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Überlingen 

16.08.2006  .

Eine kammermusikalische Feinarbeit

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Helmut Deutsch spielte unter anderem Franz Liszt.

Franz Liszts Fantasie und Fuge über "Ad nos, ad salutarem undam gehört mit zu den Werken höchster und schwierigster Kategorie. Mit dieser 1855 entstandenen Komposition beschloss Helmut Deutsch das 1. Konzert des Überlinger Orgelsommers. Deutsch, Professor für Orgel an der Hochschule für Musik in Freiburg sowie Gastdozent an der Royal Academy of Music London und Jurymitglied in internationalen Orgelwettbewerben, vermittelte diesen halbstündigen Liszt in der Balance von illustrativer und struktureller Eindrücklichkeit.

Zu bewältigen ist der vielfältig mutierende Choral der Wiedertäufer aus der Oper "Der Prophet von Giacomo Meyerbeer: "Zu uns, zur rettenden Woge, kehrt zurück, ihr Elenden. Ein Appell an unterjochte Völker. Liszt hat auf seine Weise "Ad nos neuromantisch eingekleidet. Von der Emporenorgel im Münster St.Nikolaus setzte Helmut Deutsch das Variationswerk unter Strom. Selbst in Momenten geistlicher Ummäntelung verspürte man den Atem des Außergewöhnlichen.

Gekoppelt oder mit Schweller schlugen zu Beginn die schwer-lastigen Akkorde gleichsam ein. Musikalischer Szenenwechsel findet laufend statt: Unisono, dynamische Entlastung, Crescendo zielgerichtet auf ein Forte-Fortissimo, Liszts offenbar unerschöpfliche Harmonik mündet in eine freie Entfaltung. Bisweilen wollte man bei der Interpretation von Helmut Deutsch Programmatisches heraushören - durchaus begründet, weil es auch um die Darstellung einer Begebenheit geht. Und immer wieder die glückhaft gelungene Hinwendung zum Cantus firmus, zum festen Gesang. Gleitende Tonartwechsel und am Ende des Kolossalgemäldes die Fuge aus der Vorgabe des Chorals, nachdem die Fanfaren als eindringliche Signale aufgerufen waren. Das nur selten gespielte Werk wird unter den Händen von Helmut Deutsch noch lange in dankbarer Erinnerung bleiben.

Zu Beginn des Konzertes spielte der Organist an der barocken Marien-Orgel. Eingangs Toccata septima aus dem "Apparatus musico-Organisticus von Georg Muffat (1653-1704). Mit oder ohne Pedal das still schreitende, triller-bestückte Grave. Bewegt war der zweite Teil mit seinen tonleiter-ähnlichen Läufen, eine Ohrenweide die transparent gestaltete Fuge, die von Akkorden durchsetzt ist. Zum Schluss die Motiv-Koppelung - ein kluger Schachzug Muffats, der mit seinen Toccaten seiner Zeit weit vorauseilt. Für Mozarts Andante F-Dur, Köchelverzeichnis 616, beschränkte sich Helmut Deutsch auf die Flöten-Familie. Töne im Portato, also in einem Halb-Stakkato. Insgesamt eine kammermusikalische Feinarbeit.

Erstaunt ist man immer wieder, wenn Mozarts Fantasie f-Moll, KV. 608, wiedergegeben wird. Da will man es kaum glauben, dass da ein Komponist der Rokoko-Zeit mit Allegro/Andante (für eine Orgelwalze) so vollklanglich zu Werke gegangen ist. Von dorther spielte Helmut Deutsch auf der Nikolaus-Orgel, um unter anderem dem Allegro Strahlkraft zu verleihen - in den punktierten Rhythmen, in den Modulationen nach fis-Moll. Kontrapunktik ist im Andante Trumpf. Helmut Deutsch brachte das komplizierte Netzwerk der vier Stimmen präzise auf den Punkt. Und noch einmal Mozart, aus der Feder des Organisten, der das Duett der Geharnischten "Der, welcher wandert diese Straßen voll Beschwerden aus der Oper "Die Zauberflöte für Orgel umgeschrieben hat. Großen Beifall für den Organisten, wie oben beschrieben, nach Liszts Mammutwerk "Ad nos.

Gerhard Hellwig

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