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21.11.2007  .

Gesungene Gegensätze treffen auf Harmonie

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Unter dem Motto "Gegensätze" bezauberte der experimentierfreudige, vom Publikum stürmisch umjubelte Madrigalchor der Überlinger Chorgemeinschaft der gut besuchten Billafinger Gerbe.
Rieger

"Die Experimentierfreude des Überlinger Madrigalchors gefällt mir besonders gut", resümiert nach Zugaben und stürmischem Publikumsjubel eine Zuhörerin: "Es war ein wunderbares Konzert, bei dem die Sänger ihr Motto Gegensätze wirklich gut herausgearbeitet haben." Der Chor wurde von Thomas Braun mit schwungvoller Präzision durch a capella gesungene Liedblöcke mit Übertiteln wie "Kontrapunkte", "abendliche Kontraste" oder "Spiegelungen" geführt. Die Madrigaler bewegten sich bei diesem vielseitigen Konzert ebenso freudvoll auf musikalisch höchsten Touren wie die stimmschöne Solosopranistin Astrid Bernius. Sie setzte in sensibler Klavierbegleitung von Annette Haigis mit Kunstliedern intime Akzente.

Zur Eröffnung gibt es das "Audite silete" von Prätorius, das warm, weich und zugleich dynamisch gesungen ist. Der Chor zeichnet sich durch seine Homogenität aus. Ganz modern sind die Harmonien in der Ode auf "la musica". Und stimmungshebend fröhlich erschallt der nächste Chorsatz, in dem die freudvoll zusammenwirkenden Frauen- und Männerstimmen davon künden, dass, "wer edele Musik verachtet ein Narr bleibt bis ans Ende der Tage". Mitten ins Herz zielt mit seinen ungewöhnlichen harmonischen Verschiebungen das vierstimmige "Musik ist Licht in den Ohren" von Gottfried von Einem. Lupenrein intonierte Soprane machen den Anfang beim sechsstimmigen "Vorspruch" von Hugo Distler, der am Ende wie volles Glockengeläut durch die Akustik in der gut besuchten Gerbe schwingt.

Melancholisch, aber ohne Pathos intonieren die harmonisch zusammenwirkenden 17 Frauen- und sieben Männerstimmen in lebendigem Erzählcharakter mit Silcher das Lied der "Loreley", die mit ihrem Gesang Schiffer und Kahn ins Verderben stürzt. Es ist der Auftakt für den Block mit Sololiedern, in dem Astrid Bernius mit samtenem Tremolo in lyrischer Zartheit ihre schlackenlos helle, sehr bewegliche Sopranstimme strömen lässt. In kantabler Klavierbegleitung widmet sie sich den musikalischen Gegensätzen zu "Loreley" und Goethes "Mignon". Bei Schumanns nuanciert gestaltetem "Waldesgespräch" glaubt man der "Hexe Loreley" auf die Spur zu kommen. Gänsehaut erzeugt der hinreißend zarte Sologesang nach berührend schönem Klaviervorspiel im Mitempfinden der Sehnsucht nach Schuberts Opus 62, wo im Lied der Mignon im Schwur die Lippen schließt.

"Das war der Mensch, der den Mond besingt. Jetzt besingt der Mond den Mann", sagt der Dirigent, bevor im Block der "Spiegelungen" die köstliche Persiflage der Kölner "Black Föös" mit ihrem swingendem "dumdum" ein amüsiertes Strahlen auf die Gesichtszüge der Zuhörer zaubert. Zuhörwonnen beschert der durch seine Beweglichkeit und meist gute Intonation bestechende Madrigalchor bei seiner Vorstellung von abendlichen Kontrasten mit Kodaly und Rheinberger. Konzentriertes Zuhören erfordert die Darstellung nach Gerlitz, bevor mit Fanny Hensel-Mendelssohn in harmonischem Wohlklang "aus tiefem Grün abendlich der Wald rauscht". Lachsalven zünden am Schluss herrlich alberne Persiflagen auf Volkslieder. Da swingt die Gerbe im "Tschiep" und "dudeldu" von McDonalds Farmtieren, und rappig klappert die Mühle am rauschenden Bach.

Gabi Rieger

Bildergalerie im Internet:

www.suedkurier.de/bilder

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