Bei manchem Teilnehmer sieht der Angriff zunächst eher wie eine Verteidigung aus. Nach dem Motto "Pose mit Schwert" der zeitgleich laufenden Ausstellung im Walz Kunsthandel (wir berichteten) haben Thomas von Kummant (Zeichner) und Benjamin von Eckartsberg (Texter) ein Schwert mitgebracht. Nach ersten freien Zeichenversuchen ihres selbst erwählten Comic-Helden sollen sich die Workshop-Teilnehmer nacheinander mit dem Schwert in Pose werfen. Lustig ist's, als "Thomy" und Benjamin abwechselnd am lebenden Objekt die Bedeutung der Körperhaltung erläutern. "Wo ist wann die Spannung?", lautet die zentrale Frage, bevor es wieder ans Zeichnen geht.
Der 15-jährige Gymnasiast Lucian Schroeter aus Uhldingen-Mühlhofen gehörte nicht nur zu den jüngsten, sondern auch zu den ersten von 13 Teilnehmern, die sich zum "Comic-Workshop" eingefunden haben, der aufgrund der großen Nachfrage am 29. September wiederholt wird. "Ich habe den Fantasy-Roman "Schattenjagd" von Wolfgang Hohlbein zum Geburtstag bekommen", erklärt Lucian. Das Buch sei so spannend geschrieben, dass er am ersten Tag gleich 200 Seiten gelesen habe. Ein Holbein-Fan scheint auch der veranstaltende Galerist Michael F. Walz zu sein, dessen 17-jähriger Sohn Florian ebenfalls zu den Workshop-Teilnehmern zählt. Es war Walz, der den in München lebenden Protagonisten mit begeisterndem Erfolg den Vorschlag unterbreitet hatte, Hohlbeins "Chronik der Unsterblichen" in einen Comic zu adaptieren.
Bevor es ans Zeichnen geht, zeigen von Kummant und von Eckartsberg einen Kurzfilm, der sie als Hauptdarsteller bei der Entstehung ihres zweibändigen Werkes zeigt. Es ist eine "schöne, düstere Geschichte", die in Transsilvanien spielt. Viel technisches Knowhow gibt der Film preis. Auch erfährt man einiges vom Umschreiben der Dialoge, die im Comic so gestaltet sein müssen, dass das "Hohlbein-Feeling" erhalten bleibt.
Andrej, Held und Hauptperson, ist ein Charakter, der sehr viel nachdenkt, weshalb viel innerer Monolog beschrieben ist. "Andrej Delany ist ein Vampir, der seine Familie verlor und seinen Sohn selbst umbringen musste, weiß der 14-jährige Simon aus Renningen, der seine Ferien in Überlingen verbringt, und sich später beim Zeichnen mit Hingabe für einen Werwolf entscheidet. "Weil der Thomy das Buch gelesen hat, waren landschaftliche Beschreibungen et cetera nicht nötig", erläuterte während des Films der Texter, der sich später so herrlich überzeugend als Comic-Figur mit gezücktem Schwert in Pose warf.
Zwischen spannend übermittelten Entwürfen, Layouts und dem Einsetzen von Sprechblasen gibt's immer wieder Tipps. Weil die Geschichte im Mittelalter angesiedelt ist und Blut eine große Rolle spielt, wird es in Extra-Ebenen im Computer darübergesetzt. Über das Hangeln von Szene zu Szene geht es zum Feinschliff, zum Zusammenfügen der Figuren, die ins Bild integriert werden. Tische werden zusammengeschoben und Bleistifte gezückt. "Erst mal überlegen, was ich erzählen will", wird geraten. "Schmale, hohe Bilder stehen für Schnelligkeit, und lange, breite Bilder für Gemächlichkeit - das nennt man Timing", sagt Benjamin. Wichtig sei es, die Hauptfigur, die man für einen Comic "bis zu 200 Mal zeichnen muss", in all ihren Gemütslagen zu kennen, damit sie der Leser in jeder Lage wieder erkennt.
Gabi Rieger
