Für Hubert Gut bestand nie ein Zweifel daran, dass der alte Anschluss an die B 31 bei Nußdorf geschlossen wird, wenn der neue bei Rengoldshausen öffnet. Überrascht von anderen Überlegungen, schloss er sich mit Christine Steppacher, Elmar Möhrle und Hans-Peter Achenbach zu einer Bürgerinitiative zusammen, die an der bevorstehenden Bürgerversammlung ihre Meinung artikulieren möchte.
Christine Steppacher wertet diverse Zeitungsartikel als Beweis dafür, dass die Schließung der alten Trasse längst Konsens war. Unter anderem ein SÜDKURIER-Bericht von September 1976, der den Titel trägt: „B 31-Anschluß Nußdorf wird verlegt“. In Bezug auf den geplanten Anschluss bei Nußdorf-Rengoldshausen heißt es darin: „Für eine solche Lösung plädierten die Nußdorfer schon, als der Ort noch selbständig war und im Zuge der Eingliederung zur Stadt Überlingen mußte diese zusagen, eine solche Lösung weiteranzustreben.“ In einem Bericht von März 1978 heißt es: „Die Stadt Überlingen ist an der Schließung des Anschlusses Nußdorf und dessen Verlegung stark interessiert. In einer Gemeinderatssitzung, die über ein Jahr zurückliegt, hat sich das Gremium für diese Lösung ausgesprochen.“
Alle vier Mitglieder der noch jungen Bürgerinitiative begrüßen den Bau der neuen Entlastungsstraße Ost. Es sei ein kluger Schachzug der Stadt gewesen, weil er den Druck auf Land und Bund erhöhe und mit einem baldigen Anschluss an die B 31 nun gerechnet werden könne. Ohne die bisherige Durchgangsstraße, so ihre Vision, werde der Ort nicht mehr in Süd und Nord getrennt, sondern könne „eine neue Achse des dörflichen Lebens“ entstehen. Mit der Verkehrsberuhigung würden auch die Voraussetzungen für das Prädikat „Erholungsort“ geschaffen, wovon die Gastronomie und letztlich der Einzelhandel profitiere, so ihre Überzeugung.
Günter Hornstein betont indes, dass eine Verkehrsentlastung auch bei einer Teilschließung eintrete. „Die Zahlen sagen klar, dass selbst bei Variante 4 – einer Durchfahrt nur für Pkw – eine Entlastung um 60 Prozent bringen würde.“ Hornstein: Eine Entlastung kommt auf jeden Fall.“
Erste Bedenken gegen eine komplette Sperrung seien von der RAB vorgebracht worden. Das Regionalbusunternehmen habe mitgeteilt, dass auf der Seelinie die Nußdorfer Ortsmitte nicht mehr bedient werden könne, wenn der Omnibus die Schleife über Rengoldshausen drehen und dann im Ort wenden müsse. Auch Geschäftsleute, die vom Durchgangsverkehr leben, hätten Bedenken artikuliert. „Sie sehen teilweise ihre Existenz gefährdet, wenn man Nußdorf abhängen würde.“
Er selbst habe sich noch keine Meinung gebildet, sagt Günter Hornstein. „Ich bin der Meinung, wir sollten die Bürgerversammlung abwarten und dann in die Diskussion einsteigen.“

