Überlingen Hildegard-Knef-Premiere: Da singt und summt das Publikum

Weiter Vorstellungen des Stücks „Hildegard Knef – Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“ sind am 17. und 18. März in Noltes Culture Lounge.

Der letzte Ton der Generalprobe am Donnerstag war verklungen, das Licht schon an, Birgit Nolte-Michel stand noch auf der Bühne, angespannt, nachdenklich und in sich gekehrt. Schweigen, und nach langer Pause dann die Erkenntnis: „Ich glaub, ich hab die Hilde jetzt verstanden!“ Am Freitagabend folgte eine überzeugende, herzerweichende und mitreißende Premiere in Noltes Culture Lounge in Überlingen: „Hildegard Knef – Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“. Mit Chansons, Interviews und Anekdoten lässt Birgit Nolte-Michel nochmals das Leben der Hildegard Knef Revue passieren.

Jenes bewegte Leben, aus dem schon zu ihren Lebzeiten eigentlich alle persönlichen Details hinlänglich bekannt waren. Und gerade deswegen war die Vorfreude damals schon immer groß auf den nächsten Exklusivbeitrag in der Boulevardpresse. Die Knef hat sich für ihr Publikum förmlich ausgezogen, es war damals so schön persönlich, fast schon intim mit ihr, dass die pikanten Details aus ihrer Privatsphäre heute noch mal so schön klingen. Und ihre Musik ja sowieso.

Im Publikum sind bei der Premiere daher zart-verschämte Tränen geflossen, genau so wie damals beim neuesten Skandal oder Exklusivinterview mit ihr. Und wenn sie noch „Für mich soll's rote Rosen regnen“ oder „Eins und eins das macht zwei“ anstimmt, dann singt und summt das Publikum mit, dann ist es glücklich, mit seiner Knef gemeinsam zu singen.

Birgit Nolte-Michel hat ihre Hilde tatsächlich verstanden, und zwar richtig gut, sie wirkt teuflisch echt. Auf der Bühne spielt und singt nicht mehr Birgit Nolte-Michel, sondern eigentlich Hildegard Knef. Ihre Gesten, ihre Mimik, ihr Ausdruck, der Augenaufschlag, ihr Gesang, das Lachen, die Verzweiflung: Es ist Birgit Nolte-Michels ganz persönlicher Charme, aber da steht sie, die Hilde. Hildegard Knefs Chansontexte kommen ohne viel Pathos aus, dafür hatte sie aber stets die richtigen Worte gefunden, um das Herz des Publikums zu treffen. Ähnlich ambivalent ist auch ihre Stimme gewesen, die in Noltes Culture Lounge nochmals zum Leben erweckt wird. Vortrefflich bringt Birgit Nolte-Michel stimmlich die Hilde rüber, diese sensible, gebrochene Stimme, die aber auch ebenso gut voller Selbstbewusstsein strotzen konnte, aber das war die Ironie in Knefs Stimme, ähnlich der Pointen in ihren Chansons. Die „Seeräuber-Jenny“ klang selten so gut, stimmlich einerseits so kraftvoll mit voluminösem Ende, aber gleichzeitig so herrlich schön spröde. Oder „Amsterdam“ – was für ein Finale, Gänsehautfeeling pur!

Michael Lauenstein spielt das Orchester, entweder am Klavier oder am Akkordeon. Er und Birgit Nolte-Michel sind mittlerweile ein perfekt eingespieltes Team, nicht nur musikalisch, sondern auch bei der ultrakomischen Tanzeinlage der beiden. Das macht Spaß. Dabei hat Lauenstein in diesem Programm schwer zu arbeiten: Ein Orchester auf ein Klavier zu reduzieren und dann doch noch nach Orchester zu klingen, das ist eine Meisterleistung. Aber das schafft er: Seine weiche und filigrane Spielweise sowie die zarten Tremolos klingen tatsächlich nach den schnulzigen Schlagerorchestern aus den 60er Jahren wie Kurt Edelhagen oder Bert Kaempfert.

Michael Lauenstein und Birgit Nolte-Michel hatten ihren Spaß auf der Bühne, hochkonzentriert und absolut überzeugend. Das hat dem Publikum gefallen: Die Premiere sowie auch die Vorstellung am Samstagabend waren schon lang vorher restlos ausverkauft. Nochmals die Hilde Knef singen zu hören und nochmals ihre exklusiven Geschichten zu erfahren war der Abend schon wert. Mit Birgit Nolte-Michel und Michael Lauenstein wurde der Knef-Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis.


Noltes Culture Lounge

„Hildegard Knef – Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“ wird am17. und 18. März noch mal im Theater an der Ecke Aufkircher Straße/Gunzoweg aufgeführt.

Der Spielplan im März: 3. bis 5. März: „Perle Quatscht“, 11. März: „Perle sucht Sau“, 12. März: „Perle hat Sau“, 14. März: „Ruhestörung“, 23. und 24. März: „Faust I“ und am 30. März die Premiere „Novecento“.

Informationen gibt es telefonisch unter der Nummer 0 75 51/8 31 02 22 sowie im Internet:

www.noltes.biz

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