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Überlingen Männerkaffee ist eine feste Größe

01.03.2011


Überlingen – Es war ein glückseliger Tag für Michael Reutlinger, der vor vier Jahren in subversivem Geist den Männerkaffee im „Anusch“-Pub aus der Taufe gehoben und damit der etablierten Narrengesellschaft mit der ehrwürdigen Dorfer-Elite einen Nadelstich versetzt hatte. Zur fünften Auflage bescheinigte Narrenmutter Wolfgang Lechler, dass sich die närrische Nische längst erfolgreich etabliert habe, und heftete Reutlinger einen Orden an die Brust.

Der Initiator seinerseits verteilte zum ersten kleinen Jubiläum reichlich Ehrenplaketten an verlässliche Mitstreiter.

Doch die Freude des Dortmund-Fans hatte schon am Vorabend beim schwarz-gelben Sieg in der Allianz-Arena ihren Lauf genommen. Dennoch konnte sich der Spitzenreiter in der Fußballkneipen-Champions-League auf den Sportsgeist der Konkurrenz verlassen. Die leidtragenden Bayern-Fans aus der FC-09-Führungsriege ließen es sich nicht nehmen, die Weißwürste als solide Grundlage für das Bütten-Menü auszugeben. Die Zahl der Fastnachtsgourmets ließ sich auch mit organisiertem Durchzählen nicht ermitteln. Gut, dass der Gastwirt mit einem Umbau zumindest „gefühlte 1,7 Quadratmeter“ an Raumgewinn erzielt hatte, wie Christian Walter später zu Protokoll gab. Hinter dem Tresen behielten Christine und Gabi indessen auch ohne Quote den Überblick.

Seine Solo-Benefiziaktion „Narr mit Herz“ zieht der Überlinger sogar schon im zwölften Jahr mit Nachdruck durch. Ihr zugute kommt auch die Versteigerung einer Eintrittskarte im Internet. Dass den Überlingern der Sonntag eben noch „heilig“ sei, schrieb Reutlinger die Tatsache zu, dass die Karte für 66 Euro unter manchem angekündigten Höchstgebot wegging.

„Die Hafenstraße hat das tiefste Niveau in der Stadt, das lässt sich nachmessen“, hatte Conferencier Norbert Schmidt schon mal in Erinnerung gerufen, ehe sich die Büttenredner redlich bemühten, dem Ruf auch gerecht zu werden. „Verkehrsdiskussionen“ seien tatsächlich höchst aktuell, wie Karl-Heinz Saum als „erotisches Wunder aus Kogenbach“ bekannte.

Schwabenexperte Ritzhaupt berichtete als „Brennholz-Karle“ auch Neues vom Auftritt der Alten Wieber bei der „EU-Fastnacht“ in Salzburg. Ganz neu im Ring war Walter Tepel, Kutscher im wirklichen Leben wie in der Bütt, der manch neue Beobachtungen aus höherer Warte beisteuern konnte und noch wohlschmeckende Hinterlassenschaften seiner Pferde austütete.

Wie man mit einer Bombendrohung kostenlos Publizität erlangt, schilderten Andreas Widmer und Rainer Mühl. Sie deckten auch auf, dass die aktuelle Demokratisierungswelle im Sturz des „letzten Überlinger Despoten“ durch die Basis der Schwerttanzkompanie ihre eigentlichen Wurzeln hatte. Selbst einem kleinen Erdbeben konnte Feuerwehrmann Roland Berkowski etwas Gutes abgewinnen: „Dann bewegt sich wenigstens etwas im Rathaus.“

Viele Zielscheiben sind hinlänglich bekannt, die von Kneippengänger Harald Messner („Hänsele sind heldenhaft“), dem Mottobeauftragten Christian Walter („Hallo erst mal beim Hartz-IV-Dorfer“), Handwerker „Gawasch“ Andreas Schorpp („Aus jeder Immobilie ein schwäbisches Altersheim“) und dem Brauchtumsbeauftragten Frank Neumann („Bürgerinitiativa braucha mir itt“) ins Visier genommen wurden. Andreas Pross schilderte die Eindrücke einer Berliners und Karl-Heinz Hummel forderte eine Neubelegung des Geheges im Stadtgarten. „Rein mit den Löwen, raus mit den Rehen“.

Es überraschte nicht, dass sich die Narren kritisch mit der „Ober-Beckermeisterin“ auseinandersetzten. Doch auch manche neue Kunst entdeckten sie bei Rathauschefin Sabine Becker. Im Vorjahr habe sie sich sogar als „Zauberin“ einen Namen gemacht, wie Andreas Widmer eindrucksvoll belegte: „Sie hat es geschafft, einen ganzen Weihnachtsmarkt einfach verschwinden zu lassen.“

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