Überlingen Eine erotische Hassliebe: Bejubelte Premiere von "Der Kontrabass"

Oliver Nolte verkörpert einen hasserfüllten Musiker in "Der Kontrabass". Das Theaterstück mit nur zwei Protagonisten – Musiker und Kontrabass – feierte jüngst Premiere in Noltes Theater.

"Der Kontrabass ist das mit Abstand wichtigste Orchesterinstrument schlechthin."
Wer sich zurzeit mit dem Schauspieler Oliver Nolte aus Noltes Theater unterhält, sollte auf ein verschobenes musikalisches Weltbild vorbereitet sein. Er ist in einer neuen Rolle als Musiker unterwegs, als Kontrabassist im Staatsorchester, drittes Pult. Abends im Orchestergraben ist er der unabkömmliche Star, wenn in den Symphonien von Brahms und Wagner die Bässe nur so brummen.

"Jeder Musiker wird Ihnen gern bestätigen, dass ein Orchester jederzeit auf den Dirigenten verzichten kann, aber nicht auf den Kontrabass."
Noltes Theater wird zur geschlossenen Anstalt, ein schalldichter Proberaum, intime Privatsphäre, das Universum des Musikers und seiner Liebe: den Kontrabass. Vergangene Woche hatte das gleichnamige Stück von Patrick Süskind Premiere in Noltes Theater. Neben den beiden Protagonisten Oliver Nolte und dem Kontrabass braucht es nicht viel mehr: ein Sessel, drei Kasten Bier und eine Axt.

"Ein Kontrabass ist mehr ein Hindernis als ein Instrument."
Es ist ein herrliches Panoptikum, in dem sich Oliver Nolte bewegt und die Zuschauer anfänglich noch amüsiert mitlachen. Er bewegt sich darin so verdammt gut – so richtig gut, dass man fast meinen könnte, er meint es ernst und geht später mit seinem Kontrabass wirklich noch zur Aufführung ins Staatsorchester. Der Kontrabass ist seine Liebe. Doch nach einem Kasten Bier kippt die Stimmung, dann kommen diese Anfälle, in denen plötzlich das Publikum kreidebleich die Luft anhält und Oliver Nolte mit hochrotem Kopf die Wahrheit aus sich herausbrüllt.

"Der Kontrabass ist das scheußlichste, plumpeste, uneleganteste Instrument, das je erfunden wurde. Ein Waldschrat von Instrument."
Es ist in Wirklichkeit eine Hassliebe zwischen ihm und seinem Instrument, und diese zwei Welten bringt Oliver Nolte perfekt auf die Bühne. Schon rein äußerlich könnte er im Staatsorchester Kontrabass spielen. So stellt man sich ihn vor, den Kontrabassisten am dritten Pult. Mit all seiner Mimik und Gestik und seinem Talent wird er nicht zum Kontrabassisten, er ist es einfach. Und mehr braucht es auch nicht. Der zweite Protagonist, der Kontrabass, kann da getrost das ganze Stück über in der Ecke stehen bleiben.

"Als Kontrabassist im Staatsorchester, drittes Pult, vergewaltige ich täglich in der Gestalt des Kontrabasses, der größten der weiblichen Instrumente, meine Mutter."
Knisternde Erotik ist geboten, wenn er dem Kontrabass förmlich an die Wäsche geht. Die Charmeoffensive aber gilt nicht seiner Mutter, sondern der Mezzosopranistin Sarah auf der Opernbühne. Sein Verlangen nach ihr steigert sich im Angesicht des Kontrabasses bis zum Höhepunkt. Eine ungewöhnliche Inszenierung, überraschend anders und mit einem sensationell-guten Oliver Nolte.

 

Der Kontrabass

Der Kontrabass ist das tiefste und größte Streichinstrument in der klassischen Musik. Es kann mit vier oder fünf Saiten bestückt sein. Der Kontrabass ist aber auch ein Theaterstück, geschrieben von Patrick Süskind. Der Einakter entstand im Jahre 1981 und entwickelte sich schnell zu einem populären Theaterstück: 1985 war es mit mehr als 500 Aufführungen die meistgespielte Produktion. Seit 10. Mai wird das Stück im Noltes Theater gespielt. Weitere Informationen im Internet unter www.noltes.biz.

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