Überlingen Goethes Faust 1 in Noltes Culture Lounge teuflisch gut gespielt

Noltes Culture Lounge liefert mit Goethes Faust 1 ein Meisterwerk, das Publikum ist von der Premiere begeistert

Teuflisch gut, so meint man. Sie können nur mit dem Teufel im Bunde sein, so teuflisch gut spielen sie: Noltes Culture Lounge begeisterte das Publikum bei der Premiere „Faust 1, Goethes Original bearbeitet für 2“ am vergangenen Samstag. Es ist wirklich erstaunlich, über welches Repertoire dieses kleine, aber feine Theater verfügt.

Faust, gespielt von Oliver Nolte, trägt rote Socken und ein grünes Hemd. Mephisto, in Gestalt von Birgit Nolte-Michel, trägt mit Gel zurückgekämmte Haare. Ganz modern. Und doch klassisch. Beide Schauspieler sind mit Leib und Seele dabei. Der Schweiß tropft ihnen von der Stirn. Die Anstrengung, die klassischen Verse zu rezitieren, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Das Publikum ist tief beeindruckt. Es scheint, beide seien einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, so authentisch und überzeugend spielen sie.

Trotz aller hohen Literatur, trotz aller einmaligen Kunst – der typische Nolte-Humor darf nicht fehlen: Mit einem Augenzwinkern holen sie den großen und ernsten Goethe mitsamt dem Faust von seinem Sockel, und sei es nur improvisiert: Als Nolte, alias Faust, einen weißen Kittel anzieht und den Ärmel erst wieder auf rechts ziehen muss, um hineinzuschlüpfen, kommentiert sie, alias Mephisto, sarkastisch: „Ja, ja, der Teufel steckt im Detail!“ Einfach himmlisch, dieser natürliche, situative Humor.

Aber auch nach solch kurzer Erholung von der schweren Kost Goethes, lassen die Noltes das Vorzeigewerk deutscher Literatur wieder auferleben: Dank ihrer schauspielerischen Kunst lebt der Faust in all seiner sprachlichen Brillanz auf, schlagen weltberühmte Zitate wie Blitze in das Herz des Publikums ein: „Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“

Es ist die sprachliche Genialität, die bei Faust immer wieder überzeugt. Die Genialität, mit der das Werk seiner Zeit weit voraus war und auch heute noch seine Aktualität besitzt. Aber das Stück wäre nichts ohne die beeindruckende Schauspielkunst der Noltes, die mit einfachsten Mittel wie einem spartanischen Bühnenbild, effektiv und wirkungsvoll die Worte zum Leben erwecken. Die trotz aller Schwere des Themas ihren trockenen Humor nicht außen vor lassen und die noch so schwerwiegendste Passage mit einem Augenzwinkern überwinden.

Die Noltes holen Goethe von seinem elitären Sockel herunter, ohne dabei sein Werk und seine Aussage zu zerstören. Faust – ein beruflich wie privat unzufriedener Mensch, der erkennt, dass es ihm als Wissenschaftler an wirklich tiefer Erkenntnis fehlt und dem als Mensch die Fähigkeit zu leben abhanden gekommen ist. Deprimiert und lebensmüde – ergreifend wie Nolte das spielt – geworden, verspricht er dem Teufel Mephisto seine Seele, wenn es diesem gelingen sollte, Faust von seiner Unzufriedenheit zu befreien und für Abwechslung zu sorgen.

Die gesamte Bandbreite der menschlichen Empfindungen lassen die Noltes in diesem Meisterwerk erfolgreich aufleben. Am Ende sind die Zuschauer sprachlos und gebannt. Beim Applaus funkelt den Noltes so etwas wie der Teufel in den Augen. Absolut verdient, haben sie es wieder geschafft, auch mit so schwerer Kost ihr Publikum zu unterhalten und zu überzeugen. Noch nicht einmal die Souffleuse musste bei den über 1800 Zeilen mit drei bis 15 Wörtern eingreifen. Respekt.

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