Das Thema stand am Mittwoch erst auf dem öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung. Auf Antrag von Michael Jeckel (CDU) wurde das Thema in den nichtöffentlichen Teil verbannt. Auf den Tisch müssten Unternehmenszahlen, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten, argumentierte Jeckel.
Man kann sich vorstellen, dass es hinter den Kulissen heftig her ging bei einem Thema, das die Öffentlichkeit 2007 sehr bewegte. Damals wurde die Frage diskutiert, ob und unter welchen Bedingungen der historische Rathauskeller, den zuvor Vereine für ihre Belange gelegentlich nutzten, in ein Café umgebaut werden darf. Die Stadt übernahm für die vom Pächter finanzierte Gebäudesanierung eine Bürgschaft. Seitdem wird hier das von der Bevölkerung sehr geschätzte Café Aran betrieben. Nun, nach fünf Jahren, nimmt die Betreiberin zur Untermiete ein Haushaltswarengeschäft mit in die alten Mauern.
Am Donnerstag vermeldete die Stadtverwaltung in einem Pressetext, dass der Rat in seiner nichtöffentlichen Sitzung, bei einer Enthaltung, geschlossen für den Antrag der Aran-Pächterin Sabine Bornberg stimmte. Demnach wird ihr gestattet, einen Teil des historischen Rathauskellers zur Untermiete freizugeben. Wie Bornberg auf SÜDKURIER-Anfrage mitteilte, plane das Ehepaar Kübler (Spectrum/Greth) den Verkauf hochwertiger Glas-, Geschirr- und Haushaltswaren. Geplante Neueröffnung des Rathauskellers sei Ende Oktober.
Zwischen der Stadt Überlingen und der Betreiberin Bornberg besteht seit Dezember 2007 ein Pachtvertrag. Die Pächterin habe sich bei der Verwaltung gemeldet und die Zustimmung zur Unterverpachtung einer Teilfläche des Café Aran beantragt, teilt die Stadtverwaltung mit. Mit der Unterverpachtung von etwa einem Drittel der Fläche wolle die Pächterin vor allem während der schwächeren Wintermonate Personalkosten und Personalaufwand im Cafébereich reduzieren. Bornberg bestätigte, dass die Thekenanlage verkleinert und die Zahl der Sitzplätze von 85 auf 65 reduziert werde. Weil der Einzelhandel am Sonntag nicht verkaufen dürfe, gönne sich auch das Café einen Ruhetag.
Der aktuelle Pachtvertrag läuft bis 2018, sagt Bornberg. Sie habe vor, die Option von zwei Mal fünf Jahren wahrzunehmen, könne aber natürlich „nicht in die Glaskugel schauen“. Sie erinnerte daran, dass sie mit einem enormen Risiko den muffigen und kalten Rathauskeller sanierte und mit aufwändiger Lüftungstechnik, von Überlinger Handwerksbetrieben perfekt installiert, ein angenehmes Raumklima geschaffen habe. Das Konzept werde geliebt, gerade auch von Touristen. Sie bestätigte, dass die Stadt für die Sanierung der Raumhülle eine Bürgschaft von 385 000 Euro übernommen habe. Weiterhin habe sie auf eigenes Risiko 400 000 Euro in den Ausbau des Lokals gesteckt. Die Bürgschaft sei von der Stadt übernommen worden, damit der Raum bewirtschaftet und verpachtet werden kann und sei nicht explizit an das Café gebunden.
Jeckel sprach dem SÜDKURIER gegenüber von „Altlasten, die die Stadt nun einholen“. Er erinnerte daran, dass er seinerzeit „die Art und Weise kritisierte, wie ohne Ausschreibung ein Vertrag zustande kam, den kein Gemeinderat je gesehen hat“. Auch aktuell habe der Rat nur die Eckdaten erhalten.
Bornberg weist den von Jeckel vermittelten Eindruck, 2007 sei gemauschelt worden, zurück. Der Gemeinderat habe entschieden, nicht auszuschreiben, „weil sich sonst niemand ran getraute an den Keller, in dem jeder nach einer halben Stunde eiskalte Beine bekommen hatte“.
Der Gemeinderat stellte laut Pressemitteilung folgende Bedingungen, die im Unterpachtvertrag von der Pächterin berücksichtigt werden müssen: Die Fläche des Café Aran solle flächenmäßig die Hauptsache sein. Die Laufzeit des Unterpachtverhältnisses dürfe maximal der Laufzeit des Hauptvertrages entsprechen. Eine Außenverkaufsfläche sei ausgeschlossen. Im Unterpachtbereich müsse das Warenangebot dem historischen Raum entsprechen und dürfe nicht zu gedrängt dargeboten werden.
