Überlingen "Die Fledermaus": Kleine Oper am See mitten in den Proben

Die Kleine Oper am See probt derzeit für ihre Inszenierung der "Fledermaus" von Johann Strauss. Premiere der rasanten Operette ist am Donnerstag im Badgarten im Rahmen der Kultur im Kapuziner.

Die Realschule lebt, auch in den Sommerferien: Statt Schülergeschrei und Lehrerermahnungen sind in dem Gebäude zurzeit festliche klassische Musik und schönste Arien zu hören. Die Kleine Oper am See probt in der Realschule ihre aktuelle Produktion "Die Fledermaus" nach Johann Strauss. Viermal wird sie bis Sonntag aufgeführt, bei gutem Wetter als Kunst im Garten, bei schlechtem Wetter als Kultur im Kapuziner. Die Münchner Regisseurin Melanie Renz hat eine besondere und vielversprechende Inszenierung geschaffen, die nach draußen in den Garten passt, wie sie sagt. Aber auch in der ehemaligen Kapuzinerkirche kann sie sich das Werk vorstellen: "Das ist ein großartiger Raum" ist sie voll des Lobes für die Lokalität.

Sie spricht ehrfürchtig von dem "monumentalen Werk der Operettengeschichte", dem sie sich von verschiedenen Seiten nähert. Sie erinnert an die Entstehungsgeschichte des Werkes sowie an die geschichtlichen Hintergründe: "Strauss bot den Leuten damals eine Flucht zurück in die gute alte Welt." 1874 und Wiener Gründerzeit: Zur Zeit der Uraufführung war die Welt im Umbruch. Renz spricht von "Realitätsflucht", von einer "Gesellschaft, die das wollte und noch will", von "Konsequenzlosigkeit" und von einer "Spaßgesellschaft, die sich im Alkohol berauscht": Die Fledermaus lebt vom Alkohol. Alfreds Trinklied "Trinke, Liebchen, trinke schnell, trinken macht die Augen hell" hat Kultstatus, auch Adeles Forderung "Drum lassen weise Fürsten die Völker niemals dürsten" ebenso wie Eisensteins späte Erkenntnis am Morgen danach: "Nur der Champagner war an allem schuld."

Eine Figur wird zum "Spielmacher"

"Das ist ein spannender Aspekt", führt Regisseurin Renz weiter aus. Eine Figur aus der "Fledermaus" sticht dabei heraus, wird quasi zum "Spielmacher". Sie meint damit den Notar Dr. Falke, denn alle anderen Charaktere "sind doch recht unreflektiert", wie sie sagt. Falke wird damit zum zentralen Element ihrer Inszenierung, der die "anderen wie Puppen tanzen lässt".

Gefängnisdirektor Frank (Hermann Locher) im Terzett mit Alfred (Costa Latsos) und Rosalinde (Isabell Marquardt, von links).
Gefängnisdirektor Frank (Hermann Locher) im Terzett mit Alfred (Costa Latsos) und Rosalinde (Isabell Marquardt, von links). | Bild: Dieter Leder

"Auch eine Operette darf mal großes Regietheater sein", sagt Renz, was fast nach einer Rechtfertigung klingt. Sie hat mit ihrer Inszenierung Bilder und Metaphern geschaffen, mit denen sich jeder "emotional angesprochen fühlen oder einfach einen schönen Operettenabend haben soll".

"Die Musik erscheint leicht, weil sich vieles in einer ungeheuren Geschwindigkeit abspielt", erklärt Dirigent Vincent Andreas. Dabei vergleicht er die "Königin der Operette" von der Aufführungsdauer mit Wagners "Rheingold" oder Mozarts "Entführung aus dem Serail". Vincent Andreas: "Da kann die Fledermaus locker mithalten."

"Die Geschwindigkeit ist in der Fledermaus ein Mittel der Parodie", führt er weiter aus, "ebenso wie die Leichtigkeit." Beide Elemente dienten dazu, die Figuren des Stücks gnadenlos bloßzustellen. "Es ist ein hartes Stück Arbeit, was leicht gemeint ist, auch leicht klingen zu lassen", sagt er nach der mehrwöchigen Probezeit. Am Donnerstag ist Premiere im Badgarten.

Eisenstein (Ansgar Theis) und sein Freund Dr. Falke (Vincent Gühlow) bei den Proben zur "Fledermaus".
Eisenstein (Ansgar Theis) und sein Freund Dr. Falke (Vincent Gühlow) bei den Proben zur "Fledermaus". | Bild: Dieter Leder

Die Fledermaus

"Johann Strauss nannte sein Werk nie Operette, sondern vielmehr komische Oper", klärt Dirigent Vincent Andreas auf. Strauss komponierte "Die Fledermaus" im Sommer 1873 in Wien – in nur 43 Tagen. Infolge der Wirtschaftkrise wurde die Uraufführung jedoch auf April 1874 verschoben. Die Handlung ist anfänglich einfach: Dr. Falke plant eine Intrige, mit der er sich an seinem Freund Gabriel von Eisenstein rächen will. Ab diesem Zeitpunkt wird es aber kompliziert und irrwitzig komisch.

"Vor sieben Jahren gab es die Fledermaus schon einmal", weiß die Leiterin des Projektes, Isabell Marquardt, zu berichten. Es war damals die zweite Vorstellung im Museumsgarten und die erste Aufführung des neu gegründeten Vereins Die Kleine Oper am See. "Die neue Vorstellung im Badgarten ist etwas völlig anderes", erklärt die Projektleiterin. Premiere ist am kommenden Donnerstag, 17. August, um 20 Uhr im Badgarten (bei Regen in der Kapuzinerkirche). Weitere Vorstellungen sind jeden Abend bis einschließlich Sonntag, 20. August. Restkarten gibt es per E-Mail unter karten@kleineoperamsee.de oder unter Telefon 0 75 57/15 33.

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