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Überlingen Hand in Hand das Leben einer Frau gerettet

14.09.2009


Mit Glück und vermutlich nur weil in Überlingen eine Druckkammer steht, hat eine 44-jährige Taucherin aus dem Raum Frankfurt am Samstag einen Tauchunfall überlebt. Ihre Dankbarkeit allen Helfern gegenüber ist groß. Nächstes Jahr komme sie wieder und werde persönlich danken, sagte Sigrid Yildirim gestern Abend kurz vor ihrer Heimreise.
Tauchunfall vor Überlingen

Der 12. September 2009 ist der Tag, an dem Sigrid Yildirim unter normalen Umständen gestorben wäre. Sie tauchte im Bereich des Campingparks auf eine Tiefe von 30 Metern und geriet in Panik. Warum, das ist nicht so ganz klar und die Steuerfachangestellte aus Neu-Isenburg konnte es gestern, noch benommen, auch nicht sagen. Ihr mit ihr tauchender Lebensgefährte, Dragojlo Ristovic, erkannte ihre Lage jedenfalls sofort. ,Sie schaute mich mit riesen Augen an und atmete sehr schnell, viel zu schnell. Da unten ist es permanent dunkel, der pure Stress." Wie sie hinterher rekonstruierten, verspürte Sigrid Yildirim Krämpfe im Schulterbereich, hatte dann mit Kälte und Dunkelheit zu kämpfen. Dragojlo Ristovic, Technischer Mitarbeiter: ,Vielleicht kam ein Tiefenrausch dazu, weiß der Geier."

Das Paar bezeichnet sich als ,erfahrene Taucher in deutschen Seen", seit fünf Jahren üben sie diesen Sport aus. Der Tauchgang vom Samstag war für Sigrid Yildirim der erste im Bodensee. Vor Überlingen liegt eine poröse Steilwand mit Nischen und Höhlen - für jährlich tausende Taucher ein faszinierendes Gebiet.

Zehn Minuten etwa waren sie unten, da brach die Panik aus. Der 43-jährige Ristovic wollte mit seiner 44-jährigen Freundin einen kontrollierten Notaufstieg einleiten. Da bemerkte er, dass sie schon bewusstlos war und den Lungenautomaten, also ihr Mundstück, verloren hatte. Seinen zweiten fand er auf die Schnelle nicht. Sie hatte auch schon Wasser eingeatmet, wie man später, als sie an der Oberfläche nach Luft röchelte, hören konnte. Ohne nachzudenken, setzte Dragojlo Ristovic sein eigenes Leben aufs Spiel, pumpte die Taucherjacke voll mit Luft, nahm seine Freundin fest in Griff und schoss an die Wasseroberfläche. ,30 Meter in acht Sekunden", berichtete er gestern. In anderen Fällen sind Taucher nach solchen Aktionen gelähmt, weil Stickstoff in den Blutbahnen schwebt und an der Oberfläche wie die Kohlensäure in einer geschüttelten Sprudelflasche ausperlt. Oder Taucher starben, weil ihre mit Pressluft gefüllte Lunge beim Aufstieg riss.

Dragojlo Ristovic tat in dem Moment das einzig Richtige: Er presste auf den letzten Metern nach oben mit ganzer Kraft die Luft aus seinen Lungen. Wieder an Land, konnte er sogar auf den eigenen Beinen stehen. Dass auch seine Freundin keine Lungendehnung erlitt, ist einer der vielen Glücksmomente und nicht so einfach erklärbar. Dass dann auch über Wasser die Geschichte zu einem glücklichen Ende findet, ist wiederum nur erklärbar, weil viele kompetente Helfer sofort zur Stelle waren. Einer der ersten war der Taucher Uwe Herzog, ein Monteur aus dem Raum Karlsruhe, der auf dem Campingplatz in der Sonne saß, auf den See hinausblickte und sah, wie die beiden Taucher an die Wasseroberfläche ploppten. Er selbst hat schon einen Tauchunfall in 35 Metern Tiefe erlebt. Seit damals, seit vier Jahren, nimmt er zum Tauchen immer eine Flasche 100 Prozent reinen Sauerstoffs mit. Bisher brauchte er sie nicht. Am Samstag war sie wichtiger Baustein, um Sigrid Yildirim das Leben zu retten.

Genauso wichtig war der Einsatz der Rettungssanitäter, denen die Taucher ,hohe Fachkompetenz" bescheinigten. Erst im Frühsommer hatte das Rote Kreuz in einer großen Übung genau dieses Szenario geübt. Nach der Erstversorgung übernahmen die Helfer der DLRG die Verunglückte aufs Boot und brachten sie zum Landungsplatz. Denn am Steilhang im Bereich des Campingplatzes hätte sie gar nicht in den Krankenwagen gehoben werden können. Im Helios-Spital trafen Yildirim und Ristovic auf ein Ärzteteam, das auf Tauchunfälle spezialisiert ist, und auf ehrenamtliche Helfer des Badischen Tauchsportverbands, die im Krankenhaus in Überlingen eine Druckkammer betreuen.

Eine längere Anreise in die Druckkammer hätte für Yildirim tödlich oder mit Lähmungen des Körpers -auch das die typische Folge eines Tauchunfalls - enden können. Auch Ristovic wurde in der Druckkammer behandelt, er konnte am Samstagabend die Klinik schon verlassen. Yildirim blieb bis Sonntag unter Beobachtung. Gestern verließ sie die Klinik. Wohlbehalten, aber mitgenommen. Im Gespräch mit der Zeitung blieb sie leise. Mit Tränen in den Augen sagte sie: ,Wir kommen nächstes Jahr wieder zum Tauchen. Dann wollen wir gerne alle Helfer besuchen und ihnen persönlich danken."

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