Wie fließt der Verkehr durch Nußdorf oder daran vorbei, wenn die „Entlastungsstraße Ost“ fertig gestellt ist? Wenn darüber heute Abend, 19 Uhr, in der Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus diskutiert wird, dann geht es aus Sicht der dortigen Händler, Gewerbetreibenden und Dienstleister um nicht weniger als die Zukunft des Überlinger Teilorts. Um die Frage, ob Nußdorf „zur Schlafstadt wird“, wie Helmut Bommer sagt, „oder ob die heute voll funktionierende Nahversorgung“ erhalten bleibe.
„Ohne Bommer gäbe es in Nußdorf keine Apotheke, keine Poststelle, keine Tankstelle, keinen Schuhmarkt, keine Bekleidungsgeschäfte, keinen Schlüsseldienst“, macht Helmut Bommer deutlich, dass bei einer kompletten Schließung der Durchgangsstraße dies alles höchst gefährdet sei. Denn ohne „Kaufland“ als „Ankermieter“ könnten sich all die kleinen Geschäfte nicht halten, weil sie auf die Magnetwirkung des riesigen Marktes angewiesen seien. Und dass Kaufland Konsequenzen ziehen würde, wenn eine veränderte Straßenführung spürbare Verschlechterungen für den Markt ergäben, hatte Kaufland-Prokurist Jürgen Grossmann bereits am 24. Mai vergangenen Jahres in einem Gespräch im Rathaus in Anwesenheit von OB Sabine Becker und Bürgermeister Ralf Brettin verdeutlicht.
Auch die meisten anderen Geschäfte könnten nicht auf Dauer existieren, macht Reerink klar, wenn Nußdorf komplett vom Durchgangsverkehr abgehängt würde. Denn ein Ort mit nur 1300 Einwohnern und steigenden Durchschnittsalter habe nicht die Kaufkraft, um die Geschäfte zu erhalten und für neue Impulse durch neue Investoren gebe es schon gar keine Chance.
Nun hoffen Bommer und Reerink mit den von ihnen vertretenen Geschäftsleuten, dass die Diskussion auf Basis sachlicher Argumente geführt wird. „Wir sind zu einem Kompromiss bereit“, sagen sie, verweisen auf den „Planungsfall 4“ und wissen das Gutachten des Regierungspräsidiums hinter sich. In dieser bereits im Juli mündlich im Ortschaftsrat vorgestellten Untersuchung fanden sie gute Argumente für ihre Position.
