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Überlingen Jodok-Kirche: Wichtiger Impuls zur Restaurierung

Die angehende Restauratorin Ramona Proske untersuchte im Rahmen ihrer Diplomarbeit die Wandmalereien in St. Jodok. In ihren Ergebnissen sehen Fachleute nun gute Argumente für eine Restaurierung.

Die Zeichen stehen nicht schlecht: Eine Restaurierung der Wandmalereien in der Überlinger St.-Jodok-Kirche könnte in absehbarer Zeit möglich werden. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit hat dafür den Weg bereitet.

Wünschenswert wäre die Sanierung für das 1424 erbaute Gotteshaus in der Aufkircher Straße, das eine Station auf dem Linzgauer Jakobsweg darstellt. Wer einen Blick hineinwerfen will, der muss derzeit im Nachbarhaus um den Schlüssel bitten. Danach kann er unter anderem die beeindruckende Szene vom viel zitierten „Hühnerwunder“ bestaunen. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Malereien aus verschiedenen Epochen, die Victor Mezger zuletzt 1937 durch seine restauratorischen Arbeiten und Ergänzungen zu einer Einheit zusammenfügen wollte.

Eine Diplomarbeit über dieses Thema mit wissenschaftlichem, praktischem und materiellem Nutzen – so etwas kommt gelegen. Aus dieser Perspektive seien die Analysen und Erkenntnisse der angehenden Restauratorin Ramona Proske sogar mehr als eine „Win-Win-Situation“. Das betont ihr Professor und Betreuer, der Diplom-Restaurator Roland Lenz. Komplexität und Vielseitigkeit der Aufgaben spiegeln sich schon im Namen des von ihm geleiteten Studiengangs an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart wider: Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinpoly chromie.

Mit all diesen Dingen hatte Ramona Proske bei ihrer Arbeit zu tun. Seit Anfang März stand sie auf einem Baugerüst und untersuchte das Material und den Zustand im Bereich einer ganzen Wandscheibe und ihren Malereien: ein Triptychon-Bild mit Jesus am Ölberg und den darüber gelegenen Nothelfern. Bis zum Juli dauerten die praktischen Analysen uns Auswertungen, dann galt es, die Ergebnisse zu Papier zu bringen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Die Wandgemälde in der Jodok-Kirche haben zeitlich einen ganz unterschiedlichen Ursprung. Die linke Seite des Kirchenschiffs sei wahrscheinlich noch im gleichen Jahrhundert bemalt worden. „Die rechte Seite stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts“, sagt Janina Roth, wissenschaftliche Mitarbeiterin aus der Restaurierungswerkstatt der Akademie.

Eine letzte Komplettsanierung des Innenraumes hatten der bekannter Überlinger Bildhauer und Maler Victor Mezger und seine Mitarbeiter im Jahr 1937 vorgenommen. Als Ergebnis ihrer Arbeit schlägt Diplomandin Ramona Proske der Denkmalpflege nun vor, den Zustand aus der Zeit dieser Restaurierung wiederherzustellen.

„Wir haben schon seit langem ein Auge auf die Jodok-Kirche“, sagt Dörthe Jakobs vom Fachgebiet Restaurierung beim Landesdenkmalamt in Esslingen.: „Jetzt hoffen wir, dass wir bald mit der Renovierung anfangen können.“ Auch die zuständige Gebietsreferentin der Denkmalpflege, Martina Goerlich aus Tübingen, war bei der Präsentation der Diplomarbeit anwesend und hörte die von Ramona Proske gezogenen Schlüsse.

Unterstützt wurde die Diplomarbeit unter anderem von der Münstergemeinde. Sie stellte Ramons Proske eine Unterkunft zur Verfügung und finanzierte außerdem die Reisekosten und die Verpflegung.


Die St.-Jodok-Kirche

Die gotische Kirche wurde im Jahr 1424 von einem frommen, reichen Überlinger gestiftet und 1462 Jodok geweiht, dem Eremiten und Pilger des 7. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert erfuhr die Kirche einige barocke Veränderungen, die an den damals noch übertünchten Wandmalereien nicht reparable Schäden verursachten. Im Jahr 1937 nahm der Überlinger Maler und Bildhauer Victor Mezger eine komplette Überarbeitung, Konservierung und Ergänzung der Wandmalereien vor. Der Schlüssel zur Kirche ist im Nachbarhaus erhältlich. Pilger erhalten ihren Pilgerstempel ebenfalls dort oder in der Tourist-Information am Landungsplatz.

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