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16.08.2012  |  von Martin Baur  |  1 Kommentare

Überlingen Bodenseefischer: „Wir müssen Netze an Abrisskante setzen“

Überlingen -  Nach dem tragischen Tod einer Frau in einem Fischernetz vor Überlingen offenbart sich ein Nutzungskonflikt. Im Überlinger See sind die Fischer durch dessen spezielle Topografie darauf angewiesen, ihre Netze teils sehr nah am Ufer zu setzen.

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Autor
Martin Baur
Leiter der Lokalredaktion Überlingen

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Nach dem tragischen Tod einer 66-jährigen Schwimmerin in einem Fischernetz herrscht unter den Fischern der Region Betroffenheit. Andreas Knoblauch (Uhldingen-Mühlhofen), Vorsitzender des Verbandes Badischer Berufsfischer am Bodensee, sagt: „Wir waren entsetzt.“ Er spricht von einer „wirklichen Tragödie“ für die Frau und ihre Angehörigen. Dann verdeutlicht er: „Der Gedanke, dass ein Mensch durch einen zu Schaden kommen könne, ist schrecklich.“ Gerade weil einem bewusst sei: „Was da passiert ist, das kann jedem von uns passieren.“ Denn die Fischer haben das Recht – außer vor Strandbädern – ihre Netze auszubringen und ebenso ist das Baden erlaubt.
 

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Einen echten Nutzungskonflikt zwischen Berufsfischern und Badern gibt es nach Knoblauchs Beschreibung aber nur an wenigen Stellen im Überlinger See. Denn hier ist die Flachwasserzone am Ufer, die „Halde“, teils nur 20 Meter breit, danach geht es steil auf bis zu 60 Meter Tiefe hinab. „Wir müssen die Netze im Flachwasser setzen und gehen dann möglichst nah an die Abrisskante.“ Denn immer in der Dämmerung, am Abend wie am Morgen, kämen die Fische zum Fressen ins seichte Wasser. Weil die Abrisskante an einigen Stellen des Überlinger Sees ganz nah am Land verlaufe, müsse man mit den Netzen entsprechend nah ans Ufer. Das sei insbesondere vor dem Überlinger Ruderclub, dem Tennisclub, der „Liebesinsel“ und nahe des Westbades der Fall. Er selbst setze an solchen Stellen schon seit drei Wochen keine Netze mehr, sagt Knoblauch, weil es momentan extrem viele Bader und Taucher habe.

Eine weitere Stelle sei das „Klausenhorn“ vor Wallhausen. „In Hagnau liegt die Kante einen Kilometer im See und vor Friedrichshafen zweieinhalb Kilometer.“

Bereits am 4. August hatte sich eine Schwimmerin an die Polizei gewandt, weil ein Berufsfischer vor den Tennisplätzen direkt am Ufer ein Netz gesetzt habe und es deswegen sogar zwischen ihm und Schwimmern zum Streit gekommen sei. Davon erfuhr Knoblauch damals von der Wasserschutzpolizei. Äußern will er sich dazu nur allgemein. „Es ist richtig, dass es da leider ab und zu Berührungspunkte gibt, da muss halt jeder ein bisschen nachgeben.“ Als Fischer müsse man schauen, dass man die Freizeitnutzer nicht provoziere, auch wenn man eindeutig im Recht sei.

Der Todesfall der Überlingerin, die am Morgen des 11. August gegen 6.45 Uhr in einem Netz ums Leben kam, dessen eines Ende etwa 35 Meter vor dem „Unteren Stadtgarten“ stand, ist laut Polizei der einzige bisher aktenkundige Fall. Die Recherchen des SÜDKURIER unter Fischern ergab indes, dass es vor rund 25 Jahren vor Meersburg einen vergleichbaren Fall gab. Damals hieß es sofort, die Rechtslage sei eindeutig, der Fischer habe das Recht, sein Netz in der Flachwasserzone zu setzen.

Indes scheint es in den letzten Wochen mehrere kritische Begegnungen zwischen Schwimmern und Fischern und ihren Netzen gegeben zu haben. Was möglicherweise an einer momentan sehr speziellen Situation liegt, wie von mehreren Fischern zu hören war: „Den ganzen Winter, das Frühjahr und bis in den Frühsommer hinein haben wir keinerlei Fische gefangen, null; es war ein fürchterlich schlechtes Jahr – jetzt könnten wir endlich was fangen und sind mitten in der Hochsaison für Baden und Tauchen.“

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