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Überlingen Interview: „Jeder Tumor ist ja ein Einzelfall“

Im Interview äußert sich die Überlinger Heilpraktikerin und Biologin Isolde Riede zu ihrer Therapie und der Tagung im Kursaal.
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Stellungnahmen

Heilpraktikerin Isolde Riede entwickelte eine Therapie gegen Krebs, die auf Verdünnungszubereitungen aus dem grünen Knollenblätterpilz basiert.
Heilpraktikerin Isolde Riede entwickelte eine Therapie gegen Krebs, die auf Verdünnungszubereitungen aus dem grünen Knollenblätterpilz basiert. | Bild: Bild: Archiv

Die Tagung richtet sich an Therapeuten und Patienten gleichermaßen?

Ja, am ersten Tag gibt es einen Schwerpunkt für Therapeuten. Der ist fachlich spezifisch und umfasst meine Amanita-Therapie und andere unabhängige Therapien, die aus der Alternativmedizin kommen. Zum Beispiel eine Therapie von den Indianern in Amerika, die man in die Neuzeit gerettet hat. Oder eben Neuentwicklungen wie die mitochondriale Therapie. Es sind aber auch viele Patienten mit dabei. Der zweite Tag setzt den Schwerpunkt in der Amanita-Therapie. Die Therapie ist jetzt zehn Jahre alt. Da gibt es doch einige Patienten, die das schon viele Jahre machen. Am Anfang gab es noch nicht die Optimierung, die wir inzwischen erreicht haben. Das Medikament gibt es optimiert seit vier Jahren in der Schweiz zu kaufen. Damit ging es richtig los. Patienten, die das Medikament über diesen langen Zeitraum einnehmen, werden erzählen, wie sie sich fühlen und wie das geht mit der Therapie.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie denn? Aus welchem Einzugsgebiet?

Ich habe Leute aus ganz Deutschland, ein paar aus Österreich und viele aus der Schweiz. Natürlich habe ich ein deutschsprachiges Seminar, die Teilnehmer kommen von Kiel bis Zürich. Wir haben am ersten Tag 50 Personen, am zweiten Tag sind es dann 70. Insgesamt sind es 80 Anmeldungen gewesen.

Oberbürgermeisterin Becker hat ja die Schirmherrschaft übernommen (Sachstand zum Zeitpunkt der Frage). Konnten Sie sie spontan für das Thema Alternative Heilmethoden interessieren?

Frau Oberbürgermeisterin Becker hatte das mal spontan angeboten, das ist schon länger her. Sie hat diese Schirmherrschaft wieder zurückgenommen. Ich glaube schon, dass sie mittlerweile sehr an alternativen Methoden interessiert ist. Sie wird aber mit dem Grußwort dabei sein, zum Abschluss des Seminars.

Zur Therapie selbst: Sie setzen homöopathische Verdünnungen von Urtinktur aus grünem Knollenblätterpilz in Tiefpotenz, in D2 (1:100) bis D4 (1: 10.000) ein. Was ich nicht verstehe: Ihr Ansatz widerspricht doch dem Simile-Prinzip von Hahnemann: Eine Krankheit mit einem verdünnten Wirkstoff zu behandeln, der konzentriert diese Krankheit auslöst.

Es ist so: Amanita phalloides ist eigentlich in der klassischen Homöopathie das Mittel gegen die Todesangst. Also ist es auch immer an Tumorpatienten eingesetzt worden. Ich habe jetzt in einem wissenschaftlichen Ansatz, der eigentlich mit Homöopathie gar nichts zu tun hatte und über Genetik, Molekularbiologie und Biochemie ging, festgestellt, wo in der Tumorzelle der zentrale Schalter ist für das Tumorwachstum. Dafür habe ich zwölf Jahre Drosophila (Taufliegen, Anm. d. Red.) gekreuzt und war in vielen Labors, habe an menschlichen Leukämiezellen geforscht, um diesen Schalter zu finden. Als ich den Schalter dann hatte, habe ich versucht, molekular dranzukommen, mit gentechnischen Methoden. Und dann kam irgendwann der große Aha-Effekt: Es geht ja auch viel einfacher. Und dann habe ich gesehen, dass dieses homöopathische Arzneimittel den Schalter eigentlich umschalten müsste. Damals gab es die D4 von der Deutschen Homopathischen Union. Damit habe ich einfach mal angefangen. Die war ja legal verfügbar. Ich habe mich dann herangetastet an eine optimale Dosierung. Ein paar Tropfen der D4 haben bereits klinische Effekte. Wenn man das genau berechnet ist das ein Molekül Amanitin – der Wirkstoff in Amanita phalloides – pro Zelle im Körper. Der biochemische Spieler, der getroffen werden muss, um den Tumor zu bremsen, ist aber viel öfters da, nämlich 15.000 Mal pro Zelle. Die klinische Wirkung ist biochemisch nicht erklärbar, da müssen also homöopathische Effekte anderer Art auch wirken. Insgesamt wurden über die Jahre die Konzentrationen so gewählt, dass für viele Tumorarten ein Optimum an – homöopathischer plus biochemischer – Wirkung zusammenkommt. Damit kann man dann Tumorzellen bremsen. Das hat zum Teil einen lebensrettenden Effekt.

