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Überlingen Diskussion zum Thema Landesgartenschau - Gräben nicht zu tief werden lassen

Der SÜDKURIER gibt einen aus: Zum Thema Landesgartenschau diskutieren 35 Gäste sachlich und konstruktiv miteinander und mit Lokalchef Martin Baur

„Natürlich spaltet die Landesgartenschau die Bevölkerung. Aber ich merke, dass es zu einer Versachlichung kommt. Und das ist ganz wichtig, denn es geht vor allem um diese Stadt Überlingen und was ihnen und ihren Menschen gut tut.“ Das sagte der Überlinger Lokalchef des SÜDKURIER, Martin Baur, der im Rahmen der Reihe „Der SÜDKURIER gibt einen aus“ zu einer Gesprächsrunde über die Landesgartenschau in den Ochsen einlud. Er begrüßte am Karsamstagnachmittag gut 30 Bürgerinnen und Bürger. Dass die Landesgartenschau die Bevölkerung tatsächlich spaltet, wurde an einigen emotionalen Wortmeldungen deutlich. Ulf Janicke empfand das aber als harmlos: „Ich wünschte mir, die eine oder andere Diskussion im Gemeinderat wäre so moderat. Im Gemeinderat geht es oft stammtischartig zu.“

Eines der Kernthemen war die Frage, was mit dem Graf'schen Gelände passieren würde, wenn die Landesgartenschau nicht käme. „Warum werden wir immer von der Stadt damit bedroht, dass, wenn die Landesgartenschau nicht kommt, da hinten bebaut wird?“, fragte Roland Hipper. „Das ist doch Unfähigkeit des Gemeinderates, eine Bebauung zuzulassen, wenn die Bürger das nicht wollen.“ Martin Baur argumentierte, dass er das nicht als Drohszenario verstehe. „Es ist nur einfach zu befürchten, dass dann dort bebaut wird."

Oberbürgermeisterin Sabine Becker habe nicht gesagt, dass man morgen anfange das Graf'sche Gelände zu bebauen, wenn die Abstimmung zur Landesgartenschau negativ ausfällt, stellte Alt-Oberbürgermeister und Sprecher der Unterstützer-Initiative „Wir für Überlingen“, Reinhard Ebersbach, richtig. „Sie hat gesagt: Dann ist alles offen. Und diese Argumentation stimmt.“ Wenn die Mehrheit sich gegen die Landesgartenschau ausspreche, gebe es erstmal keine Zuschüsse, zumindest nicht fünf Millionen. „Versetzen Sie sich mal in Position des Gemeinderats. Einige werden auf Trotz schalten. Und als ehemaliger Bürgermeister weiß ich wie das ist mit einem Gemeinderat, der längere Zeit auf Trotz schaltet.“

„Ich habe immer das Gefühl, wir Überlinger haben was gegen unsere Gäste“, meinte Altstadtrat Winfried Ritsch. „Seien wir doch froh, dass sie kommen. Überlingen tut sich immer schwer, wenn es einen Schritt nach vorne gehen soll.“ Es sei, mahnte Ritsch, nicht so einfach, eine alte Stadt weiterzuentwickeln. „Deshalb sollte man zugreifen, wenn man mal eine Chance wie jetzt mit der Landesgartenschau hat.“ Auch Helgard Bühler sagte: „Wir haben jetzt eine riesige Chance was zu verändern. Die kriegen wir nicht mehr.“

Roland Biniossek erinnerte an die Pläne des Vereins Bürgersinn als Alternative zur Landesgartenschau: „Es wurde immer gesagt, es gibt keinen Plan B. Aber den gibt es – vom Bürgersinn!“ Beim Graf'schen Gelände, bei der Verlegung der Straße und beim Parkhaus stimme er mit den Plänen der Stadt in vielen Punkten überein. „Das Problem fängt weiter westlich an.“ Das Gebiet, um das es dort geht, sei „ein kleines Handtuch“ und „dafür werden die Millionen verbuddelt.“ Der Campingplatz sei noch ein Drittel so groß wie jetzt. „Das ist auch so eine Vernebelungsgeschichte zu sagen, die Entscheidung zum Campingplatz komme später.“

Von „Nebelkerzen“ sprach auch Siegfried Gommeringer, „im Moment noch Gegner.“ Er sagte: „Politiker sind wie Pudding, die kann man nicht an die Wand nageln“ und brachte mit diesen Worten seine Zweifel zum Ausdruck, ob die Zuschüsse denn sicher sind. Vielstimmig wurde ihm erklärt, dass das der Fall sei, aber Biniossek meinte: „Wir kriegen Zuschüsse, aber für jeden Euro Zuschuss müssen wir Schulden machen.“ Und diese Schulden sind es, die Roland Hipper Sorgen bereiten, vor allem hinsichtlich Zins und Zinsänderung. „Da erwarte ich vom Gemeinderat einen Plan, wie das zurückgezahlt werden soll.“

„Sie malen jetzt hier ein Bild, als würde die Welt untergehen“, empörte sich Jutta Werling-Durejka. „Für keine einzige Stadt war die Landesgartenschau in der Vergangenheit negativ, es bewerben sich sogar manche zum zweiten Mal.“ Sibylla Kleffner wies darauf hin, dass man sich die Haushalte der Städte, in denen Landesgartenschauen stattfanden, ansehen könne. Und dann sehe man, dass das Bild von Roland Hipper kein überzogenes Schreckensszenario ist. Kleffner, aktives Bürgersinn-Mitglied, erklärte, dass es bei den fünf Millionen „all die zusätzlichen Wünsche, die alle zusätzliches Geld kosten“ noch nicht drin sind. „Für die gibt es sicherlich auch wieder Zuschüsse. Aber die Stadt muss auf jeden Fall die Hälfte zahlen. Und das ist der Moment, wo es anfängt, teuer zu werden.“ Sie sei traurig, sagte Kleffner, „dass die Stadt den Bürgersinn außen vor lässt. Wir sind auch Überlinger Bürger.“

Walter Rapp war sich dagegen sicher, dass die Stadt die Finanzierung stemmen kann. Und dass Überlingen nur gewinnen wird. „Ich war in Nagold und in Horb und da sind die Auswirkungen der Landesgartenschau sehr positiv zu spüren.“ Claudia Widmann sprach da sogar aus Erfahrung: „Ich habe früher in Pfullendorf gelebt und die dortige Landesgartenschau hat viel Gegenwind bekommen und jetzt sind alle gottfroh dass es sie gab.“ In Überlingen, bedauerte Widmann, werde immer nur von den Ausgaben gesprochen. „Aber wir haben doch auch Einnahmen.“ Winfried Ritsch bekräftigte: „Je mehr Gäste hierherkommen, umso mehr Geld fließt auch hierher.

Es sei denn, man will keine Gäste weil wir satt sind und sagen: Uns geht es ja gut. Hauptsache wir haben eine schöne Sicht auf den See.“ Biniossek entgegnete: „Aber wir müssen doch auch noch Luft haben zum Leben.“ Unwillige Rufe und Aussagen wie: „Was ist denn das für ein Quatsch“, waren die Antwort. Biniossek hatte ganz zu Anfang der Debatte einen Wunsch geäußert: „Wir müssen uns in die Augen schauen wenn wir diskutieren. Und wir dürfen die Gräben nicht so tief werden lassen, dass wir nachher verfeindet sind.“ Baur appellierte zum Schluss, offen zu sein für die Argumente der anderen Seite. „Egal wo sie heute stehen: Beim Bürgerentscheid am 28. April müssen Sie zu sich sagen können, dass Sie ihre Entscheidung fundiert treffen.“

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