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02.06.2010  |  von  |  36 Kommentare

Überlingen Ermittlungen gegen Erzbischof Zollitsch

Überlingen -  Der Vorwurf eines Anzeigeerstatters lautet auf Beihilfe zu sexuellem Missbrauch. Das Ordinariat Freiburg weist die Vorwürfe als „substanzlos“ zurück.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Erzbischof Robert Zollitsch.  Bild: dpa

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Redakteur Überlingen

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Erzbischof Robert Zollitsch.
Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat auf Grund einer Strafanzeige ein Ermittlungsverfahren gegen Robert Zollitsch, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, eingeleitet. Sie geht damit Vorwürfen eines Anzeigenerstatters aus der Bodenseeregion nach. Der von diesem erhobene Vorwurf laute auf Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Kindern, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier von der Staatsanwaltschaft Freiburg auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigte.

Nach den vom Anzeigenerstatter erhobenen Vorwürfen, die gegenwärtig von der Staatsanwaltschaft auf deren Wahrheitsgehalt und Stichhaltigkeit überprüft werden und somit noch als völlig ungeklärt betrachtet werden müssen, soll Zollitsch als damaliger Personalreferent vor rund 20 Jahren „grob fahrlässig in Kauf genommen haben , dass ein als pädokriminell bekannter Priester mit Kindern in Kontakt kommt“. Bei dem Priester handelt es sich um Pater G., der 1987 bis 1992 in der Klosterkirche Birnau am Bodensee eingesetzt war, die zur Zisterzienserabtei Mehrerau (bei Bregenz) gehört.

Ob dieser Geistliche auch Anfang der 90-er Jahre Sexualstraftaten im Umfeld der Birnau beging, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Konstanz. Die Konstanzer Behörde wurde mittlerweile von der Freiburger Staatsanwaltschaft gebeten, das Ermittlungsverfahren gegen Zollitsch zu übernehmen. Nach Überzeugung des 53-jährigen Anzeigeerstatters waren frühere sexuelle Übergriffe in den Personalakten des Priesters, Pater G., vermerkt und hätten seiner Auffassung nach dem Personalreferenten der Erzdiözese, Robert Zollitsch, bekannt sein müssen. 

Der Pressesprecher des Erzbistums Freiburg, Robert G. Eberle, weist die Anschuldigungen als „substanzlos“ zurück. „Ein Blick auf die schon seit Monaten bekannten und veröffentlichten Fakten macht deutlich, dass die Erzdiözese Freiburg Ende 2006 - unverzüglich nach dem Bekanntwerden eines Falls von sexuellem Missbrauch aus den 60er Jahren bei der Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau - den dort zuständigen Zisterzienserorden informiert hat. Der nun verbreitete Verdacht eines strafbaren Verhaltens entbehrt bereits mangels Zuständigkeit, aber auch in der Sache jeder Grundlage“, schreibt Eberle in einer Stellungnahme.

"Für den erneuten Einsatz des Paters auch an anderen Orten kann das Ordinariat Freiburg nicht verantwortlich gemacht werden: Das Kirchenrecht kennt den Begriff der Territorialabtei. Dabei handelt es sich um ein territorial umschriebenes Gebiet, dessen Betreuung einem Abt übertragen ist. Dieser trägt die alleinige Verantwortung wie ein Diözesanbischof. Eine solche Gebietsabtei gehört zu keinem Bistum und ist vollständig unabhängig vom Diözesanbischof.“ Der verantwortliche Abt treffe auch die Personalentscheidungen innerhalb seines Territoriums. Eberle: „Er benötigt dazu weder die Genehmigung eines anderen Bischofs noch besteht irgendeine Form der Informationspflicht an andere Bischöfe.“

Was heißt es, wenn die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht hegt und Ermittlungen aufnimmt? Dann sehen die Juristen die Möglichkeit, dass hier eine verfolgbare Straftat vorliegt. Das, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, sei „die geringste Verdachtsstufe“ und „keine Vorverurteilung“. Oft müssten die Ermittlungen auch aufgenommen werden, „um Vorwürfe aus der Welt zu schaffen“.

Wie der 53-Jährige Anzeigeerstatter dem SÜDKURIER gegenüber noch mitteilte, stütze er seinen Verdacht, dass der Pater auch anderen Orts sexuelle Übergriffe begangen haben könnte, auch auf eine Mitteilung des Schweizer Bistums Basel, in dem Pater G. bis 1987 als Priester tätig war, was dort mittlerweile als „unvertretbare Fehleinschätzung“ betrachtet werde. In dieser Mitteilung, die der Redaktion vorliegt, räumt das Bistum Basel in Bezug auf Pater G. ein, dass „die Umstände seiner Anstellung - trotz einschlägiger Vorgeschichte - aus heutiger Sicht als unvertretbare Fehleinschätzung bezeichnet werden“ müssten.

