmbH Bühne. Das Programm entwickelte der Förderverein Sommertheater, dessen stellvertretender Vorsitzender Burger ist. Nachdem die Verantwortlichen es bereits bei der Versammlung des Fördervereins im April vorgestellt hatten, erläuterten Burger und Blaesi nun bei einem Pressetermin weitere Details.

Besonders interessant ist die Entstehungsgeschichte des Stückes "Wenn es Nacht wird in Überlingen", das Stadtgeschichte aus 600 Jahren in musikalischen Bildern erzählen will. Und diese puzzeln Burger und das Then-Quartett um Spielleiter Bernhard Stengele in intensiver Recherche- und Probearbeit zusammen.

So manchen Schatz hat Burger dafür geborgen, so etwa im Freiburger Volkslied-Archiv das selbst zusammengestellte Liederbüchlein einer Maria Böhrer aus Überlingen, oder die eigenhändige Vertonung des Eichendorff-Gedichts "Komm, Trost der Welt" von Christian Lahusen, der während der Nazizeit in der Stadt Zuflucht gesucht hatte. Von Oswald von Wolkensteins Klagelied über die Überlinger Beutelschneiderei während des Konzils, das der Minnesänger in Worte und Noten setzte, über Raymonds Durchhalteschlager "Es geht alles vorüber" bis zu modernen Liedern reichen die Quellen, aus denen das Quartett Überlinger O-Töne schöpfen kann. Kulturamtsleiter Michael Brunner, der Oberbürgermeister Jan Zeitler vertrat, ist vom neuen Konzept für das Sommertheater begeistert und versprach: "Wir (die Stadt) sind jetzt Veranstalter. Der Spirit soll der gleiche bleiben – oder vielleicht noch besser werden." Er persönlich freue sich besonders, "dass Achternbusch mal gezeigt wird in Überlingen".

Brunner dankte allen, die den Neubeginn des Sommertheaters ermöglichten, so Blaesi, der sich "Tag und Nacht dafür eingesetzt hat" und den Ehrenamtlichen vom Förderverein Sommertheater. Dessen Vorsitzender Thomas Becker betonte: "Wir arbeiten unentgeltlich, um die Stadt attraktiver zu machen.

" Brunner und Becker würdigten beide ausdrücklich die Unterstützung durch die Hauptsponsoren: zum einen die Volksbank Überlingen, die das Theater wieder mit 5000 Euro sowie beim Crowdfunding sponsert, zum anderen die Klinik Buchinger Wilhelmi, die 2000 Euro spendet und außerdem ein Kontingent von 45 Karten für ihre Mitarbeiter und Gäste kauft. Erich Heggenberger von der Volksbank lobte den Mut der neuen Theatermacher. Er könne für seine Bank nichts versprechen, "aber ich glaube, das Sommertheater wird auch künftig fester Bestandteil im Sponsoring sein". Elvira Fröhlich von der Fastenklinik betonte: "Es ist uns ein Anliegen, die Kultur in Überlingen zu unterstützen." Letztere sei auch ein wichtiger Standortfaktor.

 

Crowdfunding

Die Inszenierung des Stücks "Wenn es Nacht wird in Überlingen" soll über Crowdfunding finanziert werden. Das heißt, viele Menschen ermöglichen, auch mit kleinen Beiträgen, ein Projekt – aber nur, wenn eine festgelegte Summe erreicht wird. In diesem Fall beträgt die festgesetzte Summe 10 000 Euro. Die Volksbank Überlingen unterstützt die Theaterfreunde. Sie stellt ihre Internet-Plattform zur Verfügung und gibt zu jeder Spende ab fünf Euro zehn Euro dazu. Der Beitrag der Bank kommt auf jeden Fall dem Stück zugute. Momentaner Fundingstand: 1410 Euro. Man kann die Spende auch beim Verein abgeben oder am Samstag, 27. Mai, während des Marktes, am Café im Rathaus online einzahlen.

Crowdfunding-Plattform im Internet: volksbank-ueberlingen.viele-schaffen-mehr.de/nacht

 

Theaterprogramm 2017

  • "So machen's alle" heißt das Hauptstück des Sommertheaters 2017, Premiere ist am 6. Juli. Es ist eine Komödie frei nach Mozarts "Così fan tutte", allerdings mit Schlagermusik von Manuel Kressin und Olav Kröger.
  • Ernst wird es mit dem Einpersonenstück "Ella", einer Geschichte von Herbert Achternbusch über eine Frau, die ein Leben lang "verdummt" wurde und deren Geschichte aus der Perspektive ihres Sohnes erzählt wird. Reinhard Böhm, von Beruf Klinik-Clown, steht ab 14. Juli auf der Bühne.
  • Eigens für das Sommertheater entstand das Stück "Wenn es Nacht wird in Überlingen", das die 600-jährige Geschichte des "Kapuziners" zum Anlass nimmt, Stadtgeschichte in musikalischen Bildern zu zeigen. Premiere ist am 20. Juli.
  • Von Überlingen aus geht's auf eine musikalische Weltreise von und mit Bernhard Stengele, Paul Amrod und Quelgo Téné. Premiere ist am 1. Juli.
  • Karten, auch für die Walser-Lesung am 5. Juli, sind bei der Tourist-Information oder im Internet erhältlich. Einen Frühbucherrabatt von je zwei Euro gibt es noch bis 31. Mai. Neu: eine Last-Minute-Aktion für alle "Ermäßigten" wie Schüler oder Azubis: Sie bekommen Restkarten à zehn Euro ab 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn, jeweils ab 19.40 Uhr, an der Abendkasse.
  • Weitere Informationen im Internet: www.sommertheater-ueberlingen.de.

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