Überlingen/Friedrichshafen Das Motorschiff Überlingen liegt wieder im Bodensee - mit Video der Einwässerung

Das Motor-Schiff MS Überlingen lag 14 Tage in der Werft auf dem Trockenen, die Motoren wurden mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet. Für den aus Hamburg stammenden Schiffsbauingenieur ist die MS Überlingen ein ganz besonderes Schiff.

Es könnte eine Symphonie von Stockhausen sein, oder ein Mitschnitt eines Konzerts für zeitgenössische Musik von den Musiktagen in Donaueschingen: Ein schrilles Pfeifen in unterschiedlichen Lagen, fast schmerzhaft hohe Töne am Rand des Tinnitus, und vor allen Dingen extrem laut.

Der Bug der Überlingen in der Werfthalle.
Der Bug der Überlingen in der Werfthalle.

So in etwa hört es sich an, wenn 480 Tonnen Stahl auf Schienen ganz langsam ins Wasser gleiten. Das ist der Sound, wenn das Motorschiff Überlingen wieder zurück in den See kommt. Das jüngste und modernste Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) lag zwei Wochen lang im Dock in der in der Werft in Friedrichshafen und wurde am Dienstag wieder eingewassert.

"Früher war das Gänsehautfeeling", gesteht Christoph Witte. Er ist der technische Geschäftsführer der BSB und Leiter der Werft. Aber heute sei das Einwassern eines Schiffes für ihn Routine. Er spricht von einem rekordverdächtigen Winter: "Vier Schiffe hatten wir diesen Winter in der Werft." Neben der Überlingen lagen auch noch die Graf Zeppelin, die Schwaben und auch die Stuttgart in der Werft. Wobei die Arbeiten an der Graf Zeppelin die umfangreichsten waren: Das Schiff hat unter anderem neue Motoren bekommen. Die MTU-Motoren wurde gegen moderne Scania-Motoren getauscht. Es sind dieselben Motoren, wie sie auch auf der MS Überlingen laufen.

Witte stammt ursprünglich aus Hamburg, dort hat der Schiffsbauingenieur auch gelernt. Der Wechsel an den Bodensee vor drei Jahren war eine Umstellung: "Der Fisch schmeckt hier anders", sagt er humorvoll. Von seiner neuen Arbeit am Bodensee ist er ganz begeistert. "Die Arbeit an den alten ebenso wie an den hochmodernen Bodenseeschiffen ist eine spannende und abwechslungsreiche Herausforderung." Die Schwaben steht unter Denkmalschutz, ihre Motoren seien etwas für Nostalgiefans, während die Graf Zeppelin und die Überlingen durch Hightech bestechen. "Jedes Schiff ist anders und hat seine eigenen Anforderungen."

Der Steuerbord-Propeller unter der Überlingen: Letzte Schliff unter Deck kurz vor der Einwasserung.
Der Steuerbord-Propeller unter der Überlingen: Letzte Schliff unter Deck kurz vor der Einwasserung. | Bild: Dieter Leder

Witte ist voller Lob für die sieben Jahre alte Überlingen. "Sie ist immer noch unser Star", so beschreibt er das Schiff. Und wenn dieselben Motoren, wie sie auf der Überlingen laufen, jetzt auch auf der Graf Zeppelin eingesetzt werden, dann ist das durchaus als Kompliment zu verstehen. Als Kompliment an die Ingenieure, die die Überlingen entworfen und gebaut haben. Beim Rundgang durch das Schiff präsentiert er auch die hochmoderne Kommandobrücke der Überlingen.

Hier oben zeigt sich die Maßarbeit, nicht nur der Schiffbauer, sondern auch der Ingenieure auf der Werft: Die Überlingen passt genau in die Werfthalle, zwischen der Oberkante des Schiffes und der Stahlkonstruktion vom Dach der Werfthalle passt kein Finger mehr. "In Hamburg waren wir größere Schiffe gewohnt, das hier ist aber eine echte Herausforderung", wie Witte ehrfürchtig den schmalen Spalt zwischen Schiff und Hallendach beschreibt.

Auf dem Oberdeck der Überlingen wurde der Fußboden ausgetauscht, der alte Boden hatte sich teilweise schon gelöst. Auch einen neuen Anstrich hat das Schiff erhalten. "Die Propeller der Schiffsantriebe wurden abgeschliffen, die hatten Kalk angesetzt", so Witte beim Rundgang durch das Schiff. Und damit das Schiff auch weiterhin umweltfreundlich über den Bodensee fährt, sind jetzt auch die Hilfsmotoren mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet worden.

Langsam kommt die Überlingen wieder aus der Halle.
Langsam kommt die Überlingen wieder aus der Halle. | Bild: Dieter Leder

Am Dienstagmorgen noch wurden die letzten Arbeiten erledigt, um kurz nach 8 Uhr gingen die Werftarbeiter von Bord, und Kapitän Thomas Merkel übernahm wieder das Kommando auf dem Schiff. Die Sicherungen gegen das Abrutschen wurden entfernt und ganz langsam aber sehr lautstark glitt das Schiff wieder in sein Element. Und wer von der Werft zum Einwassern nicht gebraucht wurde, stand daneben und betrachtete das nicht alltägliche Manöver des Einwasserns. Es ist Routine, aber eben doch etwas Besonderes.

Ab Sonntag verkehrt die Überlingen wieder planmäßig zwischen Konstanz und Überlingen. Und wird gleich eine Premiere haben: Bei der ersten Fahrt am Ostersonntag wird es an Bord ein Osterbrunch geben.

Video der Einwässerung

 

MS Überlingen

Am 19. Juni 2010 wurde das Schiff in Dienst gestellt. Das 58,20 Meter lange und 12,22 Meter breite Schiff hat einen Tiefgang von nur 1,65 Metern und wiegt 480 Tonnen. Mit maximal 26 Kilometern pro Stunde fährt das in Konstanz beheimatete Schiff hauptsächlich auf dem Kurs von Konstanz über Meersburg, Mainau, Unteruhldingen, Dingelsdorf und Überlingen. Gebaut wurde das Schiff bei der Oswag-Werft in Linz, die Einzelteile wurden nach Fussach gebracht und dort zusammengebaut. Der Rohbau wurde dann nach Friedrichshafen geschleppt und in der dortigen Werft wurde das Schiff fertig gestellt. Es ist das dritte Schiff auf dem Bodensee, das den Namen Überlingen trägt.

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