In Salem-Neufrach verschwinden serienweise Katzen. "Zuerst denkt man sich: Die wurde überfahren", sagt die dreifache Katzen-Mutter Sandra Binder, die bis vor zwei Wochen noch acht Katzen besaß. Aber dann habe sie mit eigenen Augen gesehen, wie eine ihrer Katzen geklaut werden sollte: Genau heute vor einer Woche habe sie eine Gruppe Jugendlicher am Sportplatz beobachtet, die einen Seesack dabei hatten und ihre Katze auf dem Arm hielten. "Na ja, die schmusen die Katze", habe sie im ersten Moment gedacht. Doch dann sah sie, wie die Unbekannten versuchten, ihre Katze in den mitgebrachten Sack zu stecken, erzählt sie, und dann sei sie rausgerannt "wie eine Furie" und die Jugendlichen seien ohne ihre Katze mit einer blauen Limousine abgehauen. Doch sie vermutet, dass das nur ein vorläufiger Sieg war, denn auch danach verschwanden ihre Tiere weiter.
Dass die Tierfänger noch immer am Werk sind, sagt der Tierarzt Bernhard Stark aus Salem-Stefansfeld und berichtet von einer Patientin, die gestern bei ihm anrief und erzählt habe, dass sie gestern früh "tatsächlichen Katzenfängern" ihre Katze wieder abgenommen hätte. Und Nicole Simon, vom Tierschutzverein Markdorf, weiß von einem weiteren Fall in Mittelstenweiler, bei dem angeblich Katzenfänger am Werk waren. Der Tierarzt glaubt: "Solange es Verrückte gibt, die Katzenfelle als Rheumadecken nutzen, solange gibt es einen Markt für die Felle." Dabei sei es definitiver Humbug, dass die Felle gegen Rheumabeschwerden etwas ausrichten könnten. In seiner Praxis weise er die Patienten mit einem Aushang auf die Gefahr der Katzenfänger hin. Der Tierarzt Jürgen Schmidt aus Uhldingen-Mühlhofen, weiß von einem Fall und sagt "der Frau glaube ich das schon" und, dass so etwas immer wieder vorkomme.
Dass bei der Polizei indessen keine Anzeige vorliegt, sagt Michael Hoffmann, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Friedrichshafen, die für Salem zuständig ist. Er sagt: "Ich möchte nicht ausschließen, dass es das gibt, aber wenn die Polizei etwas unternehmen soll, müssen Anzeigen her." Es brauche Zeugen und Fahndungsansätze.
Das Thema verfolge die Beamten alle paar Jahre. Aber: "Wir erfahren es nur aus den Medien." Und aus einem Medienbericht zitiert der Beamte auch einen gut gemeinten Ratschlag an die verunsicherten Katzenbesitzer: Um die Tiere für den Katzenfell-Markt unbrauchbar zu machen, solle ein Stück Fell herausrasiert werden. Für Sandra Binder ist es für diese Maßnahme zu spät. Ihre Katzen seien sehr zutraulich gewesen. Eine sei aber scheu und fauche. "Die ist noch da."