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Überlingen Fördergelder vom Land beim Neujahrsempfang überreicht

Unter den Gästen im Kursaal konnte Oberbürgermeisterin Sabine Becker auch Alexander Bonde willkommen heißen, der ihr den Bewilligungsbescheid des Landes über fünf Millionen Euro an Fördermitteln für die Landesgartenschau 2020 mitgebracht hatte und damit quasi grünes Licht für die ersten konkreten Bauarbeiten gab.

Wenn die Verantwortlichen für die Stadt 2016 so schwungvoll ans Werk gehen wie die Stadtkapelle beim Bürgerempfang im Kursaal und zudem noch so filigran und präzise in der Umsetzung sein können wie deren Instrumentalisten, dann braucht es den Überlingern um das neue Jahr und die Zukunft nicht bange zu sein. Was das Ensemble mit der Strauß-Ouvertüre zur „Fledermaus“ begann, mauserte sich mit Walzern und Polkas fast zu einem Neujahrskonzert wie man es von den Wiener Philharmonikern zu hören gewohnt ist – und kam beim Publikum bestens an. Schon deshalb hatte sich der Weg für die rund 500 Bürger trotz trüben Regenwetters gelohnt.

Unter den Gästen im Kursaal konnte Oberbürgermeisterin Sabine Becker auch Alexander Bonde willkommen heißen, der ihr den Bewilligungsbescheid des Landes über fünf Millionen Euro an Fördermitteln für die Landesgartenschau 2020 mitgebracht hatte und damit quasi grünes Licht für die ersten konkreten Bauarbeiten gab, die Ende des Jahres beginnen sollen. Präsent waren in der ersten Reihe auch die Abgeordneten Lothar Riebsamen (MdB, CDU) und Martin Hahn (MdL, Grüne) neben Beckers Vorgänger Volkmar Weber mit Ehefrau Bärbel sowie Jutta Patzel mit Sohn Nicola. Stark vertreten waren die Bürgermeister aus den Nachbargemeinden mit Manfred Härle (Salem), Henrik Wengert (Owingen), Daniel Heß (Stetten), Edgar Lamm (Uhldingen-Mühlhofen) und dem frisch gebackener Hagnauer Kollegen Volker Frede, der anschließend mit Winzer Thomas Kress nicht nur über den von den Trachtenfrauen kredenzten Rebensaft fachsimpeln konnte.

Die bevorstehenden Landtagswahlen warfen dezent ihren Schatten voraus. Nicht nur dass die neuen Kandidaten von CDU, SPD und FDP mit Susanne Schwaderer, Dieter Stauber und Klaus Hoher einträchtig nebeneinander in der dritten Reihe saßen, eingerahmt von Mitgliedern des Gemeinderats. Minister Alexander Bonde erntete erste große Heiterkeit, als er die Grüße von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Nachsatz überbrachte, dieser werde „im Jahr 2020 die Überlinger Landesgartenschau sehr gerne persönlich eröffnen“.

Als große Vision und wichtiger Brennpunkt für die Stadtentwicklung bezeichnete Bonde das Vorhaben Landesgartensschau. „Es gibt keine Stadt, die die Ausrichtung einer Landesgartenschau je bereut hat“, bekräftigte Bonde. Insbesondere von dem geplanten Bürgerpark und der Uferrenaturierung profitierten die Menschen wie die Natur gleichermaßen. Kein Zufall sei auch der Spatenstich für den Neubau der B 31-Umfahrung gewesen, der auf eine Fertigstellung zur Landesgartenschau ziele.

Hatte Sabine Becker beim Dreikönigstrunk im Ratssaal bewusst auf einen kommunalpolitischen Rück- und Ausblick verzichtet, so stand dies im Mittelpunkt des Bürgerempfangs. „Die Stadt handelt nicht zufällig, sondern verfolgt ein strategisches Ziel“, resümierte Becker ihren kommunalpolitischen Rück- und Ausblick und nahm dabei am Ende insbesondere die Landesgartenschau ins Visier. Sie sei als wichtigstes Stadtentwicklungsprojekt und „Teil eines großen Ganzen“ zu sehen. Als weitere Säulen nannte Becker das Verkehrs- und Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das Energie- und Klimaschutzkonzept sowie das neue Tourismusmarketingkonzept. „Sie stehen in engem Zusammenhang, bauen aufeinander auf und ergänzen sich“, erklärte Becker. Nur so lasse sich die Stadt „für die Zukunft aufstellen“ und mit bestmöglichen Arbeits- und Lebensverhältnissen zu einem „Leuchtturm in der Bodenseeregion“ machen. „Und 2016 umsetzen werden wir auch unser neues Bürgerbeteiligungskonzept“, versprach Sabine Becker. Im Februar werde die Stadt den Bürgern zum ersten Mal eine Vorhabenliste vorlegen und über anstehende Projekte informieren. „Auch die paritätisch mit Bürgern und Gemeinderatsmitgliedern besetzte Koordinierungsgruppe wird in diesem Jahr mit ihrer Arbeit beginnen“, betonte Becker. Sie erarbeite das jeweilige Beteiligungskonzept. Konkret beinhalte es, wozu genau beteiligt werden soll, welche Erwartungen es gibt, wann und wie beteiligt werden solle. „Grundsätzlich entscheidet aber immer der Gemeinderat, ob eine Bürgerbeteiligung stattfindet“, sagte Becker: „Neu ist, dass sich die Stadt damit feste Regeln und Abläufe für die Bürgerbeteiligung gegeben hat.“

