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23.10.2009  |  von  |  0 Kommentare

Überlingen Eine ungewöhnliche Schmöker-Börse

Überlingen -  Das Vorbild steht im pfälzischen Wiesloch: Der Überlinger Verein „Lesezeichen“ weihte jetzt ein „öffentliches Bücherregal“ ein. Es steht mitten in der Stadt und hier kann sich jeder Bücher mitnehmen – egal, ob er selbst welche einstellt oder nicht. Nur leer darf man das Regal nicht hinterlasen.

Das „öffentliche Bücherregal“ wird enthüllt (von links): Moderatorin Christina Walz mit dem nagelneuen Asterix, von dem der Verein Lesezeichen gestern fünf Exemplare ins Regal stellte, 15 weitere werden in den nächsten Tagen folgen. Daneben Isabel Syrbius, Lesezeichen-Mitglied und Sponsorin, Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Sybilla Kleffner, zweite Vorsitzende des Lesezeichen.  Bild: Baur

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Redakteur Überlingen / Redaktionsleiter

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Die Idee eines „öffentlichen Bücherregals“ ist ziemlich neu, aber schon bewährt. Im pfälzischen Wiesloch funktioniert es als Angebot von Bürgern für Bürger seit zwei Jahren – ein Fernsehbericht im SWR darüber hatte Mitglieder des Überlinger Vereins „Lesezeichen“ auf die Idee gebracht, bei sich zu Hause eine entsprechende Initiative anzuregen. An diese Vorgeschichte erinnerte Sybilla Kleffner als Zweite Vorsitzende des Lesezeichen anlässlich der Enthüllung des Überlinger Mitnahme- und Tauschregals, das seit gestern in der Grabenstraße steht. Gegenüber dem evangelischen Pfarramt, an der Ecke zum Kurgarten, direkt an einer Ruhebank. „Nutzen Sie die Gelegenheit zum Lesen, zum Tauschen und um sich auszutauschen“, forderte Kleffner die Öffentlichkeit auf. Rund 50 Gäste aus Lesezeichen und der städtischen Kulturszene beklatschten die Enthüllung des Regals: „Ich bin ganz begeistert, dass so viele gekommen sind“, freute sich Christina Walz, die für Lesezeichen moderierte.

„Wie wir meinen, haben wir den perfekten Platz gefunden“, erklärte Kleffner, sich wohl bewusst, „dass alle schönen Dinge mit Risiko behaftet sind“. Doch wie von den Verantwortlichen aus Wiesloch zu hören sei, gab es dort zu deren Erstaunen bisher keinen Vandalismus. „Die Mitglieder des Vereins werden aber auf jeden Fall in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder vorbeischauen und nach dem Rechten sehen“, kündigte Kleffner an und meinte weiter, dass dazu auch alle anderen Bürger eingeladen seien.

Kaum hatte Kleffner gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Lesezeichen-Mitglied Isabel Syrbius die rote Schleife um das Edelstahlregal entfernt, interessierten sich auch schon die ersten zufällig vorbeikommenden Passanten dafür, wem oder was hier gerade die Menschenansammlung Beifall gespendet hatte. Und sie staunten mit überraschter Miene über das ungewöhnliche Angebot. „Muss ich den wirklich nicht zurückbringen?“, fragte einer, den gestern neu erschienenen Asterix-Band 34 in der Hand, den er gerade aus dem Regal geholt hat. Und ein anderer suchte vergeblich nach irgendeiner Liste, in die er sich eintragen kann, um die vermeintliche Bücherausleihe zu quittieren. Doch auch das ist nicht nötig. „Die Spielregeln sind denkbar einfach“, erklärt Lesezeichen-Schriftführerin Christina Walz: „Erstens: Nie das letzte Buch herausnehmen, ohne ein anderes hineinzustellen. Zweitens: Die Bücher nur in einer Reihe stellen, nicht hintereinander.

So bleiben immer alle sichtbar. Und jedermann kann zu jeder Zeit Bücher in beliebiger Zahl hineinstellen oder herausnehmen. Kostenlos, versteht sich. Romane, Kinderbücher, Sachbücher und Ähnliches sind immer willkommen.“

Das „öffentliche Bücherregal“ ist aus Edelstahl und misst zwei mal zwei Meter. Rund 250 Bücher finden darin Platz. Die Vorderseite zur Grabenstraße hin ist offen. Die größten Bedenken habe es natürlich wegen des Regens gegeben, meinte Kleffner. Angesichts einer Tiefe von 60 Zentimetern sei man aber zuversichtlich. Zudem heiße die Devise der Organisatoren: „Lieber feucht und gelesen als trocken und ungelesen.“

Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Kulturamtsleiter Michael Brunner waren für die Stadt da. Es erfülle sie schon mit einem gewissen Stolz, meinte Becker, wenn sie sehe, was hier von Bürgern bewegt werde. Gern sei die Stadt und insbesondere das Amt für Gartenbau mit Thomas Vogler bereit gewesen, die Idee zu befördern. Becker lobte, der Eingang zum Kurgarten werde aufgewertet und gerne hätte sie auch den im Verein Verantwortlichen gedankt. „Doch das hat man mir verboten, weil so viele beteiligt gewesen seien“, sagte sie und zählte unter Gelächter und Beifall auf, wer alles es ihr verboten habe: „Frau Kleffner, Frau Walz, Frau Syrbius . . .“

Übrigens: Den nagelneuen Band der Asterix-Reihe hatte der Verein Lesezeichen selbst ins Regal gestellt. Und zwar gleich fünf Mal. „Als Geschenk an alle Leseratten“, hieß es. Natürlich hatten diese Exemplare nach Minuten ihre Liebhaber gefunden. Ein Tipp: Der Verein wird in den nächsten Tagen weitere 15 Exemplare von „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“ deponieren. Wer sich einen holt, könnte ja im Gegenzug ein paar gut erhaltene alte Alben mitbringen.

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