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Mit Hoffen und Bangen schaute man in Tettnang am Mittwoch nach dem regenverhangenen Himmel, ob auch die traditionelle Serenade im Innenhof des Schlosses stattfinden könne. Doch nachmittags klarte das Wetter auf und brachte Entspannung: Das Konzert mit dem ansprechenden und weitgefächerten Programm konnte unter freiem Himmel stattfinden, nachdem nun zwei Jahre hindurch der Stadthallenbehelf die Serenadenatmosphäre getrübt hatte.

Wo hätte Händels Feuerwerksmusik eine besseres Ambiente finden können als im barocken Geviert des akustisch effektvollen Innenhofs? Joachim Trost verlieh der Aufführung gleich mit der klangfarbenreiche Ouvertüre barocken Glanz bei lebendigem Wechsel von präsenten Blechbläsern und warmem Streicherklang. Eingeschlossen darin war das vital angegangene Allegro mit recht rhythmischer Punktierung der Violinen. Nicht nur pompöser Tuttiklang, sondern auch intim kammermusikalisches Musizieren hörte man bei der leichtfüßig intonierten Bourrée, kontrastiert von der vornehm wiegenden „La Paix“. Zu effektvoller „Militärmusik“ machte Trost in seiner prägnanten Orchesterführung „La Réjouissance“ bei blitzsauber gespielten Signalmotiven. Aber auch Menuett I und II entfalteten nochmals barocken Glanz und Pomp bei elegant dahinfließendem Tanzmotiv.

War dabei Händel zum 250. Todestag gedacht worden, galt der 4. Satz der Sinfonie Nr. 104 als Hommage zu Joseph Haydns 200. Todestag. Das Finale, ein Allegro spiritoso, fügte sich in seinem freudig volksliednahen Charakter zwischen Tanz, Kehraus und Konzertsinfonie bestens in das Serenadeprogramm ein. Geschlossen einstimmig intonierten die Violinen die eher derbe Melodie über einem Dudelsack-Bass. Doch dann gab der Dirigent dem Satz eine sinfonische Wendung mit vielgestaltigem und klar herausgespieltem Auftreten des Hauptmotivs, dynamischer Akzentuierung wie straffen Unisonopassagen. Felix Mendelssohn Bartholdys 200. Geburtstag wurde mit dessen „Hebriden-Ouvertüre“ op. 26 gefeiert, bei der Joachim Trost die Naturstimmungen, das Spiel von Meer und Wind fein nuanciert nachzeichnen ließ und die Naturschilderung mit den immer höher steigenden weichen Wellenbewegungen der Celli begann. Wasserspiel erfuhr eine fortwährend musikalische Spiegelung, kontrastiert von dramatischen Impulsen: Ein marschartiges Motiv wurde zu sturmgepeitschter See gesteigert, während zarte Streicherpassagen in reicher Modulation wiederum diffuse Dunstschleier suggerierten.

Nach der Pause begeisterte das Orchester mit leichter Muse und spielte zunächst recht blutvoll die Ouvertüre zur Oper „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, bei der Joachim Trost auch kammermusikalische Töne für die gemütsbetonten und lyrischen Passagen anschlagen ließ und die ungarisch gefärbten Volksmusik-Elemente temperamentvoll herausstellte. Elegant tänzerisch rauschte da der Walzer als Herzstück durch den Hofraum!

Mit zwei Werken von Pablo de Sarasate bekam die junge und hochbegabte Geigerin Miriam Gruhle Gelegenheit für einen bravourösen Auftritt. Sie spielte zunächst „Zapateado“ op. 23 Nr. 2 für Violine und Orchester und übernahm in kultiviert geschmeidigem Ton den Solopart zu gut balancierter und einfühlsamer Orchesterbegleitung. Noch kraftvoller und runder wurde ihr Spiel bei „Introduktion und Tarantella“ op. 43, wo sie vor allem in den tiefen Lagen mit warm tragendem Ton bestach, aber auch die virtuosen Passagen in den höchsten Höhen souverän beherrschte und den spanischen Tonfall dieser Musik traf. Neben Miriam Gruhle konnte auch der noch junge Thomas Schüler bei der „Havanaise“ für Violine und Orchester von Camille Saint- Saens sein weit fortgeschrittenes Können unter Beweis stellen, indem er neben ausdrucksvollen Kantilenen auch mit perfekter Sicherheit die virtuosen Figurationen spielte, einfühlsam wie farbig vom Orchester begleitet. Zu diesem Klangcharakter passte nicht nur „Danse Bohème“ von Georges Bizet bei wendigen Bläsern und auftrumpfenden Streichern, sondern auch der „Slawische Tanz“ Nr. 8 in g- Moll von Antonin Dvorak. Zarte Streichertöne wechselten mit vitalen Blech- und warmen Holzbläserpassagen und erhielten bei wendigem Taktwechsel auch in packender Steigerung den Charakter eines temperamentvollen Kehraus. Langer Beifall mit Zugabe des Slawischen Tanzes Nr. 1.

Franz Josef Lay

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