Gehbehinderte Senioren in betreuten Wohnanlagen am Schättlisberg in Überlingen konnten teilweise ihre Wohnungen nicht mehr verlassen.
– Die Minusgrade setzen nicht nur Autofahrern und Batterien zu, Schmiermittel werden zäh und Schlösser machen Probleme. In diesen kalten Wintertagen haben nun auch Aufzüge gestreikt, die den tiefen Temperaturen offensichtlich nicht gewachsen waren. In Mitleidenschaft gezogen wurden vor einer Woche das erste Mal die Bewohner von zwei betreuten Wohnanlagen für Senioren am Schättlisberg. Manche der älteren Menschen konnten das Haus nicht verlassen, wenn sie einkaufen wollten oder zum Arzt mussten.
„Viele hier sind gehbehindert, brauchen einen Rollator und können keine Treppen gehen“, sagt Olaf Meinsen, der sich über den Ausfall mächtig geärgert hat. Er selbst hatte noch Glück, da er im Erdgeschoss wohnt, doch manche Bewohner in den oberen Etagen konnten das Haus nicht mehr verlassen. „Zuletzt hatten wir zwar meist mildere Winter“, sagt der 80-jährige ehemalige Betriebselektriker: „Doch minus 12 Grad sind ja keine so extremen Temperaturen, dass ein Aufzug ausfallen muss.“ Meinsen vermutet dennoch, dass die Steuergeräte nicht für diese Temperaturen ausgelegt sind, und ist sichtlich verärgert. „Mit so einem Winter muss man doch in unseren Breiten rechnen.“
Auf die Beschwerde Meinsens hat die Hausverwaltung reagiert und inzwischen für beide Gebäude Heizungen für die Fahrstuhltechnik in Auftrag gegeben. „Die Temperaturen waren jetzt längere Zeit ungewohnt tief“, sagt Gabriele Wiechmann von der Hausverwaltung UWIGA. Dies habe auch an vielen anderen Orten für unerwartete Probleme gesorgt. „In beiden Gebäuden werden nun so genannte Schachtkopfheizungen eingebaut“, erklärt Wiechmann: „Dann sollte der Betrieb wieder ungestört funktionieren.“ Gestern früh lief der Fahrstuhl zunächst wieder, dann waren hörbar die Handwerker tätig. „Solche Maßnahmen muss ich zuerst mit dem Beirat der Wohneigentümergemeinschaft abstimmen“, sagt die Hausverwalterin, „und dann Angebot der Firmen einholen.“
So ganz zufrieden war Olaf Meinsen allerdings noch nicht. „Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Hausverwaltung“, sagt er, „sondern gegen die Aufzugstechnik. Das dürfte eigentlich nicht passieren.“ Ausdrückliches Lob hat Meiners sogar für die Betreuung durch die Mitarbeiter des Altenpflegeheims der Diakonie parat. Statt die Bewohner zusammenzutrommeln und zum gemeinsamen Einkaufen zu begleiten, holten die Helfer in diesen Tagen die Einkaufszettel ab und erledigten die Besorgungen. Damit waren die Senioren bedient und mussten sich keine kalten Füße holen.