Überlingen Lucas kann wieder lachen

Nach einer Stammzellenspende des Vaters ist der Dreijährige Lucas auf dem Weg der Besserung. Als geheilt gilt er erst nach fünf Jahren ohne Beschwerden.

Können wieder lachen: Ulrike Tylla und ihr kleiner Sohn Lucas, der an Leukämie erkrankt war. Eine Stammzellen-Transplantation von Vater Christof hat Erfolg gezeigt.
Können wieder lachen: Ulrike Tylla und ihr kleiner Sohn Lucas, der an Leukämie erkrankt war. Eine Stammzellen-Transplantation von Vater Christof hat Erfolg gezeigt. | Bild: Bild: Bast

Lucas geht es wieder gut. Der kleine Junge aus Salem, der Anfang 2010 an Leukämie erkrankt war, hat die Transplantation von Stammzellen seines Vaters gut überstanden und kürzlich seinen dritten Geburtstag gefeiert.Wer es nicht weiß, würde nie auf die Idee kommen, dass der Kleine, um den sich eine ganze Region sorgte, noch vor kurzem schwer krank war: Unermüdlich plappert Lucas Tylla, erzählt, was er alles Schönes erlebt hat, zeigt dem Besucher seine riesige Sammlung an Fahrzeugen und fragt dann: „Willst du mit mir Fußball spielen?“ Währenddessen sitzt Mama Ulrike Tylla am Esstisch und beobachtet den kleinen Wirbelwind mit mütterlichem Stolz.Doch noch viel mehr liegt in ihrem Blick: unglaubliche Erleichterung und eine doppelte Freude an jedem Wort des Kleinen.

Denn der Leidensweg war lang und dauerte zwei Jahre – zwei Drittel von Lucas' bisherigem Leben. Er begann im Oktober 2009. Den ganzen Herbst hindurch war der Kleine krank, hatte Erkältungen, Bronchitis, war geschwächt. Im März 2010 schließlich, wurde „Hüftschnupfen“, diagnostiziert. „Man sagte mir damals, dass das nach drei Tagen weg sein müsste“, erzählt Ulrike Tylla. Doch nach drei Tagen ging es Lucas immer noch nicht besser. Ulrike Tylla und ihr Mann Christof fuhren mit Lucas ins Krankenhaus – und erhielten dort die schreckliche Diagnose: Leukämie. „Das war, als hätte man mir mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen und mir gleichzeitig den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt die junge Frau.

Ulrike Tylla blieb mit ihrem Sohn 31 Tage lang im Krankenhaus in Ulm. Die Chemotherapie mit all ihren Nebenwirkungen begann. Nach dem stationären Aufenthalt folgten acht Monate, in denen die Tyllas vier Mal in der Woche ins Klinikum Ulm fahren mussten, wo der Kleine die Chemospritze bekam. Kurz vor Weihnachten 2010 war der Spuk zu Ende: Lucas hatte keine Krebszellen mehr. Das schönste Weihnachtsgeschenk, das die Tyllas sich vorstellen konnten.

Doch dann, bei einer ganz normalen Routineuntersuchung im Januar, kam die eiskalte Dusche: Die Krebszellen waren zurückgekehrt. Wieder Klinik, wieder Chemo. „Es war gleich klar, dass wir dieses Mal nicht mehr um eine Transplantation herum kommen“, beschreibt Tylla. Und dann ging erneut eine Welt unter, als klar wurde, dass es keinen geeigneten Spender gibt. Im Bodenseekreis wurde eine riesige Typisierungsaktion gestartet, ein wenig Hoffnung für Lucas' Eltern, doch auch hier folgte die Ernüchterung – es wurde kein geeigneter Spender gefunden. Also wurde Lucas' Vater auf die Transplantation vorbereitet. Zwar hatte er längst nicht die genetischen Übereinstimmungen wie ein genetischer Zwilling – aber die Chancen dass Lucas die Stammzellen seines Vaters annehmen würde, waren immerhin da. Christof Tylla bekam Medikamente, durch die dem Körper eine leichte Erkältung vorgegaukelt wurde. „Dadurch waren dann im normalen Blut Stammzellen vorhanden“, erklärt Ulrike Tylla. Fünf Tage lang musste Christof Tylla die Medikamente schlucken, dann wurde ihm Blut entnommen. Das Blut wurde in der Klinik Tübingen aufbereitet und danach, am 26. Mai, in Lucas' kleinem Körper transplantiert.

Wieder folgten Wochen des Bangens, ob Lucas das Knochenmark annehmen würde. Zumal er erst das dritte Kind war, das mit dieser neuen Transplantationsmethode behandelt wurde. „Doch es hat Gottseidank funktioniert“, sagt Ulrike Tylla. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Übereinstimmungen mit den väterlichen Stammzellen lagen bei 30 bis 50 Prozent, bei einem fremden Spender seien 80 bis 90 Prozent das Minimum, um eine Transplantation zu wagen, sagt Tylla.

Acht Wochen blieb Ulrike Tylla mit ihrem kleinen Sohn im Krankenhaus. Bange Wochen waren das. Einmal bekam Lucas Fieber. Hohes Fieber. Und seine Mama, die sich bis dahin eisern zusammengerissen hatte und ihrem Sohn ihre Angst nie zeigte, brach an seinem Bett weinend zusammen. „Da hat er mich in die Arme genommen und gesagt: Mama, wir schaffen das, wir werden kämpfen, kämpfen, kämpfen“, erzählt sie, heute noch sichtlich gerührt von der Tapferkeit ihres kleinen Jungen. Und Lucas hat auch wirklich ganz tapfer weitergekämpft: Die kritischen hundert Tage nach der Transplantation sind nun vorbei und Krebszellen sind nicht zurückgekommen.

Heute kann er fast genauso toben, wie das andere kleine Jungen können. Er kann in seinen neuen Turnschuhen über die Wiese flitzen, den Ball kicken und mit seinen Traktoren spielen. Nur in den Kindergarten kann er noch nicht gehen, denn Lucas hat so gut wie kein Immunsystem, er darf sich nicht anstecken. Doch irgendwann, da ist sich der Kleine ganz sicher, wird sich für ihn auch der Traum vom Kindergartenbesuch erfüllen.

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