Überlingen (shi) Die Überlinger haben großen Diskussionsbedarf bei den Themen Baukultur und Villensterben. Der CDU-Ortsverein machte die Debatte nun zum Inhalt einer Sondersitzung. Die Quintessenz hieraus: Überlingen darf seine architektonischen Erkennungsmerkmale nicht verlieren - wie dies erreicht werden kann, ist aber parteiintern umstritten.
"Ich finde es prima, dass die Diskussion in Gang kam", sagte Architekt Jörg Bohm. "Wir müssen als Partei Ziele formulieren." Als Ursache für manche sichtbare und für Bohm nicht per se schlechte Veränderung des Stadtbildes nannte er "den enormen Siedlungsdruck", unter dem die Region stehe. "Wir könnten die Uferregion zehnmal bebauen."
Carola Drews war die Ungeduld ins Gesicht geschrieben. "Ich kapiere nicht, dass es in Überlingen keine Bauleitplanung gibt. Ohne Planung wird sich nichts ändern", sagte sie an die Adresse der Entscheidungsträger. Michael Jeckel, für die CDU im Gemeinderat, dämpfte zu große Hoffnungen: "Uns sind durch das Baurecht leider die Hände mehr gebunden als die Volksseele meint." Dagegen betont Architekt Nils Kolberg, dass Verwaltung und Gemeinderat "Hebel" in der Hand hätten, um Bausünden zu verhindern. Man müsse nur die Baunutzungsordnung richtig anwenden. Überlingen gestatte den Bauherren eine höhere Versiegelung der Flächen, als den Eigentümern von Gesetzes wegen eigentlich zustünde.
"Eine stärkere Führung, die eine gewisse Richtung vorgibt", wünscht sich Kolberg innerhalb der Stadtverwaltung - und erntet dafür den Zuspruch der Parteifreunde. Jörg Bohm: "Es ist Aufgabe des Kopfes, Zielvorgaben zu machen." Man dürfe es nicht den Antragstellern diverser Bauprojekte überlassen, "wie sich die Stadt entwickelt". Als "Fehlentscheidung" titulierte Lothar Fritz (Fraktionschef im Gemeinderat) die Entscheidung, statt eines Baubürgermeisters "einen Kulturbürgermeister" einzustellen. Dem Oberbürgermeister fehle die Zeit, sich intensiv um das Bauressort zu kümmern, weshalb er dessen Amtsleiter "an die lange Leine lassen musste". Das, so Fritz, "hat dem OB und der Stadt vielleicht nicht gut getan". Fritz: "Die Stadt hätte es verdient, einen mit ästhetischem Verstand ausgestatteten Baubürgermeister zu haben." Und Ulrich Huther, der für die CDU im Kreistag sitzt, erinnerte daran, dass in den nächsten 18 Monaten mit Oberbürgermeister-Wahl, Beigeordnetenwahl und Gemeinderatswahlen "die Weichen neu gestellt werden können".
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