Mein


Wer in seinem Leben so viel umgetrieben hat, beruflich und ehrenamtlich, der muss überzeugt sein von dem was er tut. Denn nur aus der Begeisterung heraus lässt sich ein Lebenslauf wie der von Karl Böhler erklären. Heute feiert der Zimmermeister 75. Geburtstag und schaut auf 28 Jahre Verwaltungsrat der Sparkasse, 32 Jahre Gemeinderat, 42 Jahre Aufsichtsrat der Baugenossenschaft und 50 Jahre Vorstand des Verschönerungsvereins zurück.

"Des war eigentlich s'Wichtigschte - meh sott mer itt neischreibe, sonscht froget d'Leit no: wann hott der eigentlich sei Gschäft umtriebe?" Der Böhler Karle ist alefänzig, ein ganz Eigener, und eigentlich wollte er zu seinem 75. "gar nichts in der Zeitung". Doch andererseits sieht der bodenständige Handwerker auch ein, dass er sich der Öffentlichkeit, die ihn über drei Jahrzente mit Rekordstimmenzahlen wählte, nicht verschließen kann. "Es werret scho e baar Gratulante kumme - do freut mer sich au druff."

Für den Verschönerungsverein betreut er immer noch 180 rote Ruhebänke. Unter die anderen Ehrenämter hat er aber bewußt einen Schlussstrich gezogen. "Ich halte mich jetzt einfach raus, ich will auch keinen Einfluss mehr." Obwohl ihm das Altstadtbild, seine Heimat Überlingen immer besonders am Herzen gelegen ist, regt er sich einfach nicht mehr auf, wenn er durch die Stadt geht. Sagt er.

Karl Böhler privatisiert konsequent. Auch beruflich. Ihm reicht es, wenn er von seinem Wohnhaus aus auf die andere Seite der Friedhofstraße schaut und den traditionsreichen Familienbetrieb, der seit der Nachkriegszeit immer zwischen 30 und 40 Mitarbeiter hatte, fest in den Händen der nächsten Generation weiß. "Des isch schön getrennt, die mached s'Gschäft und i bin Rentner". Die, das sind die beiden Geschäftsführer Wolfgang Böhler, sein Sohn, und Lothar Weber.

Karl Böhler und das Holz. Eine Verbindung, die ihm in die Wiege gelegt wurde, denn schon der Großvater gründete den Betrieb. Doch konnte Karl Böhler nicht etwa langsam und sicher in die Herausforderung des Handwerksbetriebes hineingleiten. Der Bub war gerade dreieinhalb, da verunglückte der Vater tödlich. Mutter Anna bekam von der Handwerkskammer Konstanz schließlich die Erlaubnis, die Schreinerei und Zimmerei mit ihrem Meister Josef Beirer weiter zu führen, bis der kleine Sohn so weit wäre. Nachdem Karl Böhler schließlich, nach Reichsarbeitsdienst, doch noch eingezogen wurde, mit 17, machte er sich nach dem Krieg an die Lehre und konnte 1954 endlich als Meister den Familienbetrieb übernehmen.

Welche Erinnerungen aus dem langen Berufsleben sofort präsent sind? "Das Wirtschaftswunder! - Nix wie baue, baue, hotts do ghosse, mer isch fascht itt nochkumme." Und dann die Lehrlingsausbildung, die hat ihm immer besonders viel bedeutet. "So um die 80" müssen es gewesen sein, die bei ihm lernten. Darunter so mancher, der später Architekt wurde, oder Bauingenieur oder sogar, wie Wolfgang Woerner, Stadtbaumeister. Und auch an schlechtere Zeiten erinnert sich Böhler: "Die Rezession ab '65, das war eine schwere Zeit, die uns Handwerker schlimm getroffen hat." Aber dann ging es mit der vom damaligen Bürgermeister Anton Wilhelm Schelle angestoßenen Bebauung des Burgbergs bald wieder aufwärts.

Schelle, hier als CDU-Vorsitzender, verdankt Böhler seine Gemeinderatskarriere. Denn als der Zimmerer als Zweiter Platzmeister der Schwerttanzkompanie nach der Aufführung 1962 mit Schelle zusammen im "Seegarten" saß, wollte er ihn zur Kandidatur auf der CDU-Liste überreden. Gewehrt habe er sich, schaut Böhler zurück, aber Schelle sei dann später sogar zu ihm nach Hause gekommen und überredete ihn schließlich doch.

Es wurde eine lange Zeit am Ratstisch. Eine Zeit unter drei Bürgermeistern und Oberbürgermeistern. Nach sechs Jahren mit Schelle saß Böhler 24 Jahre mit Reinhard Ebersbach und noch zwei mit Klaus Patzel im Ratssaal. Bis er sich aus Altersgründen 1994 nicht mehr zur Wahl stellte. Die gesamten 32 Jahre war Böhler im Bauausschuss. Und bei aller Arbeit hatte er dabei auch Spaß. Weniger im Verwaltungsrat der Sparkasse, den er vergleichsweise als "Kaffekränzchen" empfand, sondern im Gemeinderat, der "Löwingerbühne".

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