Überlingen Birgit Nolte-Michel bringt die Piaf auf die Bühne

Mit Anekdoten und Chansons von Edith Piaf faszinierte Birgit Nolte-Michel das Publikum im Noltes Culture Lounge in Überlingen.

Edith Piaf. Zwei Worte, die so vieles sagen. Zwei Worte, die nach Musik klingen, die tönen. Sie liebte die Inszenierung, sie liebte den großen Auftritt, die Feiern, den Champagner. Zwar war der Piaf-Abend „La Môme – Edith Piaf“ in Noltes Culture Lounge in Überlingen bühnentechnisch gewohnt schlicht gehalten (Champagner gab es auch nicht), aber dennoch hat der Abend unglaublich geprickelt. Denn Birgit Nolte-Michels Interpretationen der berühmten Chansons ließen das Publikum dank ihrer Stimme und ihres Charismas vor Begeisterung überschäumen, was das Nolte-Ehepaar nach der Aufführung sichtlich bewegte.

Es war ein Abend, an dem sich Bekanntes mit Unbekanntem traf – eine Reise durch die Aufs und Abs im Leben der Edith Piaf, dem „Spatz von Paris“. Birgit Nolte-Michel zeichnete ein umfassendes Bild der kleinen Französin, die 1963 mit 48 Jahren starb. Filmeinspielungen, Lesungen aus Biographien und Erinnerungen von Zeitgenossen setzten sich wie Puzzleteile zu einem Gesamteindruck zusammen, der die Piaf mit Humor, mit ihren Erfolgen, ihren Schwächen durchaus kritisch, aber immer voller Respekt und Bewunderung für eine außergewöhnliche Künstlerin zeichnete. Die Geschichten und Anekdoten und nicht zuletzt das schauspielerische und musikalische Können Birgit Nolte-Michels rundeten das Bild ab.

Nolte-Michels gewährte außergewöhnliche Einblicke in Piafs Leben. Dabei taten sich für den Zuhörer überraschende Parallelen auf, zum Beispiel die zwischen New York und Strümpfelbach. Strümpfelbach liegt in der Nähe von Stuttgart, New York in den Vereinigten Staaten. Aber das nur nebenbei. Denn als die Piaf in New York nach dem Zweiten Weltkrieg auftreten sollte, verlangte sie, dass die Bühne für sie erhöht werde. Schließlich war sie nur 1,47 Meter groß. Ein Problem, das Nolte-Michels zwar nicht hat, aber in ähnlicher Form kennt. „In unserem Theater im Saustall in Strümpfelbach hat man für mich den Deckenbalken ausgesägt“, gestand die gefühlt mindestens zwei Meter große Frau und formte mit beiden Händen das Schnittmuster der Säge nach – mit dem Funkeln ihrer beliebten Bühnenfigur „Perle“ aus dem Stück „Perle hat Sau“ in den Augen.

Körperlich haben Piaf und Nolte-Michel folglich nicht allzu viel gemein. Auch soll der Rotwein in der Karaffe, die zu der Pariser Straßencafé-Inszenierung auf dem Tisch stand, nur Traubensaft gewesen sein. Aber eines haben die beiden Frauen, die sich nie kannten, gemeinsam: den Mut zu wunderschönen Liedern, sie auf ihre eigene Art zu interpretieren. Und, ganz wichtig: Ihr Herz, ihre Liebe und ihre Stimme, ja ihren ganzen Körper in die Musik hineinzulegen. Es mit der großen kleinen Piaf aufzunehmen – dazu gehört eine Menge Mut und eine Menge Können. Beides hat Birgit Nolte-Michel ohne Zweifel.

Begleitet und unterstützt wurde sie von Michael Lauenstein am Akkordeon. Sein ewig neutraler, manchmal etwas abwesend oder gelangweilt wirkender Gesichtsausdruck passt auf den ersten Blick so gar nicht zu seiner einfühlsamen und unglaublich variablen Art, Akkordeon zu spielen. Aber genau wegen dieser Mimik und seines faszinierenden Könnens liebt ihn das Publikum mindestens so sehr wie die neue Piaf aus Strümpfelbach, die nun Überlingen zu ihrer Heimat zählt und diese Entscheidung mit einem der größten Hits der Piaf ausklingen lässt: „Non, je ne regrette rien.“

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Leute
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren