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Salem/Überlingen Hoffnungen für Mario Menichetti haben sich zerschlagen

Für den im Himalaya verschollenen Familienvater Mario Menichetti gibt es keine Hoffnung mehr. Die Witwe, Diana Menichetti, zeigt sich sehr dankbar für die Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die ihr bei der Finanzierung der rund 50.000 Euro teuren Suchaktion in Nepal geholfen hat.

„Von Hoffnung redet hier niemand mehr. Wir gehen zu hundert Prozent davon aus, dass er tot ist. Und so fühlen wir uns auch.“ Diana Menichetti muss damit klarkommen, dass ihr Mann, Mario Menichetti, von einer Trekkingtour im Himalaya nicht mehr heimkehren wird. Die Suche nach ihm wurde abgebrochen. In der gottverlassenen Region im Annapurna-Naturschutzgebiet liegt mittlerweile Schnee. „Ich wüsste nicht, wo man noch suchen soll“, sagte sie in einem längeren Telefonat mit dieser Zeitung.
 

Spekulationen um sein Schicksal sollen ein Ende haben

Über die zerschlagene Hoffnung hinaus, muss sie weiterhin in der Ungewissheit über die mögliche Todesursache leben. „Ich versuche mich damit abzufinden, dass sein Schicksal im Unklaren bleibt.“ Gerüchte, woran ihr Mann gestorben sein könnte, höre sie viele. Doch verbietet sich für die 43-Jährige, Mutter von zwei Kindern, jede Spekulation darüber: „Es ist schwer genug für uns alle. Es wird viel geredet. Aber Fakt ist: Man weiß nichts, so lange keine Leiche gefunden wird.“ Die Spurenlage auf seinem aufgefundenen Schlafsack ließen keinerlei Schlussfolgerungen zu. Die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Behörden sei äußerst langwierig. Mit dem Wissen, dass sich Gerüchte verselbständigen und zu vermeintlichen Fakten werden, bittet sie darum, Spekulationen einzustellen. Vor allem zum Wohl ihrer Kinder. „Ich möchte nicht, dass sie etwas Blödes gefragt werden. Sie sind belastet genug.“

Mario Menichetti: Dieser Fall bewegt die Menschen in der Region. Er wohnte mit seiner Familie in Salem, arbeitete als CNC-Fräser bei der MTU in Friedrichshafen, stand früher für den Fußballclub Überlingen im Tor, spielte zuletzt für den SC Markdorf. Und überall fanden sich Menschen, die Geld für die aufwändige Suche spendeten.

„Es geht ihnen gut“, sagt Diana Menichetti tapfer, aber mit brüchiger Stimme, über ihre acht und fünf Jahre alten Kinder. „Sie wissen, dass etwas passiert ist.“ Sie gebe ihnen „jeden Tag Normalität“, sie habe mit den Kindern Weihnachten und Sylvester in gewohnter Form gefeiert und gehe mit ihnen auf die Fastnacht, auch wenn ihr nicht der Sinn danach steht. Darüber hinaus helfe „ein ganz starkes soziales Netz“.
 

Letzte Suchaktion nach Schneeschmelze denkbar

Mitte Oktober war ihr Mann zu der Trekkingtour nach Nepal aufgebrochen. Der erfahrene Alleingänger wollte den „Beni Dolpo Trek“ erwandern, in einer der einsamsten Regionen der Welt, zwischen den Achttausendern Dhaulagiri und Annapurna gelegen, er selbst auf Meereshöhen um die 4000 Meter unterwegs. Nach 26 Tagen sollte der 53-Jährige sein Ziel erreichen. Als er sich am vereinbarten Ort nicht meldete, setzte Diana Menichetti die Hubschrauber und Suchtrupps mit Spürhunden in Bewegung. Ein Video auf Youtube gibt einen Eindruck von den Flügen. Die Kosten hierfür überstiegen schnell ihre Möglichkeiten. Sie wandte sich an die Öffentlichkeit, was eine beeindruckende Reaktion nach sich zog. Rund 50 000 Euro, schätzt sie überschlägig, seien an zweckgebundenen Spenden eingegangen.

Die Hälfte davon sei in Einzelspenden geflossen, die andere Hälfte hätten Freunde und nahe Bekannte gespendet. Das Geld reiche für die Deckung aller bisher aufgelaufenen Rechnungen der Suchtrupps. Es seien sogar noch 10 000 Euro übrig, die weiter auf einem Treuhandkonto liegen. Erwogen werde eine letzte Suchaktion nach der Schneeschmelze, wofür das restliche Geld verwendet werden könnte. Falls nicht, komme es der Rettungshundestaffel in Nepal zugute.

Diana Menichetti zeigt sich am Telefon sehr dankbar für die Spendenfreude der Bürger. „Die Hilfsbereitschaft war enorm.“ Einen besonderen Dank möchte sie an den Shantychor Überlingen und an den Sänger Giani Dato ausrichten, die Benefizkonzerte organisierten. Geholfen habe ihr nicht nur die Geldspende. „Die Leute haben mir sehr viel Empathie entgegengebracht. Das war sehr nett.“

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