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Überlingen Luftgutachten: Die Uhr tickt für die großen Busse

Ein Luftgutachten gefährdet Überlingens Prädikat „Kneippheilbad“. Die Voraussetzungen dafür sind nach einer aktuellen Messung nicht mehr erfüllt. OB Sabine Becker betont, dass eine Entlastung der Innenstadt vom Verkehr geboten ist. Bürgermeister Längin stellt am 10. Dezember das Konzept vor.

Der Handlungsbedarf ist dringend. Nach dem Gutachten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zur Luftqualität in Überlingen ist die Belastung mit Stickstoffdioxid und einer Staubfraktion durch Verkehr und Heizungen in der Innenstadt inzwischen so hoch, dass das Prädikat „Kneippheilbad“ akut gefährdet ist. „Das Ergebnis kommt für uns nicht ganz überraschend“, erklärte Oberbürgermeisterin Sabine Becker bei der Vorstellung des Ergebnisses, „weil der Verkehr in der Innenstadt weiter zugenommen hat.“

Im Grunde muss die Stadt alle fünf Jahre ein Luftgutachten zur Bestätigung des Prädikats erstellen lassen. Beim letzten Termin erwirkte Überlingen einen Aufschub nach dem Verweis auf die angelaufenen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. „Wir müssen nun etwas tun“, betont Becker, „und bei der Entlastung der Innenstadt endlich einen Schritt weiter kommen.“ Das Regierungspräsidium Tübingen hat der Stadt noch einmal eine Galgenfrist von vier Jahren gewährt. Bei den nächsten Messungen ab dem Jahr 2018 muss die Luftqualität wieder besser sein, wenn das 1955 erstmals erteilte Prädikat Kneippheilbad nicht aberkannt werden soll. Kurz vor der Landesgartenschau wäre dies eher unerfreulich. „Es geht uns aber nicht nur um dieses Prädikat“, erklärt Becker: „Es geht doch auch um die Gesundheit unserer Bürger.“

Verursacher der Belastung mit verschiedenen Staubfraktionen und Stickstoffdioxid ist zwar nicht nur der Verkehr, nach Aussagen des Wetterdienstes tragen im Winter auch die Heizungen einiges dazu bei. Doch empfiehlt das Gutachten zur Verbesserung der Situation in der Innenstadt an oberster Stelle „verkehrslenkende Maßnahmen“. Mit dem Ziel, den Durchgangsverkehr, aber auch den Ziel- und Quellverkehr zu verringern. Zudem rät das Gutachten in den Haushalten zu umweltfreundlichen Energiequellen wie Erdgas oder regenerativen Energien und einer regelmäßigen Überprüfung der Heizungsanlagen.

Richtwerte oft überschritten

An zwei repräsentativen, von ihm selbst gewählten Standorten der Stadt hat der Wetterdienst von 5. Juli 2013 bis 4. Juli 2014 Langzeitmessungen vorgenommen. Für das Kurgebiet wurden die Werte auf dem Gelände der Klinik Buchinger Wilhelmi erfasst, für die verkehrsreiche Innenstadt in unmittelbarer Nähe des Franziskanertors. Wovor schon nach der letzten Messung in den Jahren 2002/2003 gewarnt worden war, ist in der Innenstadt nun eingetreten: Insbesondere die Belastung durch Stickstoffdioxid ist gemessen an den Bestimmungen des Deutschen Heilbäderverbands „in unzulässiger Weise erhöht“, heißt es in dem Gutachten. Die geltenden Kurzzeitrichtwerte für Stickstoffdioxid wurden ebenfalls zu häufig überschritten. Auch bei einem relevanten Bestandteil des Grobstaubs ist die Belastung zu hoch, allerdings nicht so hoch, dass es alleine zu einer negativen Entscheidung geführt hätte.

Die Konsequenzen aus dem Gutachten und den aktuellen Sachstand der Verkehrskonzeption wird Bürgermeister Matthias Längin am 10. Dezember vor dem Gemeinderat darlegen. Nach einer verwaltungsinternen Beratungsphase und einer verkehrsrechtlichen Prüfung verschiedener Alternativen Anfang 2015 hofft Längin im März einen Beschluss des Gemeinderats herbeiführen zu können. „Mir ist schon daran gelegen“, betont der Bürgermeister, „dass wir im zweiten Quartal zumindest erste Schritte zu einer Verbesserung umsetzen können.“ Die Stadtverwaltung hat im Haushalt 2015 750 000 Euro und 2016 weitere 200 000 Euro für die Planung und die Umsetzung konkreter Tranchen des Verkehrskonzepts eingestellt. Die Stadt hoffe nach wie vor auf die baldige Entlastung durch den Neubau der B 31 und den Anschluss bei Altbirnau, sagt OB Becker. Zum geplanten Spatenstich habe sie „noch nichts Gegenteiliges gehört“.

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