Einen äußerst unterhaltsamen, fröhlichen Abend genossen mehr als 70 Landfrauen und auch einige Männer als Gäste des Kreislandfrauenverbandes im katholischen Gemeindehaus in Tettnang-Laimnau. Unter ihnen auch gut ein Drittel „Wiederholungstäterinnen“ – wie Mundartdichterin Ingrid Koch zu Beginn ihrer kurzweiligen Lesung aus eigenen Versen augenzwinkernd feststellte. Zur Einstimmung und Überbrückung der Vortragstexte sorgte der Pianist Werner Israel mit Variationen aus der Swing- und Blues-Ära des vorigen Jahrhunderts.
Ingrid Koch startete mit der Erkenntnis, übersetzt, dass Unwissenheit in der Tat vor Strafe nicht schütze und deshalb „derfsch halt doch koin Depp sei.“ Überhaupt markierten ihre Pointen die im Schwäbischen üblichen, zuweilen als deftig zu bezeichnenden Be- und Umschreibungen, das „Dracula-G'sindel“ etwa, die Schnaken nämlich, die am alkoholhaltigen, dem Menschen abgepeinigten Blut „hoffentlich verrecket“ – oder das die Beschaulichkeit im Straßen-Café störende „scheiß Handy“ eines durchaus nicht unattraktiven, aber leider ein anderes Date organisierenden Gegenübers – „so'n Schwungguschtl“.
Kaum eines der fast liebenswerten Frauen-Klischees ließ sie aus, natürlich „so sieh i mi halt“, ihre Zuhörerinnen tröstend. Ob sie damit aus vermeintlicher Männersicht eine entblätterte Mittfünfzigerin als „abg'nagte Diätwurzel“ charkterisierte oder manch Plappermaul verteidigte, denn: „No viel schlimmer als d'r Tod, isch für a Frau a Schprechverbot.“ Alltägliches formte sie mit sezierender Schärfe in lyrische Rhythmen. Das erstreckte sich vom nur gedachten, gar nicht erst geschriebenen Einkaufzettel, von der verlegten Brille über den vergessenen Broteinkauf, der die Familie schließlich einen Vesper-Genuss bei „der Melitta“ (Giesenbrücke) bescherte, bis hin zur wetterabhängigen, natürlich falschen Urlaubsgarderobe: „en Schrank voll nix zum A'zieah.“
Und, zur Begrüßung des Frühlings, der Blick in den Kleiderschrank sowie die damit verbundene „Entdeckung“ neuer Pölsterchen: „Herrschaft, war der Winter teuer“, um schließlich nach erfolgloser Diät (der wievielten?) dann doch wieder auf „Schweinehals mit Schpätzle“ zurückzukommen.
Der gereimte Reigen um die allbekannten, spitzbübisch offerierten Wahrheiten endete mit Zugaben rund ums stinknormale Alltagsleben, mit Beobachtungen zum selbstdarstellerischen sommerlichen Defilee auf der Tettnanger Monfortstraße und schließlich der Klarstellung, dass schwäbische Liebhaber nicht flirten (können): „Komm, etz hon de it so!“ Lang anhaltender Applaus bei teils noch lachfeuchten Augen und Geschenkkörbe für die Autorin und den Mann am Klavier waren verdienter Lohn.