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Tettnang Ovationen für die „hauseigene“ Solistin

15.07.2011
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Großartiges Konzert des Sinfonieorchesters Friedrichshafen mit der Geigerin Miriam Gruhle in der Stadthalle Tettnang

So romantisch-feudal das Ambiente des Tettnanger Schlosshofes auch gewesen wäre – dem Konzerterlebnis war die Schlechtwetteralternative Stadthalle zweifellos bekömmlich. Keine Töne verflüchtigten sich ungehört himmelwärts. Und die Musiker waren auch gottfroh, zumal sie sich auf der Freilichtbühne nie wirklich gegenseitig hören können.

Ein Konzert, das mit Standing Ovations endete. Die galten in erster Linie der Solistin Miriam Sarah Gruhle, ebenso aber auch dem Friedrichshafener Sinfonieorchester unter der umsichtigen Leitung von Joachim Trost. Ein Programm mit eher leichter, sprich populärer Kost: Rossini, Puccini, Strauß-Sohn, Verdi, Rimsky-Korsakow – und für die Solo-Geige: Massenet und Sarasate.

Bemerkenswert: Vor zwei Wochen wusste Miriam Gruhle noch nichts von ihrem Glück. Pech für die vorgesehene Geigerin; sie hatte sich in den Finger geschnitten. Miriam Gruhle ist Tettnangerin, eine hauseigene Virtuosin sozusagen. Seit 13 Jahren handhabt die 19-jährige schon Geige und Bogen. Wie gut und sicher sie ihr Handwerk gelernt hat, zeigte sie eindrucksvoll. Neben den beachtlichen Fertigkeiten ist für Virtuosität jedoch die Gestaltung wesentlich. Bei der Massenet-Meditation galt es, den so nahe liegenden Kitsch zu vermeiden. Dies gelang beiden, dem Orchester mit liebreizend plätschernder Harfe wie der Solistin, vorzüglich. Doch wie würde sie mit dem Teufelsgeiger Sarasate umgehen? Weit jenseits von braver Musikschülerin setzte Miriam Gruhle auch hier breit und satt den Bogen auf die Saiten. Mühelos flogen die Finger die Lagen rauf und runter, breit gespielte Doppelgriffe mit sicherer Intonation.

Pizzicato mit der linken Hand. Bisweilen setzte sie gekonnt „schmierende“ Töne oder auch schleifende Läufe, zigeunerisch eben! Das gesamte Orchester verwandelte sich überzeugend in ein Zymbal, zelebrierte die typischen, synkopischen Rhythmen, folgt dem tobenden Accelerando der Solistin. Großartig!

Besonders transparent gelang Rossinis Barbier-Ouvertüre: ausgefeilte Dynamik und plastische Klangfarben. Gleiches gilt für das Preludio von Puccini. Die Holzbläser begannen, Violinen nahmen das Thema auf, Schlagwerk und Harfe gesellten sich dazu – eine traumhafte Märchenstimmung ist hergestellt, mit Dramatik und narrativer Sanftheit. Das Ende ist verblüffend mit zarter Pauke und ganz ohne Bombast.

Gut zum Sarasate passend erklang zum Beschluss Rimsky-Korsakovs Capriccio Espagnole mit Solo-Kadenzen von Violine und Cello (brillant!). Umfangreiches Schlagwerk, instrumentenspezifische Effekte in allen Registern, kurzum: wieder ein ausgefeilt erarbeitetes Glanzstück. Nach der Zugabe des „Toréador“ (Bizet) durfte das Publikum noch einmal die melancholischen Weisen über die Hetäre Thaïs genießen.

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