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Überlingen 500 Streuobstbäume für Hödingen

29.11.2010


Überlingen – Grasende Schafe auf Streuobstwiesen hoch über dem See, das wird bald ein häufigeres Bild sein rund um Hödingen. Binnen zwei Jahren wurden und werden bis Ende 2010 fast 500 neue Bäume – überwiegend alter traditionsreicher Obstsorten – gepflanzt sein.

Um die gewachsene Kulturlandschaft und die damit verbundene besondere Artenvielfalt des Natura-2000-Gebiets zu erhalten, das auch dem Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unterliegt, werden Schafe die Wiesen kurz halten und damit anderen Pflanzen und vielen Tieren bessere Lebensbedingungen bescheren. Ausgegangen war der Impuls von Fachmann Thomas Hepperle, Hödinger und Leiter des Landwirtschaftsamts im Kreis Konstanz, insbesondere Sammler und Bewahrer alter Birnen- und Apfelsorten. Unterstützt wird er vom Leiter der Grünflächenabteilung der Stadtverwaltung, Thomas Vogler und von Biologe Peter Berthold, der über die Sielmann-Stiftung im Rahmen des Biotopverbunds Bodensee die entscheidenden finanziellen Mittel bereitstellen konnte. Die fachliche Planung steuerte Jochen Kübler vom Büro 365 Grad bei. Wichtige Überzeugungsarbeit leisteten die Otrschaftsräte Martin Kessler und Clemens Vogler.

Birnbäume waren in den letzten Jahren landauf landab verschwunden. „Meist sind sie aufgrund eines abgesunkenen Grundwasserspiegels und der Konkurrenz des Grases an der Oberfläche verdurstet“, sagt Hepperle. So erging es vor kurzem einer Schweizer Wasserbirne, an deren Stamm 199 Jahresringe gezählt wurden. Auch mangelnde Pflege ließ viele Streuobstbäume zu Baumruinen werden. „Schon im vergangenen Jahr haben wir die ersten 130 Bäume gepflanzt“, sagt Thomas Hepperle. Trotz mehrerer Informationen über das kostenlose Angebot für Bäume samt Pflege hätten sich nur wenige Grundstücksbesitzer von sich aus gemeldet, sagt Martin Kessler. Und: „Wenn wir sie dann persönlich angesprochen haben, machten eigentlich alle mit.“ Davon haben nicht nur Spaziergänger und Naturliebhaber etwas. „Der Wert des Grundstücks steigt dadurch ja wieder“, betont auch Clemens Vogler.

Vorausgegangen war eine systematische Kartierung aller vorhandenen und zugrunde gehenden Sorten durch den Pomologen Hans-Thomas Bosch vom Kompetenzzentrum Obstbau in Bavendorf sowie die Auswahl und die Anzucht der gewünschten Sorten in der Baumschule. Bis zum Ende des Jahres werden es fast 500 neue Bäume sein. Doch mit dem Pflanzen allein ist es noch nicht getan. „Die Sielmann-Stiftung finanziert auch für zehn Jahre den Schnitt und die fachmännische Pflege aller Bäume“, betont Peter Berthold. Nach dieser Basiserziehung sind die entscheidenden Weichen für ein gesundes Wachstum gestellt. Weit mehr als 100 000 Euro kommen da an Material- und Personalkosten über diesen Zeitraum zusammen.

Noch mehr Erklärungsbedarf hat das Beweidungsprojekt, für das in den letzten Wochen rund 1,5 Kilometer Zaun nach neuseeländischem Vorbild aufgebaut wurden. Er soll den Uhldinger Schäfern Irmgard und Hermann Horn die Arbeit etwas erleichtern, die für die wichtige Beweidung der Streuobstwiesen gewonnen werden konnten. Als Rinderweide taugten die Wiesen immer weniger und wurden kaum noch genutzt. Umso wichtiger war es, eine Alternative zu finden, um den Charakter der Kulturlandschaft und den Artenreichtum bewahren zu können. Die Kosten für den Zaun teilen sich die Sielmann-Stiftung (50 Prozent), das Landesprojekt Plenum (30 Prozent) und die Stadt Überlingen (20 Prozent).

Alles zusammen sei ein wichtiger Beitrag zu der wichtigen Erholungslandschaft, betont Thomas Vogler. Unzählige Spaziergänger und Wanderer kommen auf der Halbhöhe zwischen Spetzgart und Hödingen oder auf dem Kamm vorbei, genießen das Panorama und Bodenseelandschaft. Die Route des Schwarzwaldvereins führt hier ebenso vorbei wie der Jubiläumswegs des Bodenseekreises. Auf beiden Seiten des Spetzgarter Wegs werden sie im kommenden Jahr mit Informationstafeln auf die Projekte aufmerksam gemacht.

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