Überlingen Altes Märchen neu inszeniert
„Mein liebes Kind, darf ich dir diesen rotbackigen Apfel anbieten?“ „Nein!“, kreischen die Kinder im Saal. Aber Schneewittchen hört nicht auf die Warnungen. Bild: Bild: Sotern
Überlingen – „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Diese Frage stellt im Märchen der Gebrüder Grimm die böse Königin ihrem Spiegel. Manche Märchen sind zeitlos. „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ ist eines davon.
Beim „Theater Liberi“, das mit fünf Schauspielern noch bis zum 23. Dezember jeden Tag mit dem Musical „Schneewittchen“ in einer anderen Stadt gastiert, gibt es jedoch nur zwei Zwerge auf der Bühne. Die restlichen fünf werden als laufendes Schattenbild an die Wand der Zwergenhütte gezaubert. Eines von vielen witzigen Elementen einer modernen Inszenierung unter Regisseur Helge Fedder, Bühnenbildner Sebastian Schlecht und mit der Musik von Christoph Kloppenburg und Christian Becker.
Anfangs staunen die Kinder im Saal über die seltsame „böse Königin“ (Anja Dorrer) im hochgeschlitzten Etuikleid und über das langmähnige Mädchen im Minikleid, das sich Schneewittchen nennt. Das Märchen war ihnen irgendwie ganz anders in Erinnerung. Doch als Schneewittchen ihr Festtagskleid anzieht, lang und weiß, genau wie im Grimm'schen Märchen, da stimmt alles wieder. Und als Schneewittchen gar noch anfängt zu singen, ist das Publikum begeistert: Was für eine wunderschöne Sopranstimme die junge Schauspielerin und Sängerin Denise Vilöhr besitzt, welch makellosen Teint und was für eine hübsche Figur. Kein Wunder also, dass sich der plötzlich aufgetauchte Prinz (Christian Hamann) sofort in sie verliebt.
Täglich befragt die eitle Königin ihren Spiegel: „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“. Als der Spiegel die Wahrheit sagt und von der Schönheit Schneewittchens schwärmt, da entbrennt die Königin in hellem Zorn, holt ihren Jäger und befiehlt ihm, Schneewittchen im Wald zu töten. Der Jäger aber lässt das schöne Mädchen im dunklen Wald laufen. Es findet Zuflucht bei den sieben Zwergen, die in Wirklichkeit zwei kesse Zwerginnen im Hippie-Look sind. Carolin Pommert und Natalia Peregudova beherrschen ihre Zwergen-Rollen mit großem Schalk und einer riesigen Portion Humor.
Die Königin erfährt, dass Schneewittchen noch lebt. Mit weit aufgerissenen Augen verfolgen die Kleinen im Saal, wie die böse Frau den Apfel vergiftet, sich als Bettelweib verkleidet, in den Wald schleicht und diesen Apfel Schneewittchen anbietet. „Halt!“ und „Nein!“ rufen die Kinder. Doch das Mädchen beißt in den Apfel und fällt zu Boden. Jetzt ist es mucksmäuschenstill im Kursaal. Dann ein Aufatmen. Der Prinz erscheint, beugt sich über Schneewittchen und küsst seine Angebetete wieder lebendig. Tanzend und singend gibt es ein großes Happy-End. Im Zuschauerraum klatschen die Kleinen lange eifrig in die Hände.
