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31.10.2012  |  von Kerstin Mommsen  |  0 Kommentare

Tettnang Kai Schumann in Guttenberg-Satire - „Schauspieler sind Gaukler“

Tettnang -  Für die Sat.1-Satire „Der Minister“ schlüpft Kai Schumann in die Rolle eines Vollblut-Politikers. Ähnlichkeiten mit Karl-Theodor zu Guttenberg sind dabei keineswegs zufällig

Viel Gel im Haar, eine Brille auf der Nase: Seine Rolle als Politiker in „Der Minister“ nimmt man Kai Schumann ab.  Bild: Sat.1/ Brackmann

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Autor
Kerstin Mommsen
Redakteurin / Lokalredaktion Friedrichshafen

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Herr Schumann, Sie spielen in der Komödie „Der Minister“ einen Vollblut-Politiker. Haben Sie dadurch einen neuen Blick auf die Politik bekommen?

 

Ehrlich gesagt, nein, denn ich hatte schon immer einen eher distanzierten Blick auf das Politikgeschehen; das impliziert ja schon das Berufsbild des Schauspielers. Wir Schauspieler sehen uns selbst als Gaukler, als Harlekine. Meiner Meinung nach kommt der Beruf des Schauspielers ja auch aus der Tradition der Hofnarren. Von daher habe ich mich natürlich schon immer mit dem Tagesgeschehen befasst, aber es eher unter dem ironischen Blickwinkel betrachtet.

 

Wenn Sie sich selbst eher als Gaukler, als Nachahmer sehen, dann müsste eine Satire wie diese für Sie doch ein großer Spielplatz sein, auf dem Sie sich völlig ausleben können.

 

Ja, natürlich. Die Komödie, die Satire ist das Königs-Genre. Es ist zwar auch das schwierigste Genre, gleichzeitig aber auch das tollste. Es macht so viel Spaß, Dinge zu betrachten und sie überhöhen zu können, sich kleine Momente herauszunehmen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so auffallen. Wenn man sie aber vergrößert, werden sie auf einmal urkomisch, in manchen Fällen auch einfach nur noch absurd.

 

Was hat Sie denn am meisten interessiert? Die aufsehenerregende Rolle oder das Genre Satire?

 

Natürlich ist die Rolle immer wichtig. Ich muss etwas mit ihr anfangen können, sie muss spannend sein. In diesem Fall aber muss ich zugeben, dass ich sofort von dem Drehbuch begeistert war, vom ersten Lesen an. Sowohl die Geschichte als auch die Dialoge haben mich überzeugt. Ich wollte die Rolle gerne übernehmen.

 

Sie spielen im Film die Rolle des Franz Ferdinand von und zu Donnersberg – eng angelehnt an den echten Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg. Wie schwierig war es für Sie, sich in diese Rolle hineinzuversetzen, so polarisierend, wie der Fall Guttenberg ja ist?

 

Ich persönlich schalte jedwede öffentliche Wahrnehmung und Polarisierung komplett aus. Das, was ich tue, ist meine ganz normale Arbeit, die ich immer mache. Ich nehme den Charakter, ich betrachte ihn genau. In diesem Fall hatte ich natürlich ein paar Vorlagen, das ist ja klar. Als Schauspieler versuche ich dann für mich die Essenz des Charakters herauszukristallisieren und mich in diesen Menschen hineinzuversetzen. In diesem Fall, für diese Figur, war das relativ einfach. Es hat einfach Spaß gemacht, mehr kann ich dazu nicht sagen.

 

Warum ist diese Figur Guttenberg alias Donnersberg so interessant?

 

Natürlich spielt die große öffentliche Wahrnehmung der Plagiats-Affäre um Guttenberg eine große Rolle. Es hat mich fasziniert, diesen Fall von einem neuen Blickwinkel aus zu betrachten. Auf der anderen Seite ist der Charakter, den ich laut Drehbuch spiele, ein Mensch, der von allen gefeiert wird und eine große öffentliche Wirkung hat. Ich bin aber überzeugt davon, dass gerade das seinem Innersten komplett widerspricht. Deswegen ist diese Rolle für mich so spannend, weil innerhalb dieses Charakters große Zerreißkräfte am Werk sind.

 

Macht die Tatsache, dass Ihre Figur an die reale Person Guttenberg angelehnt ist, die Sache für Sie eher einfacher oder schwieriger?

 

Weder noch, würde ich sagen.

 

Wie erarbeiten Sie sich eigentlich eine Figur, die so sehr in der Öffentlichkeit stand?

 

Natürlich habe ich in diesem Fall eine große Vorlage – und kann mir viele Auftritte von Guttenberg anschauen. Es ist schon ein bisschen eine andere Arbeitsweise, als sich eine fiktive Figur zu erarbeiten. Normalerweise habe ich einen Text als Vorlage, um daraus den Charakter zu entwickeln. Im Fall Guttenberg kann ich aus seinen Auftritten und Reden das herausdestillieren, was mich persönlich am meisten interessiert und was ich am wichtigsten finde. Am Ende ist es aber nicht die Originalfigur, die ich nachspiele, sondern eine Figur, die ich selbst entwickelt habe.

 

Wie sehr hat Sie beim Drehen die Kulisse des Tettnanger Schlosses inspiriert?

 

Es ist ein toller Drehort. Vor allem hat mich hier der Gedanke inspiriert, wie es ist, in der heutigen Zeit in einem solchen Schloss aufzuwachsen. Das macht natürlich etwas mit den Menschen, die dort leben. Und das zu erleben, war für mich als Schauspieler natürlich sehr interessant.

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