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08.10.2012  |  von Stefan Hilser  |  0 Kommentare

Überlingen B 31: Braucht Nußdorf zwei Anschlüsse?

Überlingen -  In dem Überlinger Teilort entsteht eine Diskussion um die geplante Auffahrt auf die B 31. Eine neue Bürgerinitiative entsteht, die es schon immer für Konsens hielt, dass der alte mit dem neuen Anschluss gekappt wird.

Die Verbindung von der B 31 nach Überlingen-Nußdorf: Bislang fährt man den Ort von Nord-Osten her an. Im Nord-Westen ist ein neuer Anschluss (bei Rengoldshausen) geplant. Damit stellt sich die Frage: Was passiert mit dem bisherigen Anschluss? Darüber herrscht im Dorf Diskussionsbedarf, der unter anderem bei einer Bürgerversammlung am Dienstag, 16. Oktober, 19.30 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus gestillt werden soll.  Bild: www.flugundbild.de / Plessing

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Autor
Stefan Hilser
Redakteur / Lokalredaktion Überlingen

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Für Hubert Gut bestand nie ein Zweifel daran, dass der alte Anschluss an die B 31 bei Nußdorf geschlossen wird, wenn der neue bei Rengoldshausen öffnet. Überrascht von anderen Überlegungen, schloss er sich mit Christine Steppacher, Elmar Möhrle und Hans-Peter Achenbach zu einer Bürgerinitiative zusammen, die an der bevorstehenden Bürgerversammlung ihre Meinung artikulieren möchte.

Ortsvorsteher Günter Hornstein widerspricht der Auffassung, dass die Schließung, beziehungsweise Renaturierung des alten Anschlusses, längst beschlossene Sache sei. „Bislang gab es noch keinen Beschluss in irgendeine Richtung, weder politisch noch planungsrechtlich. Tatsache ist, dass in der Diskussion immer wieder eine Schließung ins Gespräch gebracht wurde. Aber ohne, dass ein politisches Gremium, noch dass sich die Planungsbehörde damit befasst hat.“ Dass noch nichts geplant war, das lasse sich daran erkennen, dass das Regierungspräsidium Gutachten in Auftrag gab für vier mögliche Varianten. Diese wurden vorgestellt und sollen, bevor über sie im Ortschaftsrat und dann im Gemeinderat abgestimmt wird, mit den Bürgern diskutiert werden.


Vier Varianten stehen zur Diskussion:
  • Die jetzige Anschlussstelle an die B 31 bleibt erhalten. Mit einem weiteren Anschluss bei Rengoldshausen sinkt das Fahrzeugaufkommen, so die Prognose, von 7600 auf etwa 3900 Fahrzeuge.
  • Die jetzige Anschlussstelle wird geschlossen. In der Ortsdurchfahrt gibt es nur noch Ziel- und Quellverkehr. Zugleich erhöht sich der Verkehr in der Straße „Zum Karpfen“ nach den Prognosen von 245 auf rund 600 Fahrzeuge.
  • Die bisherige Anschlussstelle Nußdorf steht nur noch dem öffentlichen Busverkehr zur Verfügung. Mit Mehrbelastungen für den Bereich „Zum Karpfen“.
  • Die Anschlusstelle Nußdorf wird für den Schwerlastverkehr (über 3,5 Tonnen) gesperrt. Für den Individual –und den Busverkehr bleibt sie offen.
 

Christine Steppacher wertet diverse Zeitungsartikel als Beweis dafür, dass die Schließung der alten Trasse längst Konsens war. Unter anderem ein SÜDKURIER-Bericht von September 1976, der den Titel trägt: „B 31-Anschluß Nußdorf wird verlegt“. In Bezug auf den geplanten Anschluss bei Nußdorf-Rengoldshausen heißt es darin: „Für eine solche Lösung plädierten die Nußdorfer schon, als der Ort noch selbständig war und im Zuge der Eingliederung zur Stadt Überlingen mußte diese zusagen, eine solche Lösung weiteranzustreben.“ In einem Bericht von März 1978 heißt es: „Die Stadt Überlingen ist an der Schließung des Anschlusses Nußdorf und dessen Verlegung stark interessiert. In einer Gemeinderatssitzung, die über ein Jahr zurückliegt, hat sich das Gremium für diese Lösung ausgesprochen.“

 

Alle vier Mitglieder der noch jungen Bürgerinitiative begrüßen den Bau der neuen Entlastungsstraße Ost. Es sei ein kluger Schachzug der Stadt gewesen, weil er den Druck auf Land und Bund erhöhe und mit einem baldigen Anschluss an die B 31 nun gerechnet werden könne. Ohne die bisherige Durchgangsstraße, so ihre Vision, werde der Ort nicht mehr in Süd und Nord getrennt, sondern könne „eine neue Achse des dörflichen Lebens“ entstehen. Mit der Verkehrsberuhigung würden auch die Voraussetzungen für das Prädikat „Erholungsort“ geschaffen, wovon die Gastronomie und letztlich der Einzelhandel profitiere, so ihre Überzeugung.

Günter Hornstein betont indes, dass eine Verkehrsentlastung auch bei einer Teilschließung eintrete. „Die Zahlen sagen klar, dass selbst bei Variante 4 – einer Durchfahrt nur für Pkw – eine Entlastung um 60 Prozent bringen würde.“ Hornstein: Eine Entlastung kommt auf jeden Fall.“

Erste Bedenken gegen eine komplette Sperrung seien von der RAB vorgebracht worden. Das Regionalbusunternehmen habe mitgeteilt, dass auf der Seelinie die Nußdorfer Ortsmitte nicht mehr bedient werden könne, wenn der Omnibus die Schleife über Rengoldshausen drehen und dann im Ort wenden müsse. Auch Geschäftsleute, die vom Durchgangsverkehr leben, hätten Bedenken artikuliert. „Sie sehen teilweise ihre Existenz gefährdet, wenn man Nußdorf abhängen würde.“

Er selbst habe sich noch keine Meinung gebildet, sagt Günter Hornstein. „Ich bin der Meinung, wir sollten die Bürgerversammlung abwarten und dann in die Diskussion einsteigen.“

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