Überlingen
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Sipplingen/Bodman-Ludwiugshafen – Rund 400 Narren aus dem gesamten südwestdeutschen Raum haben am Samstag an die elf Sipplinger gedacht, die gemäß der Chronik des Überlinger Bürgermeisters Jakob Reutlinger im Jahr 1576 auf dem Rückweg vom Fasnetküchle-Holen in Bodman bei einem Schiffsunglück im Sturm ertrunken waren. Unter Leitung von Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, und seinem Vize und Kanzelar Walter Benz ging zum achten Mal die traditionelle „Fasnetküchlefahrt“ von Bodman-Ludwigshafen nach Sipplingen vonstatten, in deren Mittelpunkt eine Gedenkmesse und die Fasnetsküchlerede stand.Dass es sich auf dem Hauptdeck des MS München um keine Trauer-, sondern um eine Gedenkmesse handelte, wurde schnell jedem klar, der den Versen des früheren Singener Pfarrers Rolf Stehlin, jetzt Rheinmünster, folgte.
Sigrun Mattes aus Singen-Beuren, die erste Alefänzin 1983, hielt die Fasnetküchlerede.
Er war 1999 mit dem Alefanz-Orden ausgezeichnet worden, nachdem er einmal eine Narrenpredigt aus einem überdimensionierten Kinderwagen heraus gehalten hatte. In seiner Predigt griff er nicht nur das defizitäre Wissen über die Ursachen des Unglücks auf, sondern fragte auch, weshalb Jesus dem Sturm nicht drohen konnte, „um die Narren zu bewahren, vor dem Ertrinken beim Hinüberfahren? Waren womöglich die Mannen so dreist, und verschmähten den Schutz des heiligen Geistes? Oder wollte der liebe Gott gar mit diesen Getösen, die Sipplinger Frauen von ihren Männern erlösen? Und die Unverheirateten bewahren, vor grausamen Ehejahren?“ Und der Schluss: „Wir Narren in diesem Boot hier, sind die Nachkommen der überlebenden Vier. Wir sollen lebendig halten die Fröhlichkeit, und dies nicht nur zur Fasnetszeit. Drum lasst uns Leben unseren Glauben und nicht der Fröhlichkeit berauben. Über euch alle komme reichlich Narrensamen. Jetzt bin fertig. Aus und Amen.“ Hespeler lobend: „Es war ein Erlebnis der besonderen Art, die wir sicherlich noch viel Jahre in bester Erinnerung behalten werden.“
Am Sipplinger Landessteg angekommen, wurden die Honoratioren der südwestdeutschen Fasnet mit Böllerschüssen, Sipplinger Kirschwasser und einem Spalier der knallroten Sipplinger „Trube–Kriese–Rätscher“, der grauen „Store“, der „Kriese-Wieber“ und der Zimmermansgilde der Sipplingen Fastnachtsgesellschaft begrüßt. Angeführt von deren Narrenkapelle, zogen die Fastnachter durch das Dorf zur Festhalle. Hier wartete auf sie ein weiterer Höhepunkt, denn ohne eine mitreißende Fasnetsküchlerede ist die Veranstaltung nur die Hälfte wert. Diese hielt zum ersten Mal eine Frau - „und was für eine“, lobte Hespeler die Fasnetmacherin Sigrun Mattes aus Beuren an der Aach, die erste Alefänzin 1983, bekannt auch als „Kuh vom Land“, die „Standing ovations“ erhielt. Sie „warnte“ davor, im Winter den Bodensee zu testen. „Do derf me it ins Wasser fliege, du könntsch am End noch d'Schwindsucht kriege, und selbst im Suff sottsch it drin bade, susch giehts erst recht Personeschade.“ Und erinnerte an den Besuch in Bodman, „wo elf hond möße untergo, und jämmerlich ihr Lebe lo, de See deckt alle gnädig zue: Herr gib ene die ewig Rueh“, und zeigte sich überzeugt, dass elf Sterne am Himmel an die Ertrunkenen erinnern: „Do sieht mer grad elf Sternle funkle, des seiet se, so tuet mer munkle. Die elf, wo einscht versoffe sind, freud tond se sich wie d'Kind, dass es bei euch am See, ihr Leit, immer und ewig e schöne Fasnet geit. “ Nach einem gemeinsamen Mittagessen und mehreren Ehrungen wurden Fasnetküchle und Erinnerungsgaben ausgegeben, bevor sich die Narren zum „MS München“ begaben, zur Rückfahrt über'n See.
Für einige Wochen bestimmen Jahr um Jahr die Narren das Geschehen in der Region Bodenseekreis/Oberschwaben. Alle Berichte und Bilder zur Fastnacht in der Region finden Sie im närrischen SÜDKURIER-Onlinedossier. Alle Bildergalerien