Überlingen Käthe Kollwitz lockt Kunstfreunde an

Selten war das Interesse an einer Ausstellung bei der renommierten Überlinger Galerie „Walz Kunsthandel“ derart gross wie jetzt bei Käthe Kollwitz. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. September zu sehen.

Außergewöhnlich groß war am gestrigen Sonntag das Publikumsinteresse zur Eröffnung der „Hommage à Käthe Kollwitz“ bei „Walz Kunsthandel“ in der Bahnhofstraße. Jakob Straub, Kunsthistoriker im engeren Galerieteam von Michael F. Walz, erklärte sich das Kommen der Leute mit „einem Namen wie Kollwitz“. Auch das mit Walz befreundete Schweizer Ehepaar Rosette und Alfred Obrecht aus Solothurn betonte: „Käthe Kollwitz ist immer ein Thema.“

Käthe Kollwitz, bedeutende und herausragende deutschsprachige Künstlerin des 20. Jahrhunderts – geboren am 8. Juli 1867 in Königsberg, gestorben am 22. April 1945 in Moritzburg – hat Hans Peter Graner aus Nußdorf „von je her beeindruckt“, denn „ihr sozialer innerer Eindruck von damals ist auch heute noch gültig.“

Umfassend und in seinem sehr persönlichem Stil stellte Michael F. Walz die Künstlerin Käthe Kollwitz mit ihrer „Meisterschaft in den künstlerischen Techniken“ zur Eröffnung seiner 31. Sommerausstellung vor. Von seiner Schulzeit an, so Walz, sei er gepackt von der herausragenden Kunst von Käthe Kollwitz.

Die Ausstellung ist die bisher größte in Deutschland und will die Friedensproblematik von Käthe Kollwitz thematisieren. Denn der Friedenserhalt sei „Kontinuum ihres ganzen Lebens.“ Vom bekannten Lithographie-Plakat „Nie wieder Krieg“ aus dem Jahr 1924 sind heute 20 in Museen gesichert.

Von den 900 Originalarbeiten im Käthe Kollwitz Museum Köln sind „seit 1986 allein 17 durch unsere Hände gegangen“, verdeutlichte Walz. Mit dem Museum pflegt er „enge Zusammenarbeit und Austausch“, zumal es einen bedeutenden „Überlinger Dachbodenfund“ beherbergt. Und über den damals – zum Glück für die Kunstwelt – geurteilt wurde: „Das schmeißen wir nicht in den Container.“

Zur Eröffnung las Johanna A. Wolf – an gleicher Stelle und zu gleicher Zeit nochmals nächsten Sonntag – aus Kollwitz' Tagebüchern, um sie in ihren Facetten zu zeigen: „Ich bin einverstanden damit“, so die Künstlerin, „dass meine Kunst Zwecke hat: Den Menschen, die der Hilfe bedürfen, zu helfen.“

Anne Halbey vom Käthe Kollwitz Museum Köln stellte die Künstlerin vertiefend-verdeutlichend vor: Angst und Stolz der Mutter zur Kriegsteilnahme ihres Sohnes Peter, der bereits nach zehn Tagen fiel.

Das Denkmal für ihn wurde zum Mahnmal, um „dein Vermächtnis zu erkennen und zu bewahren“, denn „der Krieg entblößt einen Abgrund von Hass.“ Von Peters Freunden erfährt sie das: Sie waren opferbereit und wurden hingeopfert. Käthe Kollwitz als geniale Beobachterin ihrer Zeit und der Menschen darin setzt ihr Engagement für den Frieden und gegen den Krieg nach Kriegsende fort: „Ich will gegen den Krieg, so lange ich lebe, wirken“ – bis zu ihrem finalen Fanal im Lithographie-Schlussblatt gegen Hitlers Angriffskrieg, dem auch Enkel Peter zum Opfer fiel, als politischem Vermächtnis aus dem Jahr 1941: „Saatfrüchte sollten nicht vermahlen werden“, dem, worauf Johanna A. Wolf hinwies, „zentralen Satz“ von Goethes „Wilhelm Meister.“

 

Im Überblick

„Hommage à Käthe Kollwitz“: Sommerausstellung mit über 50 aktuellen Neuerwerbungen und ausgewählten Arbeiten aus dem Bestand der Galerie „Walz Kunsthandel“. Vom 11. August bis zum

29. September 2013. Führungen bei freiem Eintritt: Samstag, 24. August, und Samstag, 21. September, jeweils 14 Uhr; Freitag, 6. September, 18 Uhr. Kunst-Matinée bei freiem Eintritt am Sonntag,

18. August, 11.30 Uhr: Johanna A. Wolf liest aus den Tagebüchern von Käthe Kollwitz. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (0 75 51 / 93 77 90).


Die Galerie im Internet: www.walz-kunsthandel.de

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