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16.02.2008  .

Geld gibt's, aber nicht den Flügel

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Streitpunkt zwischen Chorgemeinschaft und Männerchor ist dieser Flügel. Demonstrativ stellt sich der Vorstand hinter das Instrument (von links): Franz Knittel, Rolf Jacob, Rudi Durejka, Bettina Drechsel, Susanna Zimmer, Christine Mähler, Elli Weber und Ingrid Porsch.
petersen

Eine lange Tagesordnung lag der Hauptversammlung der "Überlinger Chorgemeinschaft" vor, doch Zündstoff schien es zunächst nicht zu geben. "Das ist ja eine ätzend nette Veranstaltung", kam ein Zwischenruf einer Frau, die wohl noch die Querelen vor Jahresfrist in Erinnerung hatte. Franz Knittel, Chorsprecher des Gospelchors, stellte ein "jetzt störungsfreies Miteinander der verbliebenen Chöre" fest. Doch dann holte die Vergangenheit die Versammlung noch einmal ein: Der Männerchor 1861 hatte einen Forderungskatalog aufgestellt, der zum einen 8266 Euro, zum anderen praktisch das gesamte Inventar der Vereinsräume umfasste. Dies sei der Vermögensstand des Jahres 1991, in dem der Männerchor sein Vermögen der Überlinger Chorgemeinschaft als Darlehen zur Verfügung gestellt habe, so die Begründung.

"Das ist rechtlicher Unsinn", ereiferte sich die zweite Vorsitzende Bettina Drechsel. "Die Einzelchöre sind keine rechtlichen Personen. Das ist allein der Gesamtverein." Deshalb könne ein Teil des Vereins - hier zudem eine kleine Minderheit - nicht rechtliche oder finanzielle Einzelforderungen stellen. Mit dieser Meinung fand sie großen Anklang.

Dennoch wollte man den Männerchor nicht völlig im Regen stehen lassen. Schnell schälte sich als Vorschlag heraus, den Männern 3544,40 Euro zu überwiesen. Das sei genau das, was der Männerchor bis 1983 erwirtschaftet habe, dem Jahr also, in dem sich der Frauenchor als Teilgruppe des Männerchores gegründet hatte. "Das ist von unserer Seite eine freiwillige Leistung, damit der Männerchor seine Arbeit weiterführen kann", begründete Rolf Jacob, Sprecher des Madrigalchores, diesen Vorschlag. Er wurde bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen angenommen.

In diesem Sinne verlief auch die Diskussion um das Inventar. Auf viele Dinge könne man um des lieben Friedens willen verzichten. Einen rechtlichen Anspruch des Männerchors kann die Chorgemeinschaft auch hier nicht erkennen. "Wir überlassen dem Männerchor einige Dinge als Geste der Großzügigkeit." Was genau das sein wird, soll der Vorstand entscheiden. Zwei Dinge aber stehen nach dem Willen der Versammlung nicht zur Debatte: die HiFi-Anlage und der Flügel. Die brauche man für die Arbeit, die gebe man nicht ab, war der Tenor. Und so war am Schluss der Versammlung doch wieder hergestellt, was bereits zu Beginn des Abends aufgefallen war: eine seit Jahren ungewohnt einheitliche Stimmung und der Wille zur Gemeinsamkeit.

Uwe Petersen

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