Wörtlich teilte der Basler Bistumssprecher mit: „Als Pater G. in den Dienst übernommen wurde, wussten die Verantwortlichen des Bistums Basel, dass er die vorherigen Einsatzorte wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen.“ Und so unterstellt der Anzeigenerstatter vom Bodensee, dass auch die Erzdiözese Freiburg von der Vorgeschichte des Paters gewusst habe, als er 1987 in die Birnau versetzt wurde. Er vertritt weiterhin die Auffassung, dass es „unglaubwürdig oder zumindest grob pflichtwidrig“ sei, „wenn bei Umsetzungen keine Informationen zwischen den Diözesen zur pädokriminellen Vorgeschichte ausgetauscht werden“.

Der Diözesan-Sprecher Eberle teilte weiterhin am Mittwoch mit, dass, die Erzdiözese Freiburg im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Freiburg stehe, „damit die Substanzlosigkeit der Vorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch rasch geklärt werden kann“. Eberle betont: „Das Ordinariat hatte bereits in den zurückliegenden Monaten deutlich machen können, dass es nach Bekanntwerden eines Vorwurfs gegen den beschuldigten Zisterzienserpater rasch gehandelt, den Orden eingeschaltet und auf die dann nötigen Konsequenzen hingewiesen hat.“

Der Anzeigenerstatter ist ein 53-jähriger Mann vom Bodensee, der Ende der 60-er Jahre als Ministrant in der Birnau eingesetzt war und selbst Opfer sexueller Übergriffe durch diesen Priester geworden ist. Das war in der Zeit zwischen 1966 bis 1968. Ihm gegenüber räumte der Priester die Taten schriftlich ein, allerdings sind diese weit zurückliegenden Fälle heute strafrechtlich verjährt. Erst nach Jahrzehnten, im Rahmen einer klinischen Therapie, war sich das heute 53-Jährige Opfer der Taten bewusst geworden.

Er informierte daraufhin die Erzdiözese Freiburg im November 2006. Damals war der Pater nicht hier beschäftigt, sondern in einer Schweizer Gemeinde im Bistum Chur, wo er unbehelligt weiter arbeitete - bis März dieses Jahres, als der 53-Jährige dem Pater damit drohte, die Vorfälle durch drastische Maßnahmen öffentlich zu machen. Daraufhin erklärte der Pater seine Demission. Mittlerweile meldeten sich weitere Opfer, die vorgeben, Opfer des dieses Paters geworden zu sein.


Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern

Sexueller Missbrauch von Kindern wird nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuchs mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Bei Handlungen ohne Körperkontakt - etwa das Zeigen von Pornovideos - gilt ein Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Kinder sind nach dem Strafgesetz Personen unter 14 Jahren.

Beihilfe ist die vorsätzliche Hilfe zur Tat eines anderen. Dafür kann es ausreichen, dass der Helfer die Tat billigend in Kauf nimmt; nicht nötig ist, dass er ein besonderes Interesse an der Tat hat.

Nach der Rechtsprechung des BGH kann es sogar vorkommen, dass der Gehilfe die Haupttat an sich missbilligt - wenn er es trotzdem in Kauf nimmt, dass er ihre Verwirklichung erleichtert oder fördert. Von den Einzelheiten der Tat muss der Helfer keine genaue Vorstellung haben.

Die Strafe für den Gehilfen ist niedriger als für den Täter. Bei Beihilfe zum sexuellen Missbrauch liegt die Strafandrohung damit zwischen einem Monat und siebeneinhalb Jahren, bei Taten ohne Körperkontakt bis zu drei Jahren und neun Monaten. Freiheitsstrafen unter sechs Monaten können unter Umständen in Geldstrafen ungewandelt werden.

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36 Kommentare
Mit Aggressivität kommen sie so nicht weiter.
Auch wenn sie noch hunderte solcher Kommentare schreiben.
Wenn sie jemanden nicht umstimmen können, brauchen sie ihn nicht lächerlich machen oder beleidigen. Es wird nun mal immer verschiedene Ansichten geben.
Schade das man aus so einem Grund so stark vom eigentlichen Thema abkommt.
Amen
Ihre Rolle als oberlehrerhafter Beschwichtiger fehlte noch - wo waren Sie denn die ganze Zeit?

Der Begriff "Schwachmat" stammt aus Ihren Gossenrepertoire.

Und "tot" ist schon gar nichts weil die Redaktion des SK in Konstanz dieses Thema jetzt aufgerufen hat. Wann ist dann danach die nächste Redaktion dran. Ich werde in KN nicht mitdiskutieren weil ja alles gesagt ist - aber wenn Sie diesen bis jetzt eingegangenen primitiven Kommentare lesen, dann werden Sie den Verdacht nicht los, dass in den Redaktionen die Freude am Zündeln mit negativen Nachrichten vorherrschen muss. Eine schlechte Nachricht eilt schneller um die Welt. Den SK auf diesem niedrigen Niveau zu erleben tut einem langjährigen Leser schon weh.
so etwas nennt man dann wohl...
Totgequatscht!

@pbosch
Sie sollten sich überlegen, dass verschiedene Menschen auch verschiedene Meinungen haben dürfen!
Wenn jemand nicht ihrer Meinung ist müssen sie ihn nicht als Schwachmat beschimpfen. Dies verstößt gegen die Kommentarregeln!
Es wird immer verschiedene Ansichten dieser Sache geben, und das sollte jeder, egal ob marga, erbse oder sie akzeptieren.
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