Mit Bildern und Videofilmen ließ die Oberbürgermeisterin nicht nur die Ereignisse von 2015 Revue passieren. Bürger kamen mit ihren Positionen zu Wort und konnten Wünsche formulieren. Erstmals in diesem Rahmen dankte OB Becker drei Firmen für die Kooperationsbereitschaft mit der Feuerwehr: Holzbau Böhler sowie die Diehl BGT Defence und Diehl Aerospace.

 

Überlingens OB Sabine Becker will Einzelhandel im Konkurrenzkampf mit der Online-Konkurrenz unterstützen

Wie beim Dreikönigstrunk ging OB Sabine Becker in ihrer Rede im Kursaal auf das Thema Flüchtlinge ein, sie befasste sich aber auch mit Wohnungsnot oder der Onlinekonkurrenz des Einzelhandels.
Glücksklee im Töpfchen ließ OB Sabine Becker von den Überlinger Trachten an die Gäste verteilen: Elisa Rimmele bedient Lothar Riebsamen (MdB, CDU) sowie Ex-OB Volkmar Weber mit Frau Bärbel.
Glücksklee im Töpfchen ließ OB Sabine Becker von den Überlinger Trachten an die Gäste verteilen: Elisa Rimmele bedient Lothar Riebsamen (MdB, CDU) sowie Ex-OB Volkmar Weber mit Frau Bärbel.

 

Flüchtlinge: Insbesondere dankte Oberbürgermeisterin Sabine Becker den ehrenamtlichen Helfern und Vereinen für deren Engagement, aber auch Betrieben und Wohnungseigentümern, die Arbeitsmöglichkeiten bzw. Unterkünfte zur Verfügung gestellt hätten. Sie rechne damit, dass deren Zahl in absehbarer Zeit auf rund 500 Personen ansteigen könne. Um eine Belegung von Turnhallen zu vermeiden, werde die Stadt dem Landkreis ein weiteres Grundstück für eine Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung stellen.

 

Wohnraum bedürfe es auch für die Überlinger Bevölkerung. Die neuen Baugebiete am Turmgartenweg, Südlich Härlen und am Hildegardring sollten weitere Möglichkeiten eröffnen. Insbesondere von der Kooperation mit der Baugenossenschaft verspreche sie sich rund 150 Wohnungen für 300 bis 350 Menschen. Der Antrag von SPD und Grünen, schon 2016 mindestens 50 Sozialwohnungen bereitzustellen, werde sich „kurzfristig nicht umsetzen lassen“. Becker: „Der Bedarf ist allerdings da, aktuell haben wir bereits 180 Anträge von Wohnungssuchenden registriert.“

 

Gewerbeflächen: Während die Bedarfsermittlung für Gewerbeflächen nahezu abgeschlossen sei, könne die Stadt Gewerbegebiete nun relativ schnell anbieten, nachdem der Rückkauf von Grundstücksreserven eines Überlinger Betriebs notariell besiegelt worden sei.

 

Einzelhandel: Paroli bieten will Becker der Online-Konkurrenz für die örtliche Geschäftswelt. „Die Menschen kommen nur noch dann in die Innenstädte zum Einkaufen, wenn sie eine hohe Aufenthalts- und Servicequalität vorfinden“, sagt Becker: „Das Einkaufserlebnis wird immer wichtiger.“ Auch in Überlingen fühle sich der Einzelhandel bedroht, sagte Becker und zitierte eine Geschäftsfrau aus dem Internet: „Liebe Vereine, gerne unterstütze ich als Händler vor Ort die Tombola, Eure Weihnachtsfeiern mit einer Spende, aber bitte fragt auch bei Amazon, Ebay und Zalando, ob sie bereit sind, Euch etwas dafür zu schenken. Immerhin lassen Eure Mitglieder viel Geld dort. Schöne Weihnachten, Euer Einzelhändler.“ Umso mehr gelte es eine hohe Aufenthalts- und Luftqualität zu sichern. Dazu trage das neue Verkehrskonzept ebenso bei wie das geplante Energie- und Klimaschutzkonzept. (hpw)

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