Sie arbeiten jetzt auch mit den Tiefpotenzen D2 (1:100) und D3 (1:1000)?

Ich selber bin Heilpraktikerin. Ich kann D2 und D3 natürlich nicht einsetzen. Die sind unter Rezeptpflicht. Ich arbeite im Endeffekt mit Ärzten und Therapeuten zusammen, um mit ihnen in den Einzelfällen eine optimale Dosierung zu finden und ein optimales Therapiekonzept. Jeder Tumor ist ja ein Einzelfall, jeder Patient ist anders, jeder Tumor ist anders. Wir monitoren den Therapieverlauf zusammen, auch um zu erkennen, wann die Amanita-Therapie am Ende ist. Das ist wichtig. Es gibt ja noch weitere Therapien die man einsetzen kann.

Sie arbeiten mit der Schulmedizin zusammen?

Natürlich, wir pflegen die Integrative Medizin. Ohne Schulmedizin geht es nicht. Die Therapieempfehlung vor der Amanita-Therapie ist auf jeden Fall, dass man eine Operation durchführt. Das hat den biologischen Effekt, wir bekommen Tumormasse los. Das Immunsystem hat eine begrenzte Zellzahl und die Tumorzellen stehen dagegen.

Und wenn ich irgendwann 20 Tumorzellen pro Immunzelle habe, komme ich in ein Ungleichgewicht zu Ungunsten des menschlichen Lebens. Wenn ich das ändere, indem ich Tumormasse wegnehme, bin ich wieder in einem ganz anderen Gleichgewicht und habe eine größere Chance. Dann kommt die Amanita-Therapie und die bremst das Tumorwachstum und dann hat das Immunsystem die Chance, den Tumor abzubauen.

Was kostet eine Amanita-Therapie?

Ein Therapieversuch, also bis man weiß, ob es wirkt oder nicht, kostet 400 Euro. Und dann ist es so, wenn das wirkt, kostet die Jahrestherapie höchstens so viel wie eine Chemotherapie am Tag. Das wären ein paar Euro bis maximal 1000 Euro. Es gibt aber auch Krankenkassen, die das übernehmen. Bei einem Kassenpatienten mit Leukämie übernimmt die AOK die Medikation.

Sie kennen sicherlich die Kritik an Ihrer Therapie auf der Internetseite „Esowatch“ – wobei ich weiß, dass diese Seite umstritten ist weil sie kein Impressum und keinen Urhebernachweis hat.

Ich finde eine anonyme Kritik an und für sich so schofel, dass ich sie ungern kommentiere. Es geht mir darum, eine Therapie legal zur Verfügung zu haben, die Menschen in einer Notsituation hilft, ihnen das Leben eventuell rettet, auf jeden Fall erleichtert, sie im Leben, am Leben hält und ihnen diese schwere Zeit ein bisschen leichter macht. Darum geht es mir. Alles andere ist mir eigentlich dann egal. Wenn es solche Menschen so sehen, sehen sie es eben so. Ich sehe das ganz anders.

Sie sind selbstbewusst und schreiben auch auf Ihrer Homepage, dass das Tumorwachstum durch Amanita gebremst würde beziehungsweise dass es sie eine wirksame Therapie für Tumore sei. Haben Sie keine Sorge, dass Sie mit dem Heilmittel-Werbegesetz in Konflikt kommen?

Nein, ich komme nicht in Konflikt. Ich bin ja Privatdozentin und als solche eine Forscherin. Ich bin Heilpraktikerin und insofern auch der Erfahrungsmedizin verpflichtet. Erfahrungsmedizin funktioniert so: Im Gegensatz zu diesen Doppelblindversuchen von der Schulmedizin, dass ich ein natürliches Heilmittel habe, das schon lange zur Verfügung stand, das ist die Amanita-Therapie, die gibt es schon seit 350 Jahren. Und das nehme ich und mache einen Therapieversuch und das publiziere ich. Es gibt schon viele Publikationen, die das belegen, Bilder die für sich sprechen. Sicher, es gibt dann 80 Prozent Stabilisierungen, was für eine Tumortherapie sehr gut ist, und es gibt 20 Prozent Therapieversager. Und die gibt es immer. Jede Therapie hat eine Grenze.

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